Klare Linie: Michael Michalsky bei der Berliner Schau seiner Atelier-Michalsky-Kollektion Spring/Summer 2020 im Juli 2019.
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BerlinWenn in Berlin die Fashion Week stattfindet, erkennt man das meist schon in der U-Bahn. Obwohl man in Berlin modisch einiges gewöhnt ist, sieht man in der Stadt in diesen Zeiten doch auffällig viele Menschen, die exzentrisch, extrem hip oder aber auch bis zur Grenze der Geschmacklosigkeit gekleidet sind.

Am Montag ist es wieder so weit. Vom 13. bis zum 17. Januar 2020 präsentieren Designer in der Stadt die neuesten Trends und Styles ihrer aktuellen Kollektion. An rund drei Tagen finden die Messen Premium, Panorama, Seek, Selvedge Run und Neonyt sowie die Schauenplattform Mercedes-Benz Fashion Week statt.

Bis zu 240 Millionen Euro pro Jahr durch Fashion Week

Zweimal jährlich findet die Messe statt, über 70.000 Modeinteressierte, Einkäufer und Experten aus dem In-und Ausland besuchten im vergangenen Jahr Berlin zur Fashion Week. Was für viele Modejunkies zur Pflichtveranstaltung gehört, spült Berlin viel Geld in die Kassen: Bis zu 240 Millionen Euro pro Jahr allein an wirtschaftlicher Zusatzleistung durch Hotels, Gastronomie, Einzelhandel, Taxigewerbe und andere Dienstleistungen. „Die Berlin Fashion Week steht für erfolgreiche Messeformate, medienwirksame Modenschauen, Talentförderung sowie die Präsentation innovativer und nachhaltiger Geschäftsmodelle“, sagt dazu Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne).

Die Vielfalt an Formaten zeige, dass Berlin auf beeindruckende Weise mit den anderen Modestädten mithalten könne. Die Fashion Week habe sich international etabliert und trage zur guten Entwicklung der Berliner Modewirtschaft bei, so die Senatorin weiter. Schon jetzt sind rund 3100 Unternehmen in der Hauptstadt im Modebereich tätig, die Umsätze in der Branche sind von 2016 bis 2017 um 14 Prozent gestiegen. Insgesamt erzielte die Modeindustrie in Berlin etwa 6,3 Milliarden Euro Umsatz. Und der Sektor schafft Jobs: 25.400 Erwerbstätige arbeiten in dieser Branche. „In unserer jungen Metropole entstehen neue Trends, Berliner Labels drängen nach vorne und sind erfolgreich“, erklärte Pop.

Berlin plant Fashion Hub für Designer

Das Land Berlin hat die Fashion Week und die Modewirtschaft seit 2007 mit Zuschüssen und Beteiligungen mit mehr  als 10 Millionen Euro unterstützt. Um Berlin noch weiter als Modehauptstadt zu etablieren, stellt der Senat im neuen Doppelhaushalt 2020/2021 erstmals Geld für einen Fashion Hub zur Verfügung, der in den nächsten zwei Jahren entwickelt werden soll.

Mit 200.000 Euro im ersten beziehungsweise 400.000 Euro im zweiten Jahr soll dieser Hub eine Plattform für nachhaltige und innovative Modeproduktion sein. Die Wirtschaftspolitikerin Nicole Ludwig (Grüne), die das Konzept miterarbeiten soll, erklärt, dass dieser Hub Modeakteure auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit vernetzen soll. „Zudem wird ein Showroom entstehen, in dem nachhaltige Mode präsentiert und auch produziert werden soll“, erklärt Ludwig.

Austausch mit Hochschulen

Ziel sei, den Modestandort Berlin sichtbarer zu machen. Aber es gehe eben auch darum, Designer zusammenzubringen, um einen Wissensaustausch möglich zu machen, zum Beispiel andere Designer zu fragen, wo sie nachhaltige Materialien zu welchen Preisen bekommen.  „Vielen fällt es schwer, ihre guten Labels auch entsprechend zu vermarkten. Das wollen wir bündeln, damit die Designer auf dem immer schwierigeren Modemarkt ihre Produkte auch auf die Straße bringen können“, sagt Ludwig.

Der Fashion Hub soll außerdem in Austausch mit Hochschulen stehen – zum Beispiel der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin in Schöneweide. Wo genau der Showroom für nachhaltige und innovative Mode entstehen soll, sei aber noch unklar. Sicher ist bisher nur: Er soll im Innenstadt-Gebiet entstehen – eben sichtbar für alle.