Der japanische Modedesigner Kansai Yamamoto.
Foto: Kyodo News via AP/Minoru Iwasaki

BerlinIn einem ikonischen Kostüm, das Kansai Yamamoto in den 70er-Jahren für David Bowies Alter Ego Ziggy Stardust entwarf, verfließen die Linien und Formen, die ansonsten einen gegebenen Körper nachzeichnen würden, zu einem merkwürdig entgrenzten Gebilde. Die Beine werden von pompösen Rundungen umspielt, für die das Wort „Pluderhose“ eine Untertreibung wäre. Der Körper wird zu einer androgynen, pfauenartigen Gestalt in gleißendem Schwarz-Weiß. Die Gesetze der Geometrie wirken dabei wie außer Kraft gesetzt. „Es fand eine Art chemische Reaktion statt“, sagte Yamamoto über die Zusammenarbeit mit Bowie, „meine Kleidung wurde Teil von David und seiner Musik“.

Jetzt ist Yamamoto, der für seine avantgardistischen Designs bekannt war, im Alter von 76 Jahren gestorben. Wie seine Tochter Mirai Yamamoto via Instagram mitteilte, starb Yamamoto „friedlich und im Kreise seiner Liebsten“. Im Februar war er an Leukämie erkrankt.

Yamamoto wurde 1944 in Yokohama, in der Nähe von Tokio, geboren. Bereits 1971 debütierte er als erster japanischer Modedesigner mit einer Show in London. Schnell erlangte er internationalen Ruhm für die Weise, wie er traditionelle, japanische Motive – etwa die charakteristische Bildsprache des Kabuki-Theaters – mit schillernden Farben und teils ins Absurde kippenden Designs verband.

Kansai Yamamotos legendärer Vinyl-Overall, den David Bowie auf seiner „Aladdin Sane “-Tour 1973 trug.
Foto: Imago

Neben David Bowie hegte er auch enge Freundschaften mit Musikern wie Elton John und Stevie Wonder. Bis in die frühen 90er-Jahre entwickelte Yamamoto Kollektionen in Tokio, New York und Paris. Zudem produzierte er in Japan eigene Modenschauen wie die „Kansai Super Show“. In späteren Jahren wurde er unter anderem vom Modehaus Louis Vuitton angeworben. Dort entwickelte er zuletzt 2018 glitter- und paillettenbesetzte Kleider und Taschen, in denen die kabukihaften Entwürfe aus den 70er-Jahren aufs Neue aufblitzten. 

Bevor Yamamoto sich der Mode zuwandte, hatte er Ingenieurswesen studiert. So gewann er auch Auszeichnungen für das Innen- und Außendesign des Keisei-Skyliner-Zuges, der Tokio mit dem Narita International Airport verbindet. „Die menschliche Energie ist grenzenlos“, lautete Yamamotos Grundmotto und -antrieb, so hieß es in einer Erklärung seines Unternehmens zu seinem Tod. Seine Tochter umschrieb diesen Geist in ihrem Instagram-Post mit dem japanischen Begriff „Genki“, was so viel bedeutet wie lebendig und gesund. Er lebt in Yamamotos Mode fort.