Ein Internationalist als ideale Besetzung: Mika. Zusammen mit der Sängerin Laura Pausini und dem TV-Moderator Alessandro Catellan wird der Sänger am Samstagabend durch das diesjährige Finale des Eurovision Song Contest (ESC) führen. Und Mika bringt dafür die besten Voraussetzungen mit: Er spricht perfekt Englisch, Spanisch, Französisch und Italienisch, er ist gleichermaßen populär in England, Frankreich und Italien, und die große Bühne ist seit Beginn seiner Gesangskarriere vor mehr als 15 Jahren sein Zuhause. Und er ist schwul, was ihm bei schwulen Männern, den besonders treuen ESC-Fans, eine hohe Akzeptanz einbringt.

Mika: „Der ESC repräsentiert etwas wirklich Wichtiges: Diversität“

Mika, eigentlich Michael Holbrook Penniman, wurde 1983 als Sohn einer libanesischen Mutter und eines amerikanischen Vaters in Beirut geboren. Schon ein Jahr nach seiner Geburt floh seine Familie vor dem Bürgerkrieg im Libanon nach Europa, zunächst nach Paris, später nach London. Orts- und Schulwechsel machten dem Jungen zu schaffen, irgendwann weigerte er sich, zu sprechen. Die Musik wurde wichtig für ihn und er lernte das Singen bei einem russischen Gesangslehrer. Er nahm jeden Job an, um seine Stimme auszuprobieren, in Werbejingles oder bei Flughafendurchsagen.

Bis er 2007 sein erstes Album aufnahm, „Life in Cartoon Motion“. Die LP verkaufte sich weltweit 7 Millionen Mal, die Kritik war begeistert, sein Stimmvolumen vom Bariton über den Tenor bis hoch zum Falsett wurde mit dem von Freddie Mercury verglichen. Es hagelte internationale Preise und Nominierungen.

Vier Alben später haben sich die Verkäufe beruhigt, aber Mika ist weiter präsent als Juror in erfolgreichen Castingshows im französischen und im italienischen Fernsehen. Dass er schwul ist, erzählte er der Öffentlichkeit fünf Jahre nach seinem fulminanten Start. „Homosexualität wird in vielen Ländern immer noch kriminalisiert. Ich denke, es ist gut, darüber zu sprechen, um die Dinge ins rechte Licht zu rücken, aber auch, um die Ungleichheiten kenntlich zu machen.“

Jetzt also sucht er den großen Auftritt beim ESC, eine Show, die er früher nie mochte. „Die meisten Songs, die zum Wettbewerb geschickt werden, sind beschämend, sie sind purer Scheiß!“ Heute begrüßt er das weltweite ESC-Publikum mit großer Empathie, so wie beim ersten Halbfinale am vergangenen Dienstag: „Der ESC bedeutet: großartige Songs, ein spannender Wettbewerb und unglaubliche Kostüme.“ Und weiter: „Der ESC repräsentiert noch etwas wirklich Wichtiges: Diversität! Wir sind laut, wir sind großartig, wir sind schräg und wunderbar.“