Weniger als 400 Kalorien, dabei 24 Gramm Protein: Nach der Bowl „Lachs Liebe “ tippt es sich gleich dynamischer.
Foto: Courtesy Lani

BerlinKürzlich bekam ich eine Email von meiner Krankenkasse. Ich empfand sie als etwas übergriffig, obwohl sie sicherlich nett und hilfreich gemeint war. „Gesund essen im Homeoffice“, lautete die Überschrift.

Zunächst fühlte ich mich gar nicht angesprochen, da ich soviel koche wie sonst nie – und es ja immer heißt, nichts sei besser als sein Essen selbst zuzubereiten. Als ich mich jedoch durch die drei größten (laut meiner Krankenkasse) Homeoffice-Ernährungsfallen scrollte – Süßes, Kühlschrank, Fertiggerichte –, musste ich zugeben: Zumindest die ersten beiden treffen voll auf mich zu.

Mein Problem ist, dass der Küchentisch jetzt auch mein Schreibtisch ist. Wenn ich meinen Arm ausstrecke, kann ich von dort sogar die Kühlschranktür öffnen. Die Tipps waren erwartungsgemäß so einfach formuliert wie schwer durchzuhalten: Statt Süßes lieber einen Apfel, Nüsse oder eine Möhre essen. Weil doch sicher, so hieß es da, jetzt viele sportlichen Ausgleichs-Aktivitäten zu kurz kommen.

Schon wieder ertappt. Ich war vielversprechend mit einem Yogakurs ins neue Jahr gestartet. Seit März ist das Studio geschlossen und online habe ich keine Lust darauf.

Ich fing gerade an, mich irgendwie schlecht zu fühlen, als mir zum Glück eine andere Mail einfiel, die ich einige Tage zuvor bekommen hatte. Darin schrieb mir, sicher ebenfalls sehr nett gemeint, der Gründer eines Cafés und Delis namens Lani, das Ende Januar – mithin kurz vor dem Corona-Lockdown– neu im Samariterkiez eröffnet hatte. Seine Vision sei, so las ich, die Ernährung vieler Menschen positiv zu verändern. Denn Gesundheit und Nachhaltigkeit beim Essen könnten sich mit Genuss und Komfort bestens vertragen.

Wie so viele Gastronomen, die nun wunderbar schnell umgerüstet haben, biete auch das Lani seine Obst- und Gemüsesäfte zum Detoxen, Bowls, Suppen und Stullen mit frischen, gesunden Zutaten oder auch die veganen, raw und zuckerfreien Desserts zum Mitnehmen an. An Bewohner in Prenzlauer Berg und Friedrichshain werde auch geliefert.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich auch ohne meine Krankenkasse direkt darauf angesprungen wäre. Jedenfalls stellte ich mir für das nächste Mittagessen umgehend ein gesundes Probierpaket zusammen.

Tags darauf übergab mir der Lieferdienst mit Mundschutz einen großen weißen Geschenkkarton im Schallplattenformat; mittlerweile habe ich so einiges an Verpackung erlebt, aber diese war mit Abstand die schönste. Nach dem Auspacken trank ich zuerst „Dr. Detox“, einen grüne Drink aus kaltgepresster Bio-Birne und -Apfel, Gurke und Spinat, der im Glasfläschchen kam. Er schmeckte nicht nur absolut gesund, sondern auch ungewöhnlich gut. Etwas Basilikum und Ingwer gaben ihm Würze und Schärfe, angeblich helfen sie auch beim Entschlacken.

Hübsch anzusehen waren auch die, mit Ausnahme der Plastikhaube komplett kompostierbaren Bowl-Schalen. Eine nannte sich „Lachs Liebe“, die andere „Kicher Kraft“. Erstere war japanisch inspiriert: Der Lachs, in Teriyaki-Sauce gebeizt und mit frischem Ingwer gewürzt, war auf ballaststoffreicher Rohkost – junger Spinat, Gurke und Karotten – angerichtet. Für Substanz und Sättigung sorgten Edamame-Sojabohnen, für Crunch und Spaß frittierte Reisnudeln. Während ich den Lachs aß, dachte ich kein bisschen an meine Gesundheit, was als Kompliment ans Essen zu verstehen ist.

Feta und Tabbouleh zum Kichererbsenpuree: die Bowl „Kicher Kraft“.
Foto: Courtesy Lani

Geschmacklich weniger überzeugt hat mich dann die vegetarische „Kicher Kraft“. Sie soll den Körper in Schwung bringen, da Kichererbsen, Feta und Sesamsamen wichtige Nährstoffe enthalten, heißt es in der Beschreibung. Ich fand die Bowl, ehrlich gesagt, etwas lasch, da das Zitrone-Joghurt-Dressing wässrig schmeckte. Auch die Falafelbällchen hätten würziger und knuspriger sein können.

Zum Knabbern für hinterher hatte ich mir noch ein Tütchen Thymian-Nussmix bestellt. Mit Paranüssen, Mandeln und Kürbiskernen, die mit Ahornsirup geröstet sind und angeblich besonders viel der immunstärkenden Mineralstoffe Zink und Selen enthalten. Ich muss sagen, insgesamt finde ich das gesunde Angebot vom Lani ziemlich gelungen. Und sobald ich Lust auf Süßes habe, greife ich nun einfach in den süß-salzigen Nussmix. Mein Krankenkasse wäre bestimmt stolz auf mich.

Lani, Frankfurter Allee 31, 10247 Berlin, täglich bis 21 Uhr. Diverse Bowls, auch glutenfrei und vegan, von 7,95 bis 8,95 Euro.