Scharfe Sache: Gambas an Piri-Piri aus Chilischoten.
Foto: Manuel Krug

Berlin-MitteMir scheint, die Berliner sehen momentan gesünder aus als sonst. Die Gesichtszüge der meisten wirken entspannter, vermutlich, weil das Tempo und die Verdichtung durch Corona etwas runtergefahren sind. Und bei vielen stelle ich eine natürlich-schöne Bräune im Gesicht fest. Offenbar verbringen jetzt auch Stadtmenschen mehr Zeit draußen. Es ist ein wunderbarer Trend für die Gastronomie. Wurde früher um jeden Quadratzentimeter gestritten, den Stühle und Tische auf den Bürgersteigen einnehmen durften, sind viele Auflagen vorerst aufgehoben. Aus virologischer Sicht ist draußen essen nun explizit gewünscht. Endlich mal eine Corona-Auswirkung, über die man sich freuen kann.

Wie vielen schmeckt es auch mir unter freiem Himmel oft besser. Außerdem entdecke ich überall frisch renovierte Außenterrassen, die zum Besuch locken. Während coole Restaurants wie das Panama oder Zagreus Projekt in der Brunnenstraße ihre Innenhöfe zu Pop-up-Biergärten gemacht haben. Ich werde sicher bald dort sitzen.

Zum Dinner aufs Dach

Bereits ausprobiert habe ich das neue „Le Pierre“ Rooftop Grillrestaurant des Amano-Hotels zwischen Hauptbahnhof und Hamburger Bahnhof. Noch vor der Eröffnung wurde zum Testessen geladen und ich war neugierig. In der Presse-Information hieß es, dies sei Berlins erstes Grillrestaurant über den Dächern.

Keine Ahnung, ob das zutrifft, aber mir fällt auch kein anderes ein. Generell muss jedem Besucher aus Los Angeles oder New York auffallen, wie selten die Dächer Berlins von Restaurants genutzt werden. Ich meine nicht oben drauf gesetzte Glaskästen wie das Golvet oder Skykitchen, sondern einfach nur ebene Dachflächen, auf denen man unter freien Himmel speisen kann. Bisher geht das, soweit ich weiß, nur auf dem Reichstag und dem Hotel du Rome.

Deutlich geräumiger als der heimische Balkon: der neue Rooftop Grill des Hotels Amano Grand Central.
Foto: Manuel Krug

Auch die Dachterrasse auf dem Amano Grand Central war vorher nicht für jedermann zugänglich. Man konnte sie für eine Party samt Bar nur privat buchen. Doch nun haben die umtriebigen Macher der Amano Group, allen voran Gründer Ariel Schiff, kurzerhand für diesen Sommer ihr Bistro im Erdgeschoss nach ganz oben ausgeweitet.

Bisher hat das Le Pierre Rooftop allerdings nur am Freitag- und Samstagabend offen, und natürlich nur, solange es nicht regnet. Beim Pressetermin spielte das Wetter zum Glück mit. Allerdings sah man im Sonnenlicht auch besonders deutlich, dass das Grillrestaurant recht schnell hergerichtet worden ist. Die Hotels der Amano-Gruppe sind für ihr Design bekannt, doch hier sind die Restauranttische bloßes Gartenmobiliar und die Party-Loungemöbel wurden mit ein paar bunten Kissen wie versuchsweise aufgewertet. Statt eines Smokers mit erlesenen Hölzern oder einem Holzkohle-Grill in Kleinwagenpreisklasse tun es zwei rollbare Gasgrills. Das ist schade, aber verständlich, da das Dachrestaurant derzeit nur versuchsweise für einen Sommer etabliert worden ist.

Auf der Karte ist – wie in der Hotelgastronomie üblich – für jeden Geschmack etwas dabei. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das Grillen: Unter den Vorspeisen findet sich ein Flank Steak auf süßlichem Fladenbrot, serviert mit Sesamsoße; ebenso flambierte Gambas, die mit sehr scharfer Piri-Piri aus Chili gewürzt sind, was man jedoch mittels einer Limetten-Mayo abmildern kann. Wer vegetarisch bevorzugt, kann Riesenmaiskolben mit Nussbutter oder gegrillten Spargel bestellen, der mit Wildkräutern und geräuchertem Schmand auf einem Brioche kommt.

Was fehlt, ist ein Bio-Steak

Die Gerichte schmecken, auch wenn hier keine Produktpuristen am Werk sind, deren Augenmerk den besten, nachhaltig bezogenen Zutaten und deren Perfektion gilt. Die Ware wird hier hauptsächlich vom Großhändler Rungis Express bezogen, der gute Qualität liefert. Schön wäre jedoch, wenn man zumindest die Option auf Fleisch aus Weidenhaltung hätte. Doch, auch das ist die Wahrheit, das Essen steht hier nicht im alleinigen Fokus: Die Musik, der Blick über Berlin und die gute Laune des Service machen den Laden mindestens ebenso aus.

Für den Wolf in uns: Das Tomahawk-Steak for Two wird mit Öl und Limettensaft angerührter Chimichurri serviert, der klassischen Kräutersoße aus Argentinien.
Foto: Manuel Krug

Bei der allgemein sonnigen Stimmung hat der Grillmeister bei meinem Besuch wohl etwas die Zeit vergessen: Der Wolfsbarsch, der in Pergamentpapier eingeschlagen auf dem Gitter lag, war jedenfalls eindeutig zu trocken. Dafür schmeckte das Tomahawk-Steak saftig, das man zu zweit teilen kann. Vom gigantischen Rippenknochen bereits gelöst, der für besonders intensives Fleischaroma sorgt, hat es außen einen schönen Brandgeschmack. Und die mit Öl und Limettensaft angerührte Chimichurri, die klassisch argentinische Kräutersoße, ist herrlich.

BLZ/Isabella Galanty

Jetzt muss nur noch das Berliner Sommerwetter mitspielen. Apropos: Ariel Schiff wollte eigentlich ein festes Sonnen- und Regendach über seiner neuen Terrasse installieren. Doch ganz so weit wollten die Berliner Behörden dann doch nicht gehen. Soviel bauliche Dachterrassenfreiheit blieb verboten. Noch.

Preise: Vorspeisen 8 bis 13 Euro, Hauptgänge 14 bis 39 Euro, Desserts 6 Euro. Wein im Glas ab 5 Euro.

Le Pierre Rooftop Grill, auf dem Dach des Hotel Amano Grand Central, Heidestraße 62, 10557 Berlin-Mitte, Reservierungen unter: rooftopgrill@amanogroup.de. Geöffnet Freitag & Samstag ab 18 Uhr.