Der Brite Adam Fletcher erklärt „Wie man Deutscher wird in 50 einfachen Schritten“

Adam Fletcher (30) ist Engländer und lebt in Berlin. Als Ausländer in Deutschland muss er wissen, was „die Deutschen“ eigentlich ausmacht. Seine Erkenntnisse stellt er in dem Buch „Wie man Deutscher wird in 50 einfachen Schritten“ vor. 15 Schritte haben wir als Auszug hier zusammengestellt. Für alle Zugezogenen, die endlich einmal verstehen wollen, was „richtig“ deutsch ist. Und für alle Einheimischen, die bislang nie verstanden haben, warum Menschen aus anderen Ländern uns wegen unserer Outdoor-Kleidung so schräg angucken.

1. Lange frühstücken

Ein deutsches Frühstück ist nicht einfach eine Mahlzeit, sondern ein kunstvolles Festmahl. Beim Wochenendfrühstück ist jeder Quadratzentimeter Tisch von einer riesigen Auswahl an Käse, Aufschnitt, Obst, Marmeladen, Honig, Anstrichen und anderen Zutaten bedeckt. Es sieht aus, als hätte jemand eingebrochen und auf der Jagd nach Wertsachen den Inhalt sämtlicher Vorratsschränke auf den Tisch geschüttet.

2. Planen, Vorbereiten, Durchführen

Wenn du Deutscher werden willst, musst du wie ein Deutscher denken, was kein Kinderspiel ist. […] Für den Anfang musst du aber erst einmal die drei Grundpfeiler deutschen Denkens und Handelns akzeptieren: Planen, Vorbereiten, Durchführen. […] Fertige Tabellen, Diagramme und Listen an. Überleg dir, was du täglich machst, und denk nach, wie du es effizienter erledigen kannst. […] Man nennt es vielleicht Spontaneität, aber deshalb kann man es trotzdem organisieren. Spaß hat seinen Ort und seine Zeit, und die muss im Voraus festgelegt und im Kalender vermerkt werden. Alles andere ist Leichtsinn und Chaos.

3. Versichern

Jeder weiß, was für ein Dschungel das da draußen ist. Also, mein unerschrockener foreigner: Ehe du dich hinauswagst und anfängst, an den Lianen des Lebens umherzuschwingen, solltest du dich vernünftig versichern. […] Sei nicht überrascht, wenn alle Deutschen, die du kennenlernst, einen persönlichen Versicherungsberater haben.

4. Vernünftig anziehen

ACHTUNG; FOREIGNER! ACHTUNG! Da draußen wartet, was man Natur nennt. Und die ist wankelmütig – trau ihr auf keinen Fall! Sie spielt ihr eigenes unlogisches und wechselhaftes Spiel. Am besten wappnest du dich für alle Unwägbarkeiten. Du brauchst – teure Outdoor-Kleidung! Schließlich gehst du vor die Tür, und es heißt Outdoor-Kleidung, also muss sie wohl nötig sein.

5. Flaschen ohne Flaschenöffner aufmachen

Flaschenöffner existieren in verschiedenen Formen seit circa 1738. Es gibt nur einen logischen Grund, wieso Deutsche eine Flasche so ungefähr mit allem außer einem Flaschenöffner aufmachen können: nämlich dass Flaschenöffner hier erst seit 2011 bekannt sind. […] Ich habe hier schon gesehen, wie Leute Flaschen mit den Zähnen aufmachten, einer sogar mit der Augenhöhle. Also, foreigner, du musst mindestens zehn Methoden lernen. Feuerzeug und Löffel müssen dabei sein. Schildkrötenpanzer ist nicht zwingend, aber zulässig.

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