Für 158.000 Euro könnte man sich eine Menge kaufen. Ein kleines Häuschen in Brandenburg vielleicht, ein Feriendomizil in der Uckermark zum Beispiel. Das Gebäude, das zu besagtem Preis unlängst über die digitale Ladentheke ging, ist dann aber doch ein bisschen arg mickrig ausgefallen: Es ist eine Ledertasche von Hermès im architektonischen Stil, die über die Vintage-Plattform Vestiaire Collective für eine Rekordsumme veräußert wurde.

Die Sonderversion der berühmten „Birkin Bag“ heißt „Faubourg“ und ist eine kleine Legende: Wie die Fassade der Pariser Hermès-Boutique in der Rue du Faubourg Saint-Honoré sieht die Front der Tasche aus; die einzigartige „Clochette“, das angebrachte Schlüsseletui, wurde als Hermès-Einkaufstüte in Miniaturgröße inszeniert. Fünf verschiedene Lederarten wurden für das Design verwendet – von exotischen Häuten bis zum butterweichen Rindsleder.

Ein wirklich schönes, witzreiches Modell – aber ist es wirklich den Preis eines brandenburgischen Einfamilienhauses wert? Wahrscheinlich schon: Luxustaschen im Allgemeinen und „Birkin Bags“ im Speziellen haben sich zu einem guten Investment entwickelt. Gerade auf digitalen Secondhand-Marktplätzen wie Rebelle, The Real Real oder eben Vestiaire Collective werden die Modelle hoch gehandelt. „Zeitlose oder klassische Handtaschen sind eine sichere Investition, da sie nie aus der Mode kommen und ihren Wert behalten“, meldet denn auch Vestiaire-Mitgründerin Sophie Hersan.

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Architektonisches Vorbild: Die Tasche sieht aus wie die Fassade der Hermès-Boutique in Paris.

Das kann ihr französisches Unternehmen gleich noch mit ein paar Zahlen belegen: Nicht nur, dass auf der Vintage-App zuletzt die Suchanfragen nach „Hermès Birkin“ um 20 Prozent und die entsprechenden Verkäufe der Taschen des Labels um 15 Prozent zum Vorjahr gestiegen sind. „Es ist nicht das erste Mal, dass Vestiaire Collective eine extrem seltene Hermès-Tasche verkauft hat“, so Hersan. Mit dem Verkauf der seltenen „Faubourg“-Version zu 158.000 Euro übertrifft Vestiaire Collective nämlich einen eigenen Verkaufsrekord, der zuvor mit demselben Taschenmodell aufgestellt wurde.

Der Wert der Tasche stieg in wenigen Monaten um fast 50.000 Euro

Im November erst war das begehrte Stück über die Vintage-Plattform für 112.000 Euro verkauft worden – zumindest bei Vestiaire ist der Wert der seltenen Rarität innerhalb weniger Monate also um fast 50.000 Euro gestiegen. Das liegt zum einen natürlich an der durch Hermès selbst künstlich inszenierten Verknappung des Angebots; das auf 50 Exemplare limitierte Sondermodell war für den engsten Kundinnen-Kreis der Marke entwickelt worden, auf regulärem Wege lässt es sich nirgends mehr kaufen.

Zum anderen hat sich die Luxusmode in den vergangenen Jahren als relativ krisenresistent erwiesen. Zwar sind Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg auch an der Luxusindustrie nicht spurlos vorbeigegangen, zu Hochzeiten der Terrorgefahr um 2015 herum blieben den Pariser Boutiquen und Mailänder Stores zudem die kaufkräftigen chinesischen und russischen Touristinnen und Touristen fern. Gerade über den Onlinehandel konnte die Branche aber stetig weiterwachsen.

Ikonische Taschenmodelle wie die „2.55“ von Chanel oder eben die „Birkin“ von Hermès spielen dabei eine wichtige Rolle, längst spricht man von „Investment Pieces“. Eine erfreuliche Entwicklung ist das gerade für Secondhand-Anbieter wie Vestiaire: Täglich werden auf der App rund 1200 getragene Taschen von privaten Anbieterinnen und Anbietern verkauft, Vestiaire Collective selbst zieht beim erfolgreichen Verkauf eine Gebühr von 12 Prozent ab. Bekannt ist das Unternehmen für eine verlässliche und detaillierte Echtheits- und Qualitätsprüfung.

Das kommt an: Auch große Luxus-Modeplayer wie der Kreing-Konzern, zu dem Marken wie Gucci und Saint Laurent gehören, oder der „Vogue“-Verlag Condé Nast haben in die französische Plattform investiert; nach einer Finanzierungsrunde im vergangenen Jahr stieg die Bewertung des Unternehmens auf satte 1,45 Milliarden Euro. Daneben wirken die 158.000 Euro für das Hermès-Modell beinahe wie Peanuts.