Im Sommer suchen wir alle nach Geheimtipps, um dem heißen Berliner Beton zu entfliehen und ein wenig Sommerfrische zu tanken, am besten im Umland, am besten in Brandenburg. Und das Gute ist ja: Brandenburg ist vielen Berlinern immer noch eine Art Terra incognita, das sagenumwobene Umland, wo es noch viel zu entdecken gibt. Oder waren Sie etwa schon mal im Oderbruch? Falls nicht, es lohnt sich!

Aber vom Oderbruch erzähle ich beim nächsten Mal. Heute soll es um die Uckermark gehen, um ein besonderes Örtchen dort, um es konkret zu sagen, wobei ja die Uckermark von allen Brandenburger Regionen den Berlinern dann doch am bekanntesten vorkommt.

Gerswalde: Der Go-to-Place, um dem Stress zu entfliehen

Tomasz Kurianowicz
Das Huhn im Gaia

Seit ein paar Jahren fahre ich regelmäßig nach Gerswalde, ins bekannte Hipsterdorf, das sich ein bisschen so anfühlt wie Cold Spring im Hudson Valley in der Nähe von New York. Dort versammeln sich (ähnlich wie an der Ostküste der USA) Berliner mit Hipsterbart, parken ihren neuen SUV-BMW vor der Dorfkiche und schlendern mit ihren weißen Turnschuhen oder Birkenstock-Latschen über das romantisch ausgelegte Kopfsteinpflaster und gucken sich vor der Töpferei oder dem Dönerladen in der wirklich sehr kleinen und süßen Dorfmitte um.

Es ist mir ein wenig peinlich, in diese Gesichter zu schauen, weil ich dann weiß, dass Gerswalde wirklich schon ein bisschen overhyped ist, aber egal: Es ist einfach so schön und entspannend dort, dass ich mich von solchen Eindrücken nicht irritieren lasse. Ja, ich gestehe, Gerswalde ist mein Go-to-Place, um dem Großstadtstress zu entfliehen.

Schon der Anblick der Umgebung entschleunigt maximal

Tomasz Kurianowicz
Die Pasta im Gaia

Meine erste Anlaufstelle ist, natürlich, der Große Garten, der berühmt geworden ist durch ein paar Japanerinnen, die den Entschluss gefasst hatten, im ehemaligen Palmenhaus in der Gartenanlage ein Café mit japanischen Desserts zu eröffnen. Plötzlich war Gerswalde „Talk of the Town“, alle Berliner zwischen Prenzlauer Berg und Neukölln wollten dorthin und stärkten den Mythos um das Dorf Gerswalde, das seitdem Sommer für Sommer von neurotischen, gestressten Großstadtbewohnern heimgesucht wird. Und das zu Recht!

Jedes Jahr fahre ich mindestens einmal nach Gerswalde. Dieses Jahr war ich schon dort, um mich umzuschauen und Veränderungen zu registrieren. Man muss wissen: Die Japaner sind aus dem Palmenglashaus ausgezogen und haben die Schlüssel einem neuen Duo übergeben: den Gastronomen Julia Heifer und Zsuzsanna Toth.

Seitdem gibt es irre gute Küche mit Zutaten aus der Region (oder dem hauseigenen Garten, der wie eine kleine Entschleunigungsoase wirkt) und Mittagessen und Weine auf höchstem Niveau. Das Restaurant nennt sich Gaia und bietet Tische mit Blick auf den großen, bunt blühenden Garten, auf einen Wald im Tal und die Anlage, wo sich auch noch Ferienwohnungen befinden. Schon der Anblick der Umgebung entschleunigt maximal.

Probieren Sie diese Vorspeisen

Und das Essen? Das ist schon ziemlich, ziemlich gut. Die Portionen sind nicht riesig, das muss man fairerweise sagen, die Preise schon recht hoch, aber dafür stimmt die Qualität. Das letzte Mal, als ich da war, habe ich eine Vielzahl von Gerichten getestet und mich glücklich gegessen. Ich kann Ihnen ein paar Empfehlungen mit auf den Weg geben.

Als Vorspeise lohnen sich die zwei Buchteln mit geschlagener Kräuterbutter für 6 Euro. Sehr gut ist auch die hausgemachte Focaccia für 4 Euro. Probieren Sie auch den Gartensalat, der natürlich bestückt ist mit Gemüse aus dem Garten (8 Euro). Kreativ fand ich auch die Kartoffelwaffel mit gebeiztem Saibling, Gurke, Rucola für 11 Euro. Sehr zu empfehlen ist auch die Burrata mit Pistazien und grünem Öl (14 Euro).

Auf nach Brandenburg!

Tomasz Kurianowicz
Der Mandelkuchen im Gaia

Über die Hauptspeisen lässt sich streiten. Beim letzten Mal habe ich die frisch gemachte Pasta bestellt, mit Minz-Pesto und Ricotta Salata für 16 Euro. Meine Begleitung hat das poschierte Huhn mit frischen, knackigen Erbsen, Spargel und Estragon getestet. Beide Gerichte in Kombination waren die perfekte Wahl. Gönnen Sie sich zum Abschluss natürlich auch ein Dessert, etwa hausgemachtes Holundereis mit Kirschen für 6 Euro oder den Mandelkuchen für 5 Euro. Nebenbei sollten Sie sich ein Bio-Pils bestellen oder sich durch die Weinkarte trinken. Gut fand ich weißen Franzosen „A la vie“ (ein Glas für 6,50 Euro), auch der deutsche Naturwein hat Spaß gemacht. Herrlich!

Wenn Sie sich im Garten entspannt haben, glücklich und satt sind, sollten Sie sich die Burganlage im Dorf anschauen und den Dorfsee begutachten, in dem man leider nicht richtig schwimmen kann, weil es keine gute Badestelle gibt. Aber das macht nichts!

Nur 15 Autominuten entfernt findet sich ein anderer Badesee mit einer öffentlichen Badestelle, den ich richtig toll finde. Der Potzlower See! Man kann schon sagen, dass dieser See ein echter Geheimtipp ist. Ich hoffe, dass die Dorfbewohner von Potzlow nicht sauer sind, dass ich ihn verraten habe. Die Wasserqualität ist spitze und die Badestelle nie zu voll. Also: Auf nach Brandenburg!

Restaurant Gaia, Dorfmitte 11, 17268 Gerswalde, samstags und sonntags 13 bis 19 Uhr

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