Los Angeles - Die philippinische Regisseurin und Schauspielerin Isabel Sandoval ist eine typische Miu Miu-Frau. Sie ist klug und schön. Und sie hat Kante. Damit passt sie perfekt in die Kurzfilmreihe „Miu Miu Women‘s Tales“, mit der Schirmherrin Miuccia Prada seit 2011 jungen Regisseurinnen aus aller Welt eine Bühne bietet.

Diese Woche feierte nun Sandovals Film „Shangri-La“ seine Online-Premiere. In 10 Filmminuten thematisiert die Wahl-New Yorkerin die verbotene Liebe einer philippinischen Einwanderin zu einem Amerikaner während der großen Depression in den USA. Die Protagonistin, die sie selbst spielt, traumwandelt dabei durch atmosphärisches Dunkel, in dem die Pailletten und Schmucksteine auf dem Stoff wie symbolische Hoffnungsschimmer in der andauernden Nacht funkeln.

Spannend hier, wie auch schon in früheren Kurzfilmen der Reihe, ist die Rolle der Mode. Einzige Vorgabe beim Projekt „Women‘s Tales“ ist es nämlich, die Schauspieler in die jeweils aktuelle Miu Miu-Kollektion einzukleiden. Überraschenderweise wirkt das in den Bildern überhaupt nicht plakativ oder werblich. In „Shangri-La“ beispielsweise wird das glitzernde Neckholder-Top zum Symbol für das Ankommen in der Gesellschaft: Es bedeutet Freiheit und Selbstbewusstsein, den Mut zur Schönheit und die Courage, endlich auf den Putz zu hauen. Bling-bling nicht als Substitut für reale Anerkennung, sondern als mentaler Booster und unübersehbares Zeichen für den sozialen wie individuellen Aufstieg. 

Foto: Brigitte Lacombe
Dass Isabel Sandoval, Regisseurin wie Hauptdarstellerin, transgender ist, wird im Film gar nicht thematisiert. Auf subversive Art bedeutet genau das eine Aktualisierung des Begriffs „Weiblichkeit“ in der Reihe der Miu Miu Women's Tales.

Eben weil die Protagonistin dieses emotionalen Kurzdramas overdressed ist, spielen die Kleider hier eine Rolle. Sandoval ist sich dieser Wirkung bewusst und sie beschreibt die Bedeutung der Miu Miu-Kleider für ihre Rolle im Film entsprechend: „Die Kostüme sind eine Manifestation, ein Ausdruck der Erkenntnis – ihres Potenzials und ihrer Möglichkeiten als Frau. Als unterprivilegierte Einwanderin kann sie durch die Kleidung in eine Selbstverständlichkeit wachsen und dabei alternative Lebensmodelle durchspielen, ob als Kämpferin, Prinzessin oder Göttin.“