Carolina erwachte kurz hinter der Datumsgrenze. Sie hatte keine Ahnung, wie spät es war, und natürlich kam es darauf nicht an. Tim war bereits aufgestanden. Es freute Carolina, ihn nicht sehen zu müssen. Es freute sie so sehr, dass es sie gleich wieder beunruhigte. Sie richtete sich auf. Die See war ruhig. Als sie an der Bettkante saß und ihre Füße anschaute, war nur noch das ungute, nagende Gefühl da. Ihre Nägel waren rot und grün lackiert. In den Weihnachtsfarben.

Bevor sie die Gardine zur Südsee öffnete, sah sie auf ihr Handy und prüfte das Wetter. Es war der 24. Dezember. Wie gestern schon. Auch die Temperatur blieb stabil. 26 Grad, am Tag und in der Nacht, vielleicht ein bisschen Regen am Nachmittag oder ein Blitz. Letzte Woche war hier ein schwerer Tropensturm durchgezogen, hatte Kapitän Ruud gesagt. Weihnachtlicher wurde es nicht zwischen Tongagraben und Cookinseln. Carolina schaute auf die Zahlen zu Hause. Exponentielles Wachstum, Plateau, R-Wert, Sieben-Tage-Inzidenz. Die Todesdiagramme. Es sah nicht gut aus an Land. In Amerika starben jetzt jeden Tag so viele Leute wie am 11. September, hatte Jan-Peter gestern Abend am Kapitänstisch verkündet. Dieser kleine kahlköpfige Journalist aus Hamburg, der hinter seiner Stirn alles mitschrieb, was auf dem Schiff passierte. Für die große, universelle Geschichte, worüber auch immer.

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