Clan-Look aus Bio-Cotton: 10k-Kapuzensweatshirt in Oldschool-Farben wie Sandbeige, um 70 Euro.
Foto: Fabian Altmann/10k

Berlin-MoabitIm August dieses Jahres titelte die New York Times: „Sweatpants Forever: How the fashion industry collapsed“. Eine geradezu apokalyptische Überschrift für einen Text, der im Grunde davon handelte, dass traditionelle Verkaufswege überholt seien und es in Corona-Zeiten nur wenig Bedarf für Anzüge und Kostüme gebe. In den USA stieg der Absatz von Jogginghosen im April, dem ersten vollen Lockdown-Monat, um rasante 80 Prozent, hieß es in der Times. 

Auch in Deutschland war der Effekt von Isolation und Homeoffice spürbar. Im Vergleich zum Vorjahr wurden beispielsweise laut Marktforschungsinstitut HML Modemarketing im ersten Halbjahr 2020 gut 30 Prozent mehr Jogginganzüge im Männersegment verkauft. Eine Trendumkehr für den Look, der bereits den Namen „Business on top, Zoom on bottom“ hat, ist aktuell nicht absehbar.

So betrachtet hatten die Macher von 10k völlig ungeplant genau zur richtigen Zeit das Passende im Angebot: T-Shirts, Sweatshirts und Jogginghosen, die direkt und fair produziert, über den eigenen Webshop vertrieben und per Instagram gepusht werden. Die Idee zu einem „Basics Brand“ hatte sich über einige Jahre aufgebaut, sagt Jörn Quellmann. Er ist einer der Macher der Marke, die seit August 2019 online ist.

Grau wie die Theorie, hellblau wie die Praxis: Die Jogginganzüge aus Biobaumwolle werden in der südlichen Türkei produziert.
Foto: Fabian Altmann/10k

Unter dem Namen 10k arbeitet ein Produktionsteam, das seine Designimpulse aus einem „Netzwerk von Künstlern, Modeschaffenden und Influencern“ zieht, weshalb man sich als Kollektiv verstehe. Aufgebaut wurde die Linie gemeinsam mit Tatari & Partner, einer Textilmanufaktur in der Türkei, um eine nachhaltige Herstellung zu entwickeln. „Wir sind keine Anfänger in der Textilproduktion, und doch haben wir unterschätzt, wie viel Pionierarbeit im Bereich Nachhaltigkeit noch geleistet werden muss“, sagt Quellmann. „In unseren aktuellen Sweatstoff aus 100 Prozent Bio-Baumwolle haben wir ein Jahr Entwicklungszeit gesteckt, bevor er produktionsreif war.“ Man würde bei Materialien ständig prüfen, was noch optimierbar ist. Aktuell werde etwa an einer Lösung für die Verwendung von recyceltem Polyester gearbeitet.

Bleibt nach fairer Produktion und direktem Vertriebsweg noch: der modische Anspruch. Der Look von 10k ist eine Mischung, die HipHop, Muckibude und Neunzigerjahre-Trend aufgreift. Die Schnitte, viele davon unisex, sind angenehm großzügig. Die Oldschool-Farben à la Benetton, die bis auf Bestseller alle paar Monaten wechseln, sind nicht zufällig wie für Instagram gemacht: Das 10k-Studio mag in Moabit liegen, vertriebstechnisch setzt man auf die Verbreitung durch Social Media – mit dem Resultat, dass man inzwischen Kundschaft in ganz Europa hat.

Nach einer Capsule Collection mit der Musikplattform Colors und dem Rapper Kojey Radical sind für das Restjahr weitere Kollaborationen geplant, darunter eine mit Jessica Weiß von Journelles. Zukünftig will die Kreativtruppe das Basisprogramm um neue Schnitte und Materialien erweitern, auch eine Kinderkollektion ist angedacht. Konkret entwickelt 10k derzeit Basecaps und Socken. Das vervollständigt das Outfit für 2020 – und danach.

Hoodie um 69,90 Euro, Sweatshirt und Trackpants um 59 Euro, alles im 10kshop.de


Style-Expertin Marlene Sørensen auf Instagram:
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