Wien/Berlin - Spätestens als in Wien zum wiederholten Male die Kaffeehäuser schließen mussten, wurde den Allerletzten bewusst, dass diese Corona-Pandemie nicht bloß eine körperliche Bedrohung darstellt. Sie ist eine schwere Attacke auf die Alltagskultur der Stadt und die Lebensart der Menschen. Denn Wiens Kaffeehäuser sind keine nostalgischen Touristenbuden (manche schon, aber sei’s drum), sondern „eine Institution besonderer Art (...), die mit keiner ähnlichen der Welt zu vergleichen ist“, wie Stefan Zweig in seinen „Erinnerungen eines Europäers“ schreibt. Ein lebendiges, filigranes Sozialkunstwerk also, dessen Qualitäten zeitgenössischer nicht sein könnten. Und dessen Existenz jetzt, da keine(r) mehr reindarf, auf dem Spiel steht. 

Sollte geschehen, was die WKO Wirtschaftskammer Österreich mit ihrer Werbekampagne „Ein Kaffee kann den Tag retten, zwei vielleicht das Kaffeehaus“ zu verhindern versucht, und tatsächlich reihenweise die Kaffeehäuser pleitegehen: Es würde das europäische Stadtleben auf eine subtile, aber tiefgreifende Weise demolieren. Klingt groß, klingt dramatisch – und ist doch nichts als die Wahrheit.

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