Ob Patagonien, Alaska oder das Hochland von Äthiopien: Martin Zwick hat ein Faible für abgelegene, raue Orte. Orte, an denen das Klima hart und die Bedingungen abenteuerlich sind. Deshalb ist der 52-jährige Naturfotograf aus München auch nicht, wie die meisten Touristen, im Sommer nach Island gereist, sondern im Winter. Drei Wochen lang, im Februar und März dieses Jahres, weilte er auf der größten Vulkaninsel der Erde. Und brachte von dort nicht nur beeindruckende Aufnahmen mit, sondern auch jede Menge Gründe, Island in der kalten Jahreszeit zu entdecken.

Herr Zwick, im Reiseführer steht, die Hauptreisezeit für Island liegt zwischen Mitte Juni und Ende August. Warum waren Sie ganz antizyklisch im Winter dort?

Dafür gibt es drei Gründe. Ich wollte Polarlichter fotografieren, und das geht im Winter nun mal am besten. Auch in den Eishöhlen des Vatnajökull-Gletschers, die mich interessiert haben, ist der Zugang nur im Winter möglich. Und dann kommt dazu, dass Island im Sommer schon tausendfach fotografiert wurde. Winterbilder gibt es dagegen nicht so viele. Das ist mir als Fotograf natürlich auch wichtig.

Was würden Sie sagen, ist das Besondere an Island im Winter?

Das Besondere an Island sind das Licht und die vielfältigen Formen der Landschaft. Die Natur, die im Sommer schon herb ist, präsentiert sich im Winter noch wilder. Wer einen richtigen Winter erleben will, hat ja sonst kaum Möglichkeiten. In Finnland gibt es nur Wälder, das wird irgendwann öde. Und bei uns ist jedes Gebirge mit Skigebieten zugepflastert. Wer sich dafür nicht interessiert und lieber Natur pur erleben will, dem kann ich Island nur empfehlen.

Die Wintermonate auf der Insel stellt man sich eher kalt und dunkel vor.

Das Wetter kann extrem sein, aber es ist nicht so kalt wie man meint. In Reykjavik liegt die Durchschnittstemperatur im Januar um den Gefrierpunkt. Im Hochland kann es natürlich kälter werden, dort fegen auch immer wieder heftige Schneestürme. Wegen der lang anhaltenden Dunkelheit würde ich nicht gerade Reisen im Dezember und Januar empfehlen, aber ab Februar gibt es vom Licht her eigentlich keinen großen Nachteil mehr. Ab Ende März ist es schon wieder länger hell als bei uns. Und gegen die Kälte kann man sich ja jeden Tag in heiße Quellen setzen.

Sie waren auch im Norden des Landes unterwegs, wo im Winter viele Straßen gesperrt sind. Wie kommt man dort voran?

Die Ringstraße, die einmal rund um die Insel führt und an der alle wichtigen Orte liegen, ist auch im Winter zugänglich, genau wie einige Stichstraßen ins Hochland. Es kann natürlich durch den Schnee immer wieder zu Sperrungen kommen, dann muss man warten. Wir saßen auch mal drei Tage wegen eines Schneesturms fest. Die isländischen Behörden haben online eine sehr gute Karte, die zeigt, welche Straßen offen sind und wo gerade Räumfahrzeuge unterwegs sind. Das muss man eben beobachten. Für die eisglatten Straßen, die nur geräumt und nicht gesalzen oder gestreut werden, braucht man ein Auto mit Allradantrieb und Spikes. Seriöse Autoverleiher vergeben aber auch gar nichts anderes.

Also braucht man Zeit und ein bisschen Abenteuerlust?

Wer ein bisschen abenteuerlustig ist und Englisch spricht, für den ist eine Winterreise in Island leicht zu realisieren. Man muss gesunden Menschenverstand walten lassen und sich ein bisschen nach der Natur richten.

Ob man in Island wirklich so einsam ist, wie oft erzählt wird, lesen Sie auf der nächsten Seite