Prag - Hier soll es also liegen: das Tor zur Hölle, unterhalb der Burg Houska, eine Autostunde von Prag entfernt. So zumindest besagen es die Legenden, die sich um das Anwesen ranken. Selbst deren Betreiber schreiben auf ihrer Internetseite, dass unterhalb des alten Gemäuers der Eingang zur Unterwelt liege. Doch woher stammt dieser Glaube?

Die Burg wurde im 13. Jahrhundert im frühgotischen Stil von dem böhmischen König Přemysl Otakar II. errichtet. Das Ungewöhnliche: Sie liegt nicht an einem strategisch wichtigen Standpunkt, sondern in einer entlegenen Gegend, umgeben von dichten Wäldern, Sümpfen und Bergen. Zudem hat das Anwesen keinen Zugang zu einer Wasserquelle und wurde offenbar nie bewohnt, wie Atlas Obscura, das Portal für unheimliche Reiseziele, erklärt.

Ist das Loch der Zugang zur Unterwelt?

Welchen Nutzen hatte die Burg also? Die Legende besagt, dass sie ein unergründlich tiefes Loch in der Erde bedecken sollte, von dem die Einheimischen dachten, es sei der Zugang zur Unterwelt. Dämonische Wesen zwischen Mensch und Tier würden nachts aus dem Schlund heraufsteigen, um die Menschen heimzusuchen und sie mit sich in die Tiefe zu ziehen, erzählte man sich.

Zu Tode Verurteilte seien sogar begnadigt worden, wenn sie sich in die tiefe Grube hinabseilen ließen, um den Anwohnern zu berichten, was sie gesehen hatten, heißt es auf dem tschechischen Blog Très Bohèmes. Doch der Legende nach fing ein Häftling schon nach wenigen Sekunden in der Tiefe an zu schreien. Als der junge Mann wieder hinaufgezogen wurde, hatte er auf einmal tiefe Falten und graue Haare. Er war innerhalb von Sekunden um Jahrzehnte gealtert und hatte den Verstand verloren. Einige Tage später soll er aus unerklärlichen Gründen verstorben sein.

Angeblich wurde die Burg zum Schutz vor Dämonen errichtet

Um die Menschen vor den beflügelten Dämonen aus der Tiefe zu schützen, so der Volksglaube, wurde die Burg über dem „Tor zur Hölle“ errichtet und direkt oberhalb des nebulösen Schlunds eine Burgkapelle gesetzt.

Dass die Nazis das Anwesen während des Zweiten Weltkriegs kurzzeitig besetzten, gab Anlass zu weiterer Legendenbildung und Mutmaßungen über ihre okkulten Machenschaften. Hatten sie nicht ohnehin einen Pakt mit dem Teufel geschlossen?

Heiraten am Eingang zur Hölle

Doch selbst heute behaupten manche Besucher ein Kratzen oder sogar Schreie unterhalb der Festung zu hören. Auch Autos sollen in der Nähe oft nicht anspringen.

Wer sich selbst überzeugen will, ob unter dem jahrhundertalten Anwesen, das Höllenfeuer brodelt, kann das Anwesen besichtigen. Seit 1999 ist es für Besucher zugänglich. Paare können in der Burg sogar ihre Hochzeit feiern. Und wer kann schon über sich sagen, am Eingang zur Hölle geheiratet zu haben? (rer)