Hutmacherin Fiona Bennett mit Modell Nr. 17 aus ihrer „One World“-Serie. Handgeflochten in Ghana, 300 Euro.
Foto: Fiona Bennett/Joachim Gern

BerlinEs braucht ein wenig Geduld, um Fiona Bennett ans Telefon zu bekommen. Aus besten Gründen: Seitdem ihr Ateliershop in der Potsdamer Straße wieder geöffnet hat, steht das Telefon nicht still und auch die Laufkundschaft ist wieder da.

Die Frage, ob es aktuell Bedarf an Hüten gibt, erübrigt sich damit. Dennoch: „Natürlich hat man mit Gesichtsschutz, Brille und womöglich noch Handy viel im Gesicht“, antwortet Bennett zwischen zwei Kundengesprächen. „Wir passen unsere Modelle aber laufend an und gestalten sie noch schlichter. So achten wir jetzt darauf, dass sich die Krempen weniger ins Gesicht neigen, sondern sich mehr nach oben wölben oder versteift sind.“

Sie selbst, die selten ohne Hut ist, trägt dazu gern eine rosa Maske aus Eigenproduktion. „Wirkt erst mal ungewohnt, sieht aber sehr schön aus.“ Die aparten gefältelten Designs mit Ripsbandschleifen mögen dem Infektionsschutz dienen, aber bitte mit der gewohnten Extravaganz der Hutmacherin.

Bennetts No. 6:  der klassische Garden Hat aus Bortenstroh mit Schmuckband, 480 Euro.
Foto: Fiona Bennett

Das Glamourpotenzial im Praktischen zu erkennen, das ist so etwas wie der Modus Operandi der 53-jährigen Designerin mit englischen Wurzeln, die seit 1988 zum Who’s who der Berliner Modeszene gehört. Nach der Ausbildung zur Modistin machte sie sich selbstständig, 1992 eröffnete sie ihr Atelier, 1999 ihren Salon in der Großen Hamburger Straße. Vor acht Jahren dann der Umzug nach Tiergarten – weg vom „Disneyland Mitte“, wie sie sagt, hin zu mehr Großstadtgefühl. Ein Statement, das sie mit unübersehbar großen Schaufenstern bekräftigt. Dort sieht man jetzt, was sich Bennett für Sommer 2020 vorstellt: Zylinder, Boater und Fedoras für Gentlemen und für die Ladys neben breitkrempigen Sonnenhüten auch ein Modell, das an einen Tropenhelm erinnert oder Kappen, wie man sie einst im Cabriolet trug.

Cap und Hut in einem: Modell No. 27 im Schmetterlingsfänger-Look, 420 Euro.
Foto: Fiona Bennett

Auffällig ist, dass die Entwürfe trotz klassischer Vorbilder nicht retro wirken. „Nostalgie darf nicht aufkommen,“ sagt Fiona Bennett. „Gleichzeitig sieht bei Hüten alles zu Futuristische schnell albern aus. Ich will traditionelle Formen, jedoch clean und klar aufbereitet. Sie sollen im Jetzt funktionieren.“

Für besondere Gelegenheiten: Bennett-Maske mit zum Reinigen abnehmbaren Schleifen, Preis auf Anfrage. 
Foto: Fiona Bennett

Von ständiger Weiterentwicklung zeugt auch ihr Projekt „One World“ – eine Kollektion, die Hutformen aus aller Welt ehrt und von Korbflechtern aus Ghana hergestellt wird. Wobei: Auch im eigenen Berliner Atelier, in dem ein Großteil der Bennett-Modelle entsteht, wird ständig an Techniken gefeilt und mit Materialien experimentiert. Aktuell gibt es etwa Hüte mit einem eigens entwickelten Patchwork-Ripsband oder aus besonders feinem Parasisol-Stroh. „Dessen Halme sind extrem dünn und wirken im Gegenlicht sogar leicht transparent. Das macht die Hüte so leicht, dass man sie beim Tragen kaum bemerkt“, erklärt die Designerin. Die Unterschiede im Material und Proportionen erkennen die Käufer vielleicht nicht sofort, doch sie oder er spürt sie. „So oft kommt jemand in den Laden und sagt, ‚Mir steht kein Hut‘, nur um dann zu merken: Es waren die falschen Hüte.“

Fiona Bennett, Potsdamer Straße 81-83, 10785 Berlin, Tel.: 030 280 96 330, geöffnet täglich von 13 bis 17 Uhr. Mehr auf fionabennett.de


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