Passionsfrucht mit weißer Schokolade, Haselnuss und Butterkaramell. Schauen Sie genau hin. Schmeckt wirklich so, wie es aussieht.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

Berlin-Prenzlauer BergManchmal möchte ich auf der Stelle losschreiben, weil ich schon beim Probieren so begeistert bin. Erst kürzlich ging es mir bei Hokey Pokey mal wieder so: Noch während des Eisschleckens konnte ich es nicht fassen, dass eine Kugel Butterkaramell mit Meersalz so fantastisch schmecken kann. 

Eis ist nicht gleich Eis und das, was alles unter dieser Bezeichnung in unseren Eisdielen verkauft wird, meint so viel Verschiedenes. Es ist in etwa so, als spräche man vom „Telefon“ – und von Münzapparat bis Smartphone ist alles eingeschlossen. Nur haben wir hier den Begriff mittlerweile ziemlich ausdifferenziert, während das bei Eiscreme erst noch passieren muss. Denn das, was Hokey Pokey seit zehn Jahren in eigener Produktion herstellt, ist – und ich weiß, dass es große Worte sind – mit Steve Jobs’ Neuerfindung des Telefons vergleichbar. Wenn es schon keine Synonyme für Eis gibt, außer vielleicht „Gefrorenes“, dann kann ich es wenigstens so ausdrücken: Das Hokey Pokey ist keine Eisdiele, sondern eine Eispatisserie. Es spielt schlicht in einer anderen Liga, weswegen es auch einer Gastrokritik würdig ist.

Empfehlen muss ich den Laden wohl kaum noch jemandem, der schon länger in Berlin wohnt. Die Schlangen vor dem Hokey Pokey sind so legendär, dass schon die Medien davon berichtet haben. „Eisdiele ist kein Fall für das Ordnungsamt“, titelte die Berliner Zeitung, als die Menschenmengen den Gehweg zu verstopfen drohten. Daher gebe ich nun gern ein paar Tipps an die Hand, was bei einem Besuch zu beachten ist und welche Eissorten zu meinen Lieblingen zählen. Die wichtigste Regel gleich zuerst: Am besten geht man bei schlechtem Wetter hin. Ich gebe zu, das ist vielleicht etwas unbefriedigend, weil die Lust auf Eis bei Hitze am größten ist. Dafür muss man aber nur halb so lange anstehen. Leer habe ich den Laden noch nie erlebt, selbst bei einem Temperatursturz mitten im Hochsommer nicht. Denn spätestens, wenn man – unter dem Regenschirm fröstelnd – das samtweiche Haselnuss-Eis schleckt, ist die Lust am Eis da und das Wetter vergessen: Wenn es zart auf der Zunge schmilzt und den karamelligen Röstgeschmack der Nocciola Piemonte, der Haselnüsse aus dem Piemont, freisetzt.

Würden Sie von diesem Mann ein Eis kaufen? Wir ja! Inhaber Niko Robert in der angenehm Hokuspokus-freien Hexenküche seiner Eis-Patisserie.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

Das Geheimnis von Hokey Pokey ist das jeder grandiosen Küche: Kompromisslosigkeit, wenn es um die Qualität der Zutaten geht. Das bedeutet echte Bourbon-Vanille (die momentan ein paar Hundert Euro pro Kilo kostet) statt Einsatz von Ersatzaromen; Karamellmasse, die aus bester Butter, Zucker und Sahne handgerührt ist; und statt Schokofertigpulver lieber französische Valrhona-Schokolade. Diese Sorte wird aus südamerikanischen Criollo- und Trinitario-Kakaobohnen hergestellt, und ist übrigens wirklich göttlich. Ihr kräftiges, leicht blumiges Aroma ist für Schokoladenliebhaber ein Muss. Neben den Zutaten braucht es ferner – und das ist entscheidend – die Obsession, ein Eis zu machen, das selbst die Italiener vor Neid erblassen lässt. Diese hat Niko Robert, der Inhaber des Hokey Pokey, allemal. Als Koch arbeitete er jahrelang im Berliner Fünf-Sterne-Hotel Ritz-Carlton, wo er auch seine Kenntnisse als Patissier perfektionierte.

Wo andere Eisdielen mit Moscow Mule, Essiggurke-Nutella oder sogar Pizza-Eis locken wollen, bleibt Robert im Hokey Pokey bei den traditionellen Sorten und revolutioniert sie mit purem Handwerk. Daher meine Empfehlung Nummer zwei: Kaufen Sie auf Vorrat, denn dieses Eis hat einen hohen Suchtfaktor. In beiden Hokey-Pokey-Filialen, wo man momentan wegen Corona leider nicht sitzen darf, kann man 520-ml-Behälter mitnehmen oder sie sich bequem via Lieferservice nach Hause bestellen. Wie ich gehört habe, ist möglicherweise auch Angela Merkel ein Hokey-Pokey-Fan. Das Kanzleramt wird jedenfalls regelmäßig von der Eispatisserie beliefert.

Unbedingt empfehlenswert ist natürlich ein Vorrat an der bestverkauften Eissorte und dem Namensgeber, der einem englischen Kinderlied entnommen ist: „Hokey Pokey“, was so viel wie „Zauberei“ bedeutet. Und es schmeckt tatsächlich zauberhaft, das cremige Bourbon-Vanilleeis mit knusprigen Karamellstückchen, das nach einem alten neuseeländischem Originalrezept hergestellt wird. Doch beachten Sie unbedingt auch Regel Nummer drei: Probieren Sie jedes Mal mindestens eine andere neben ihren Lieblingssorten, denn Sie werden in den allerseltensten Fällen enttäuscht sein. Mein Lieblingseis ist ganz klar das Butterkaramell. Doch ich empfehle momentan auch Passionsfrucht mit weißen Schokoladenstücken und kleinen dunklen Schokokügelchen darin. Sie knuspern beim Daraufbeißen einfach herrlich!

Grafik: BLZ/Galanty

Preise: Kugel 1,80 Euro; eine Packung mit 520 ml kostet 7,80 Euro.

Eispatisserie Hokey Pokey, Stargarder Straße 72, 10437 Berlin-Prenzlauer Berg, Mobil: +49 176 80 10 30 80. Geöffnet jeden Tag von 12 bis 22 Uhr.