Wenn schon Fleisch, dann so: gemischte Platte mit (v.o.) Würfel vom Black Angus Rind,  Hühnerschenkel sowie (beides delikat mariniert) Hühnerbrust und Lamm. Dazu gibt es diverse Mezze.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

Berlin-KreuzbergMein Job bringt es mit sich, dass ich Expertin für Situationen geworden bin, zu deren glücklichem Ausgang ein gemeinsames Essen viel beitragen kann. Ein heikler Geschäftstermin, ein Elternbesuch oder ein Dinner zu zweit, das den entscheidenden Schub bringen soll? Ich kenne für so ziemlich jede soziale Herausforderung das richtige Restaurant. Nur bei einer Anfrage war ich bisher immer ratlos: wenn es um größere Runden geht, die etwas begleitende Unterhaltung brauchen, damit alle ins Gespräch kommen und der Abend gelingt.

Früher hätte man Fondue oder Raclette empfohlen. Leider ist das aus der Mode gekommen, Stichwort "schwere Kost". Grillen ist zwar angesagt, wir Deutsche erledigen das jedoch lieber draußen. Nicht so in Japan und Korea, wo Tischgrills eine lange Tradition haben.

Jetzt habe ich erfahren, dass anscheinend auch Türken gern am Tisch grillen. Aus Istanbul stammt nämlich die Idee für das Fes BBQ, das Cem Tanriverdi seit einigen Jahren in Berlin betreibt. Das Do-it-yourself-Grillrestaurant liegt auf der Hasenheide, zwischen Südstern und Hermannplatz, und leider habe ich es erst jetzt entdeckt. Denn es ist die Antwort auf ungefähr jede Frage, die ich an ein geselliges Gruppenrestaurant habe. Das Ambiente ist unverkitscht modern, gleichzeitig gemütlich und das Restaurant bietet – ungewöhnlich für Großgruppen-kompatible Lokale – richtig gutes Essen. Check, check, check.

Riesenbohnen in warmer Tomatensoße mit Dill

Die Einrichtung des Fes BBQ kann sich sehen lassen. Unverputzte Ziegelwände und blanke Kupferrohre treffen auf Holzbänke, deren Sitzpolster mit bunten Suzani-Baumwollstoffen bezogen sind. Die großen Tische für sechs bis acht Personen sind meist gut besetzt, man sollte reservieren. In jeden Tisch sind zwei Elektrogrills eingelassen: gusseiserne Platten, deren Hitze man selbst reguliert. Viel falsch kann man dabei nicht machen, keine Sorge. Sehr freundliche, mit großflächigen Tätowierungen ausgestattete junge Männer leiten die Gäste an und bringen das rohe, fertig portionierte Fleisch an den Tisch. Zur Auswahl stehen Hühnerbrust und Hühnerschenkel, Lammkoteletts und Würfel vom Black Angus Rind.

Es empfiehlt sich, das Kombipaket für 68 Euro zu nehmen. Es ist großzügig bemessen für zwei Personen, es gibt auch eins für vier oder sechs Leute. Ich habe Ersteres mit meinem Mann ausprobiert.

Neben der gemischten 500-Gramm-Platte Fleisch bekommen wir geröstetes Fladenbrot, einen wunderbar weichen Reis und einen grünen Salat mit Minze, Sesam und Granatapfel. Im Preis inbegriffen sind drei Mezze aus den mehr als zwanzig, die zur Auswahl stehen, sowie ein Nachtisch und eine kleine Flasche Raki. (Nach ein paar Gläsern zur Vorspeise dürfte sich auch die steifste Gesellschaft entspannen.)

Fes Turkish BBQ
Hasenheide 58, Kreuzberg. Di–So 17–23 Uhr.
Preise: Fleisch 12–22 Euro, Mezze und Salate 6–9 Euro, Süßspeisen 7 Euro. Kombiplatte für 2 Personen 68 Euro
Grafik: Berliner Zeitung/Hecher 

Mein Mann und ich fangen mit einem schön marmorierten amerikanisches Black Angus Rind an. Mit einer Zange legen wir das Stück wenige Minuten auf den Grill, mehr braucht es nicht. Lamm und Huhn sind mit einer Kräutermarinade gewürzt, beides schmeckt gut.

Zwischendrin wechsle ich immer wieder zum Hummus, der grundsätzlich als Indikator für die Qualität eines Mezze-Angebots taugt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich er schmecken kann. Der Hummus im Fes BBQ ist samtig und schmeckt deutlich nach Kichererbsen. Statt wie so oft mit zuviel Tahin oder Knoblauch kaputtgewürzt, ist er mit gerösteten Sesamsamen und einem Basilikum-Mandel-Pesto sachte aufgepeppt.

Das knusprig gebackene Sigara Böregi, hier wie Sushi-Happen geschnitten, wartet ebenfalls mit einer Überraschung auf: Statt Spinat und Käse besteht die Füllung aus Kartoffeln, Lauch, Karotten und Käse, was diese frittierte Teigspeise würziger und nicht so trocken macht. Auch die Riesenbohnen in warmer Tomatensoße, ein weiterer mediterraner Klassiker, habe ich noch nie mit Dill und Dillsamen gegessen, was die süßlichen Noten gut abrundet. Hier bekommt man also endlich eine moderne türkische Küche, mit dem erhofften Extra-Twist und bester Unterhaltung.