Mailand - Man kennt das ja aus dem Asiashop. Oder vom Markt im türkischen Urlaubsparadies: Eine Tasche von „Mucci“, Sonnenbrillen von „D&C“, Schuhe von „Mike“. Dazu kuriose Logo-Neuerfindungen, zwei ineinandergeschlungene Gs zum Beispiel, die wohl an die Chanel-Cs erinnern sollen, oder krude-kreativ umgemorphte Loewe-Schnörkel. Gut dazwischen würde auch „Fendace“ passen, ein Modebegriff, der seit wenigen Tagen die Runde macht. Nur dass sich auf den so überschriebenen Teilen wohl kein „Made in China“-Sticker findet und die Lederteile eben aus echtem Leder sind und nicht aus quietschendem PVC.

FENDI BY VERSACE
Donatella setzt sich ein Denkmal: Ihre Fendi-Looks sehen vor allem nach Versace aus.

Hinter „Fendace“ stecken eben wirklich Fendi und Versace, die echten, die teuren Modehäuser – keine Fälscherfirmen aus Fernost. Die beiden italienischen Marken haben sich für eine Kooperation zusammengeschlossen – und ein simples „Fendi x Versace“ oder „Versace x Fendi“ hätte als Titel kaum ausgereicht. Denn tatsächlich haben Donatella Versace und Kim Jones, der Womenswear-Designer von Fendi, komplett die Rollen getauscht: Während sie eine Linie im Zeichen des befreundeten Konkurrenzhauses Fendi entwarf, entwickelte er eine Kollektion, die mit den klassischen Versace-Codes hantiert.

FENDI BY VERSACE
Darf’s ein bisschen mehr sein? Fendi-Socken, Versace-Socken, Logo-Sneaker.
VERSACE BY FENDI
Ein Taschenmodell mit Fendace-Schriftzug ist immerhin besser als eins mit „Mucci“ oder „D&C“.

Dabei vergessen beide Parteien aber auch ihr eigenes Label nicht. Kim Jones ergänzt einen mit den goldenen Versace-Schnörkeln verzierten Herrenmantel etwa um einen Pelzkragen, der das klassische Fendi-Monogramm zeigt. Donatella Versace wiederum färbt ebenjenes F-Logo in den Regenbogenfarben ein, die sie häufig auch bei ihrem eigenen Label zeigt – auf einem Badeanzug samt leichtem Strandmantel zum Beispiel, dazu wiederum ein paar güldene Versace-Muster.

FENDI BY VERSACE
Möglichst leicht verständliche Details: Logos, Schriftzüge, Fendi-Monogramm, Versace-Medusa.

Eigentlich ist das der große Haken dieser Zusammenarbeit. Im Grunde handelt es sich um eine bloße Logo-Orgie. Jones und Versace haben sich der Schnitttechnik und Materialauswahl ihres Gegenübers weniger feinfühlig angenähert und stattdessen auf die am leichtesten verständlichen Details vertraut, allen voran das Fendi-Monogramm und die Versace-Medusa. Dem finanziellen Erfolg der Kollektion wird das natürlich keinen Abbruch tun, im Gegenteil. Die Teile werden wohl zu Sammlerstücken werden, vermutlich ohnehin binnen weniger Tage vergriffen sein. Und sie werden beiden Marken eine größtmögliche Aufmerksamkeit garantieren – gerade online.

FENDY BY VERSACE
Großes Finale mit großem Model: Der letzte Auftritt gehörte Naomi Campbell.

Das dürfte auch die Präsentation des ganzen Spektakels garantieren, die Show, die am Sonntag im historischen Palazzo Versace in Mailand stattfand. Dort wurden die Modeteile nämlich an Supermodels und Superstars präsentiert, an Kate Moss und Amber Valletta zum Beispiel, an Gigi Hadid und Naomi Campbell. Eine Produktion der Superlative, Blockbuster-Mode vom Feinsten. Und auch wenn die beiden Marken stolz verkünden, dass es einen Rollentausch dieser Art im Luxussegment nie gegeben hat, reihen sie sich doch ein in einen Trend der Stunde: Schließlich hat Alessandro Michele eben noch Balenciaga-Teile in seine Gucci-Kollektion integriert, und Miuccia Prada zeigt sich nur noch im Doppelpack mit Raf Simons.

VERSACE & FENDI
Zu zweit ist schöner als allein: Am Ende der Show zeigen sich Kim Jones und Donatella Versace zusammen.