Es wird wieder heiß in Berlin – und damit voll an den Badestellen der Stadt. Müggelsee oder Wannsee, Schlachtensee und Plötzensee, Bammelecke, Krumme Lanke: Wer was auf sich hält und nicht festgekettet ist auf dem Bürostuhl, wird sich in den nächsten Tagen auf Sand oder Rasen in Wassernähe aalen. Nicht ohne eine kompetent gepackte Badetasche natürlich!

Denn was ist schlimmer, als endlich am See zu liegen – nur um festzustellen, dass das Lieblingsbuch oder die Tupperdose mit den Gummitieren zu Hause geblieben sind? Was Sie für einen schönen Badetag grundsätzlich brauchen, wissen Sie sicher selbst am besten. Ein paar spezifischere Dinge, die für gewisse Gewässer beinahe verpflichtend sind, haben wir für Sie zusammengetragen.

Schlachtensee: Jetzt wird’s eng

Wer Kinder hat, wird in den kommenden Tagen wahrscheinlich den Schlachtensee ansteuern. Großer Parkplatz, großer Spielplatz, großes Angebot an den Fressbuden: Es gibt viele Gründe, warum der Schlachtensee gerade bei Familien beliebt – und deswegen bei warmen Temperaturen leider restlos überfüllt ist. Unser Tipp für alle, die es sich allein oder zu zweit am Wasser im Südwesten Berlins gemütlich machen wollen: eine übertrieben große Liegedecke!

Ganz schön was los hier – nicht nur auf dem Schlachtensee, sondern auch am Rande.
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Ganz schön was los hier – nicht nur auf dem Schlachtensee, sondern auch am Rande.

Mit selbiger frühzeitig losgeradelt, das Textil sodann an einem strategisch guten Platz ausgebreitet – schon haben sich Single-Badende und Wasserratten-Pärchen eine großzügige Liegewiese geschaffen. Wer das nicht tut, findet sich am Schlachtensee nämlich schnell in einer Sardinenbüchse wieder, in der zwischen die Liegenden kein Blatt mehr passt. Auch hilfreich: Smartphone oder iPod samt Kopfhörern. So lässt sich das Gezeter und Gequatsche auf der Nebendecke nonchalant mit Musik überspielen.


Plötzensee: Ohne Moos nichts los

Letzteres – die Kopfhörer und die Musik – sind wiederum am Plötzensee völlig überflüssig. Am dortigen Strand läuft die Mucke nämlich sowieso: Das Strandbad Plötzensee hat sich einen Namen als eine Art Party-Beach gemacht; Techno, Discokugel, Sperrmüllsofas – wüsste man’s nicht besser, würde man sich hier in der Bar 25 oder im Außenbereich des ://about blank wähnen.

Diskokugel vor blauem Himmel – eine Aussicht, die im Strandbad Plötzensee ihren Preis hat
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Diskokugel vor blauem Himmel – eine Aussicht, die im Strandbad Plötzensee ihren Preis hat

Tatsächlich bewegen sich auch die Preise auf Clubniveau – acht Euro für den Eintritt, zwölf Euro für einen Cocktail, dazu noch relativ happige Preise für Pommes oder Pizza, selbst Austern gibt’s gelegentlich. Deswegen: Ohne das nötige Kleingeld sollte sich niemand auf den Weg zum Strandbad Plötzensee machen. Viel hilft viel – an der Bank lieber noch ein paar Scheinchen mehr abheben. Und auch die Sonnenbrille sollte nicht vergessen werden. Cool aussehen gehört hier nämlich zum guten Techno-Ton.


Flughafensee: Für den kleinen Hunger zwischendurch

Deutlich leisere Töne werden am Flughafensee angeschlagen. Beziehungsweise: gar keine Töne. Keine Beach-Bar, keine Tanzfläche, kein Imbiss mit laufendem Radio, kein gar nix. Nur das unheimlich klare Wasser ziemlich genau zwischen JVA und ehemaligem Flughafen; Sandstrand-Buchten angenehmer Größe, die sich sanft in die angrenzenden kleinen Wälder schmiegen. Der Flughafensee ist ein kleines Juwel, das seltsamerweise relativ schlecht besucht wird. Womöglich, weil eben Beach-Bar und Imbiss, im Grunde eine ganze Infrastruktur fehlen.

Sieht äußerst lecker aus – sucht man rund um den Flughafensee in Tegel aber vergebens.
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Sieht äußerst lecker aus – sucht man rund um den Flughafensee in Tegel aber vergebens.

Kurz mal Bratwurst holen, eben mal ’nen Flutschfinger besorgen – geht hier nicht. Also ganz wichtig: Unbedingt genug Proviant mitbringen! Der nächste Kiosk liegt mindestens 20 Gehminuten entfernt. Zwar gibt’s gelegentlich findige Frauen und Männer, die mit einer Späti-Tüte voll gekühlter Bierflaschen rumlaufen oder Drinks aus ihrer Kühltasche heraus verkaufen – Geheimtipp: Halten Sie am größten Strandabschnitt Ausschau nach der Frau mit dem lilafarbenen Sonnenschirm! –, grundsätzlich verlassen kann man sich auf diese Angebote aber nicht.


Krumme Lanke: Über Stock und Stein

Was das kulinarische Angebot angeht, ist die Krumme Lanke schon deutlich besser aufgestellt. Von der Badestelle, die in Richtung Fischerhüttenstraße gelegen und damit am besten zu erreichen ist, sind es gerade einmal drei Minuten zur nächsten Frittenbude: Der Wagen steht auf dem angrenzenden Parkplatz, von dem aus es dann übrigens ohnehin nur ein kleiner Spaziergang zum überbordenden Imbiss-Angebot am nahen Schlachtensee ist.

Der Klassiker, hier in Weiß – damit kommt man selbst an der Krummen Lanke unbeschadet ins kühle Nass.
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Der Klassiker, hier in Weiß – damit kommt man selbst an der Krummen Lanke unbeschadet ins kühle Nass.

Abgesehen von der Verpflegung hat besagte Badestelle, bestehend aus ein bisschen Grünfläche und ein wenig Sand, aber doch so ihre Tücken: Der ziemlich schmale Wasserzugang ist ein Abenteuer für sich; nur über Stock und Stein und Stein und Stock geht’s rein ins kühle Nass. Könnte vor größeren Blessuren schützen: Badeschuhe oder Badesandalen! Zum Beispiel die lustigen Gummi-Dinger, die man als Kind immer im Urlaub an der Costa Brava getragen hat. Mit denen lässt sich nicht nur betont lässig über spitze Steinchen watscheln – die Teile sind aktuell auch wieder schwer angesagt.


Müggelsee: Mittendrin statt nur dabei

Angesagt ist auch der Müggelsee – vor allem bei Wassersportlerinnen und Wassersportlern. Der größte See der Stadt ist ein Eldorado für all jene Sommerkinder, denen ein Bad in der Sonne längst nicht genug ist. Hier wird gesegelt, gepaddelt und geboardet, als gäbe es kein Morgen mehr. Wer weniger sportliche Ambitionen hat und trotzdem raus aufs Wasser will, mietet sich ein Motorboot. Angebote gibt es viele, gerade in den vergangenen reisefreien Corona-Jahren ist das Boot-Ausleihen am Müggelsee unter jungen Berlinerinnen und Berlinern ein kleiner Trend geworden.

Mit dem Motorboot durch „Klein Venedig“ – wer da nur vom Rand zuschaut, ist selbst schuld.
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Mit dem Motorboot durch „Klein Venedig“ – wer da nur vom Rand zuschaut, ist selbst schuld.

Wer da nur am Strandbad liegend zuschaut, könnte mitunter ganz schön neidisch werden. Also: Lieber mit einer Boots-Reservierung im Gepäck nach Köpenick! Spontan lässt sich diese natürlich nicht auftreiben – sämtliche Wassergefährte sind notorisch ausgebucht. Mit ein bisschen Vorplanung aber findet am Müggelsee jeder sein Traumschiff. Neidisch sind dann nur noch die anderen.


Wannsee: Der frühe Vogel fängt den Wurm

Ziemlich schnell ausgebucht sind immer auch die Strandkörbe am Wannsee. Wer da nicht schnell zugreift, kann nur noch im Sand liegen. Und ein Tag am Wannsee ohne Strandkorb – das ist wie eine Nacht im Berghain ohne Drogen. Kann keiner wollen. Vor einer Fahrt zum Wannsee sollte also unbedingt bedacht werden: Kleingeld für die Strandkorb-Miete einpacken – und rechtzeitig losfahren, damit es überhaupt noch was zu mieten gibt. Klar, dass dann auch das Smartphone oder die Kamera nicht fehlen darf. Schließlich lassen sich im blau-weiß-gestreiften Sitz wunderbar nostalgische Fotos machen.

Wären sie mal früher gekommen – dann könnten sich’s auch die beiden im Strandkorb gemütlich machen.
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Wären sie mal früher gekommen – dann könnten sich’s auch die beiden im Strandkorb gemütlich machen.