Einsame Nächte auf Plateau-Sandaletten: Filmemacherin Mati Diop greift im Lockdown-Film zur Champagnerflasche.
Filmstill: In My Room by Mati Diop/Miu Miu 

Venedig/ParisDie Aussicht aus dem 24. Stock eines Hochhauses im 13. Pariser Arrondissement ist schaurig schön. Hier wohnt Filmemacherin und Schauspielerin Mati Diop. Während des Corona-Lockdowns, der in Paris über viele Wochen angeordnet war, wurde dieser Fensterrahmen für sie zum Bildausschnitt: Sie hatte begonnen, nachts die erleuchteten Fenster ihrer Nachbarn zu filmen, am Tag die Spiegelungen der Sonne an Glasfassaden und den Regen über den Wolkenkratzern ringsum. Melancholische Tableaus der Vereinzelung in einer Millionenmetropole.

Als Diop während dieser Zeit um einen Beitrag für Miuccia Pradas Kurzfilmreihe „Miu Miu Women’s Tales“ gebeten wurde, stand sie also vor einer echten Herausforderung. „Welche Geschichte kann ich erzählen, alleine mit mir selbst, mit minimalen künstlerischen Mitteln, in der doch das Widerhall findet, was in der ganzen Welt gerade so viele durchleben?“, hätte sie sich gefragt, berichtet Diop, die bereits Filmpreise aus Cannes, Rotterdam und New York mit nach Hause nehmen durfte.

Schließlich schnitt sie Gespräche, die sie über drei Jahre mit ihrer Großmutter vor deren Tod geführt und aufgenommen hatte, mit jenen Aufnahmen aus dem Fenster ihrer Wohnung zusammen. Die Großmutter erzählt von ihrer eigenen Mutter, die Opernsängerin war. Es wird etwa über „La Traviata“ gesprochen, dazu sind brutalistische Hochhäuser zu sehen. Schließlich kommt auch Diop selbst ins Bild, während sie so tut, als sänge sie. Dabei trägt sie ein Kleid von Miu Miu, dessen Pailletten in der Dunkelheit funkeln und glitzern.

Denn um Mode geht es natürlich immer auch in dieser Filmreihe, für die schon Nouvelle-Vague-Legende Agnès Varda und Indie-Filmstar Chloë Sevigny  Beiträge geliefert haben. Der rote Faden sind die Kleidungsstücke, andere Vorgaben soll es nicht geben. So will es die Modedesignerin und Mäzenin Miuccia Prada, die das Projekt 2011 ins Leben rief, um ausschließlich weiblichen Regisseuren eine Bühne für ganz Persönliches zu bieten.

„In My Room“ ist nun der zwanzigste Film in der Reihe „Miu Miu Women’s Tales“. Er schneidet zwei unterschiedliche Einsamkeiten in Ton und Bild zusammen – jede auf ihre Weise wundervoll traurig. Das 20-minütige Werk ist ernster, weniger exzentrisch, als man es von seinen Vorgängern gewohnt ist. Doch jetzt ein Kurzfilm aus Paris, der Corona und die daraus folgenden Verwerfungen und Stimmungen ignoriert? Das hätte nicht in die Zeit gepasst. Und eines sind wirklich alle Unternehmungen von Miuccia Prada, egal in welchem Medium sie daherkommen: zeitgerecht.