Ob China, Kuba oder der Iran: Viele spannende Reiseländer werden von einem autoritären Regime geführt. Sind Reisen in solche Länder moralisch vertretbar? Wenn Kulturstätten unweit von Gefängnissen liegen, in denen Oppositionelle eingesperrt werden?

„Tourismus macht Begegnungen möglich und kann dabei helfen, dass Länder sich öffnen“, sagt Wolf-Dieter Zumpfort. „Ein Richtig oder Falsch gibt es da unserer Meinung nach nicht“, stellt der stellvertretende Vorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung fest. Es lohnt sich, genau hinzuschauen. Denn längst nicht jede Reise in eine Diktatur ist verantwortungslos. Im besten Fall kann sie viel Positives bewirken.

Tourismus ist ein Fenster zur Welt

„Durch den Tourismus haben die Menschen vor Ort ein kleines Fenster zur Welt“, so formuliert es Peter-Mario Kubsch, Geschäftsführer von Studiosus. Austausch, Begegnung, Information und Öffentlichkeit: All das kann langfristig zu einer positiven Veränderung der Menschenrechtssituation beitragen. „Eine Demokratisierung und politische Öffnung befördert man auch dadurch, dass man über den Tourismus Außenkontakte für die Menschen herstellt.“

Prof. Hartmut Rein von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) Eberswalde bestätigt diese Einschätzung: „Viele Systeme haben sich durch den Kontakt mit ausländischen Besuchern verändert. Die Möglichkeit der Begegnung ist eine gute Sache.“

Wichtig ist der Hinweis, dass sich viele autoritäre Staaten kaum miteinander vergleichen lassen. Nordkorea ist ein stalinistisches Folterregime, China ein hierarchischer Ein-Parteien-Staat und Myanmar eine Post-Militärdiktatur im demokratischen Frühling. „Die Frage ist, was man unter einem autoritär regierten Staat versteht“, sagt Ury Steinweg, Geschäftsführer von Gebeco. Der Reiseveranstalter hat zum Beispiel China, Vietnam, die Emirate, Marokko, Kuba, Iran und Myanmar im Programm - alles Staaten, die dem westlichen Demokratieverständnis nicht entsprechen.

Infrastruktur des Systems meiden

Nach Ansicht von Prof. Rein geht es in allen Fällen um eine entscheidende Frage: Wen unterstützt der Tourist mit seiner Reise - eher das Regime oder die lokale Bevölkerung? Wer finanziell nicht dem System in die Hände spielen will, sollte keine touristische Infrastruktur nutzen, die sich im Besitz des Staates befindet, erklärt Kubsch. Wichtig sei, die Begegnung mit Einheimischen zu ermöglichen und nicht nur Sehenswürdigkeiten abzuhaken.

Für Reiseveranstalter geht es vor allem darum, zuverlässige Leistungspartner im jeweiligen Reiseland zu finden, die auf die Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeiter achten. Studiosus zum Beispiel hat mit allen Partnern vertraglich Arbeitsnormen vereinbart, die jedes Jahr aktualisiert und überprüft werden. In der Zeit der Militärjunta in Myanmar hat der Veranstalter sich darum bemüht, Hotels in nicht-staatlichem Besitz zu finden.

So hat das auch Petra Thomas gemacht, als sie damals für einen Veranstalter gearbeitet hat. Heute sitzt sie im Vorstand des Verbands Forum Anders Reisen, einem Zusammenschluss von nachhaltigen Reiseanbietern. „Wenn man komplett ausschließen kann, dass es sich um einen staatlichen Partner handelt, minimiert man den Anteil des Geldes, der beim Staat bleibt.“ Ländlicher Tourismus in Zusammenarbeit mit Dorfgemeinschaften sei ein anderer Weg zu verantwortungsvollem Tourismus - am Hinterland habe der Staat oft kein Interesse. Manche Kooperationen entwickelten sich im Laufe der Jahre. „Viel läuft über die lokalen Reiseleiter.“

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