Berlin - Solch ein Kleidungsstück nennen Influencerinnen „It-Piece“. Ein absolut angesagtes Teil, das man einfach haben muss. Das zartgrau-roséfarbene Gebilde aus fluffigem mongolischem Ziegenfell ist nicht einfach eine Jacke und schon gar kein Erbstück, auch wenn es so eingeführt wird. Christiane, gespielt von Jana McKinnon, bekommt vom Vater ihres Freundes eine Pelzjacke geschenkt, die einst die Mutter des Jungen trug, bevor sie aus dem Leben der Familie verschwand. Eine Hinterlassenschaft, die deutlich sagt, dass das nicht gut gehen konnte: eine Frau, die so etwas Pariserisches trägt, und ein Mann in grauer Joppe im Spießerzimmer.

Filmkostüme erzählen Geschichten innerhalb eines einzigen Augenblicks, auch das epische Format der gerade angelaufenen Serie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ funktioniert nach diesem ökonomischen Prinzip. Vor allem aber weist Christianes Jacke aus der historischen Verortung der Geschichte heraus: Das Teil ist ein Objekt, das eindeutig nicht aus dem West-Berlin der 1970er-Jahre stammt; Kostümbildnerin Nicole Fischnaller entdeckte es in einer Valentino-Kollektion aus den letzten Jahren. Sie erzählt das am Telefon, während sie im Kostümtrailer die nächste Anprobe am Set vorbereitet. Sie arbeitet bereits an der nächsten Streaming-Serie, wieder in einer anderen Epoche.

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