Leuchtend und getupft wie Mini-Orchidee: die Gauklerblume.
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BerlinCorona klingt zwar nach Liliensorte, aber Sie können das Wort nicht mehr hören? Können wir verstehen. Deshalb hier ein paar echte Speziesnamen, die Sie hoffentlich auf andere Gedanken bringen. Löwenmäulchen, Elfenspiegel, Schmuckkörbchen, Jungfer im Grünen, Liebeshain-, Ringel- oder Gauklerblume – allein die Namen vieler Sommerblumen sind geradezu märchenhaft. Und genau so sehen sie auch aus: Ihre Blüten sind hauchzart (Schleierkraut) bis tellergroß (Sonnenblumen) und weisen alle erdenklichen Farben und Schattierungen auf. Manche duften betörend, viele ernähren Hummeln, Bienen und Schmetterlinge. 

Sie alle werden „Sommerblumen“ genannt und gelten als einjährige Pflanzen, weil sie in einer einzigen Gartensaison keimen, wachsen, blühen und Samen bilden. Ihr kurzes, fulminantes Leben endet meist im späten Herbst und beginnt im Frühling, also jetzt. Es macht großen Spaß, sie zu säen. Das kräftige Grün eines Keimblatts ist die optimistischste Farbe der Welt, besonders an Märztagen im mehr oder minder strengen Hausarrest.

Blütenpracht ganz ohne Gifte

Natürlich gibt es Sommerblumen auch fix und fertig zu kaufen, aber die Auswahl ist sehr begrenzt. Im Laden wird man kaum einen zartvioletten „Bienenfreund“ finden, keine wohlriechende Reseda, keine wilde Kornblume. Zudem haben Greenpeace, aber auch der britische Biologe Dave Goulson in Studien gezeigt, dass man sich mit Blumen aus dem Gartencenter sehr oft Gift in den Garten holt – selbst wenn sie als „bienenfreundlich“ gekennzeichnet sind. Wer Insekten helfen will, sollte darum in Biogärtnereien einkaufen. Oder eben selbst ziehen, was erheblich weniger kostet.

Magnet für Schmetterlinge: Mohn gibt es in vielen Farben, hier der rote Klatschmohn. 
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Und das ist ganz einfach, sofern wir die Bedürfnisse der Pflanzen kennen und respektieren: Die meisten Sommerblumen keimen ab 10 bis 15 Grad, daher wird im März und April gesät. Der Boden sollte warm, humusreich und schön feinkrümelig sein, damit die zarten Wurzeln mühelos hineinwachsen können.

Die Erde muss unbedingt feucht sein

Gesät wird so tief, wie die Körnchen dick sind, und nicht zu eng. Die Abstandsangaben auf den Samentüten sind ernst gemeint! Pflanzen, die sich drängeln, gedeihen nicht. Bis die Samen keimen, möchten sie es unbedingt feucht haben, ausgetrocknete Erde verzeihen sie nicht. In einem Frühjahr mit sanftem Regen ist das kein Problem. In einem trockenen hilft nur sanftes Gießen. Oder ein nasser Sack auf dem Beet.

Die Saat im Freiland bringt kräftige, an ihre Umgebung bestens angepasste Blumen hervor. Aber es gibt auch gute Gründe, sie unter oder hinter Glas vorzuziehen: Besonders wärmeliebende oder anfangs langsam wachsende Pflanzen wie Löwenmäulchen, Zinnien, Gauklerblumen oder Patagonisches Eisenkraut können ein bisschen Vorsprung vertragen. Außerdem sind viele Beete im März und April noch voller Tulpen und anderer Frühblüher; es ist also manchmal gar kein Platz für die Saat.

Zweitnutzung für leere Eierkartons

Wer kein Gewächshaus oder Frühbeet hat, wird sich mit dem Fensterbrett behelfen. Spezielle Anzuchtkisten sind praktisch, genauso gut funktionieren aber Eierkartons, Joghurtbecher (mit Löchern im Boden) oder aus Zeitung gebastelte Töpfchen. Hinein kommt idealerweise Anzuchtsubstrat, manche schwören auch auf eigene Mischungen oder Maulwurfshügelerde. Im Zweifel tut es aber auch schlichte Tütenerde, der Umwelt zuliebe torffreie. Gesät wird wie draußen, obendrauf setzt man ein Trinkglas, eine zerschnittene PET-Flasche oder ähnliches für den Glashauseffekt. Gegossen wird direkt vorm Säen, die Plastik- oder Glaskuppeln halten die Feuchtigkeit, während die Wohnungswärme den Keimprozess fördert.

Keimt schon eine Woche nach Aussaat: die Liebeshainblume, eine beliebte Bienenfutterpflanze.
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Möglichst viel Licht und nicht zu viel Wärme

Nach dem Keimen wird es ein oft ein bisschen knifflig, denn bei Lichtmangel werden die Jungpflanzen sehr schnell lang, dünn und blass. Daher die Abdeckung nun entfernen. Gartenprofis sortieren schwächliche und überzählige Exemplare einfach aus. Da Laien sich aber meist in jeden einzelnen Keimling verlieben, hier der Tipp: Nicht zu viel, also zu dicht säen! Möglichst viel Licht und nicht zu viel Wärme! Ein Südfenster in einem wenig geheizten Schlafzimmer oder Treppenhaus ist perfekt. Mit ein bisschen Glück lassen sich zu langgeschossene, schlappe Pflanzen retten, indem man sie möglichst tief in einen neuen Topf pflanzt. Bevor der zarte Nachwuchs dann nach ein paar Wochen ins Beet oder in den Balkonkasten kommt, sollte er sich an die Frischluft gewöhnen – in einer geschützten, sonnigen Ecke, erst mit Abdeckung, dann ohne.

Natürlich macht das alles Arbeit, und es geht auch mal etwas schief. Spargelige Sämlinge fallen um und sterben, statt zartem Grün sprießen Pilze aus den Töpfchen, das Kind, die Katze – oder man selbst – fegt versehentlich ein Dutzend junge Löwenmäulchen vom Fensterbrett. Andererseits erfreut nichts so sehr, wie der Lieblings-Levkoje oder einer wilden Kamille beim Keimen und Heranwachsen zuzusehen. Es ist eine angenehme, ja meditative Beschäftigung, Pflanzen aus Samen zu ziehen, eben weil es nicht per Mausklick oder schnellem Shopping geht.

Obendrein sind die Möglichkeiten dabei vielfältiger als mit gekauften Pflanzen. Wir können einfarbige oder kunterbunte Beete bzw. Kästen gestalten, seltene, alte oder wilde Sorten zelebrieren, duftende Blumen (z.B. Levkojen, Reseden) säen, gezielt Bienen, Hummeln oder Schmetterlingen Futter anbieten (Letzteren mit Witwenblumen oder Eisenkraut) . Allein der Standort setzt der Fantasie Grenzen: Die meisten Sommerblumen möchten Sonne, mit Schatten kommen nur wenige (z.B. Liebeshain- und Gauklerblumen oder Blauer Waldmeister) gut zurecht.

Schätzt Vorzucht auf dem Fensterbrett und erfreut durch raffinierte Farben: das Löwenmäulchen.
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Mit welcher Blumenart geht nichts schief? 

Eine unverwüstliche Anfängerpflanze ist die knallorange oder goldgelb blühende Ringelblume. Oder der Bienenfreund mit seinen fedrigen Blütendolden; er gilt als wahre Bienenweide und Gründünger. Eine Mischung aus beiden etwa macht aus jeder halbwegs sonnigen, gern auch ein bisschen kargen Ecke ein pflegeleichtes Blütenmeer.

Vor einem Ständer mit Hunderten Samentüten kommen einem eher zu viele als zu wenige Ideen. Vom Online-Angebot ganz zu schweigen. Ein bisschen verwirrend ist, dass zwischen Sommerblumen oft auch zwei- oder mehrjährige Pflanzen auftauchen. Die blühen selten im ersten Jahr, was sehr enttäuschend sein kann. Also gilt, genau hinzuschauen, meist steht es auf den Tüten. Auch ein Blick auf die Blütezeiten schadet nicht. Viele Sommerblumen blühen aber ohnehin wochenlang, wenn Verwelktes weggeschnitten wird. Der Sinn ihres Lebens ist Samenbildung, wenn wir sie durch Abknipsen alter Blüten daran hindern, treiben sie immer neue Knospen.

Die milden Winter machen sie zu Dauergästen

Weil wir immer Samenkapseln übersehen oder im Herbst doch stehenlassen, pflanzen sie sich am Ende oft dennoch fort. Und ihre Nachkommen keimen im Folgejahr oft ganz ohne unsere Hilfe: Ringelblumen, Schmuckkörbchen, Mohn, Jungfer im Grünen und viele andere werden, einmal gesät, so zu Dauergästen im Garten. Manche Pflanzen sterben in Zeiten steigender Temperaturen auch gar nicht mehr ab. Viele Ringelblumen zum Beispiel blühten im vergangenen milden Winter einfach durch.   Auch das eine oder andere Löwenmäulchen hat überlebt und startet gerade fröhlich ins neue Gartenjahr. 

Das sage noch einer, es gäbe keine guten Nachrichten mehr.