BerlinEin androgynes, dabei zartes Model mit locker zusammengestecktem Haar in Kleidung, die so gut geschnitten wie unangestrengt wirkt. Auch die Männer filigran und jungenhaft. Allesamt fotografiert von Kamerastar David Sims. In eleganter Schwarz-Weiß-Optik präsentiert Uniqlo seine neue +J-Kollektion für den Winter 2020. Wobei das J für Jil steht. Jil wie Jil Sander.

Für versierte Modekonsumenten ist damit alles klar. Und obwohl man inzwischen der unzähligen Markenkooperationen ein wenig müde geworden ist, in diesem Fall heißt es: Aufgepasst! Wenn sich die „Queen of Less“, wie Sander in den 1990ern genannt wurde, nach fast einer Dekade noch einmal entschließt, eine +J-Linie für Uniqlo zu machen, dann muss man sich eben doch einwählen. Oder prestissimo im Uniqlo-Laden vorbeischauen.

Die Kollektion umfasst 32 Teile für Frauen, 25 für Männer sowie Schals, Mützen und Gürtel. Alles ist gut miteinander kombinierbar. Baumwollblusen, Kaschmirpullover, Merinokleider und sich um die Hüften schmiegende Wollhosen. Und für draußen Daunenjacken sowie Mäntel aus einem Kaschmir-Wollmix, die mit 229,90 Euro die teuersten Teile sind. Strickpullover und -jacken kosten maximal 130 Euro, Kleider zwischen 50 und 60 Euro. Eine Daunenjacke bekommt man ab 129,90 Euro.

Die Materialien verheißen Hochwertigkeit, die Schnitte kommen modern daher. Neben Schwarz und Weiß gibt es Blau- und Erdtöne, mehr nicht. Sehr Sander, aber auch sehr Japan, das Land, in dem die Marke Uniqlo zu Hause ist.

Foto: David Sims
Star in Stripes: Patchwork-Streifenhemd aus Supima-Cotton über Rollkragenpullover aus Merino-Wollmix.

Im offiziellen Interview mit Uniqlo sagte Jil Sander über die Kollektion: „In unserer derzeitigen Situation, in der wir alle zueinander Abstand halten müssen, ist es wichtig, dass unsere individuelle Aura intakt bleibt.“ Damit spricht die Designerin einen wichtigen Punkt an: Wir sind derzeit oft auf uns allein gestellt oder auf den engsten Kreis von Familie und Freunden. Das bedarf besonderer mentaler Kraft, der gute Mode auf die Sprünge helfen kann. Sie kann uns stärken, eine äußere Ordnung simulieren und ein Körpergefühl schaffen, das Sicherheit vermittelt.

Jil Sander setzte diesen Gedanken in der +J-Kollektion mithilfe ihrer gestalterischen Geheimwaffe um: die skulpturale, also dreidimensionale Durcharbeitung jedes Teils mit untrüglichem Sinn für Proportionen. Besonders deutlich wird das in den Daunenjacken und -mänteln, bei denen sich Cocooning mit positiver Lässigkeit mischt.

Foto: David Sims
So fühlt man sich auch allein beschützt: Bluse und Sakko unter einem Mantel mit ultra-leichtem Daunenmix.

Am 12. November um 8 Uhr früh geht die +J-Kollektion in ganz Deutschland an den Start, im Uniqlo-Onlineshop sowie in allen sechs Uniqlo-Stores in Berlin, außerdem in den Stores in Hamburg, Düsseldorf, Köln und Stuttgart. Dies ist die vierte +J-Kollektion; die ersten drei wurden zwischen 2009 und 2011 lanciert und sind in der Fashion-Community legendär. Noch heute schwärmen Moderedakteure oder Stylisten von den Jacken und Pullis, die damals nur in Japan oder New York zu ergattern waren.

Ob und wann es weitere +J-Launches geben wird, ist noch ungewiss. Schließlich muss Frau Sander, die inzwischen Mitte siebzig ist, niemandem mehr etwas beweisen. Und wenn sie keine Lust mehr auf eine Zusammenarbeit hat, dann geht sie einfach, das hat sie ja schon oft genug gemacht. Aber so ganz von der Mode lassen, das will sie offenbar nicht. Unser Glück.