Es gibt sie, diese Sätze, die Deutsche niemals sagen würden. Wirklich nicht. Niemals. Autor Peter Wittkamp hat mit seinem Buch „Ich bin rundum zufrieden“ unlängst vorgelegt. Wir haben weitere elf unwahrscheinliche Aussagen von Deutschen gesammelt:

„Ich habe heute mal richtig lange ausgeschlafen – das tat gut“

Selbst wenn es so wäre: Das würde in Deutschland niemand jemals zu geben. Nur wer früh aufsteht, kann etwas leisten. Diese Logik lässt Millionen von Schulkindern zu nachtschlafender Zeit Klassenarbeiten schreiben und Büro-Arbeiter am Schreibtisch einnicken. Hierzulande gilt: „Morgenstund' hat Gold im Mund.“

„Warum sind denn hier so viele Schorlen auf der Karte?“

Seit den originellen Beobachtungen des Briten Adam Fletcher wissen wir, dass die Deutschen süchtig nach Fruchtschorlen sind. Gerade die Apfelschorle steht bei ihnen ganz hoch im Kurs, wie Fletcher in „Wie werde ich Deutscher in 50 Schritten“ schreibt. Unvorstellbar also, dass jemand diesen Satz über die Lippen bringt.

„Sie können meinen Doktortitel ruhig weglassen. Der interessiert ja eh keinen“

Im angloamerikanischen Raum sorgt das regelmäßig für Verunsicherung, wenn unter jeder noch so belanglosen E-Mail zwischen engen Kollegen „Prof. Dr. rer. nat. Sowieso“ steht. Dabei würde in diesem Zusammenhang doch auch „Paul“ reichen. Aber die Deutschen legen Wert auf das, was vor dem Namen kommt. Manchmal vielleicht ein bisschen zu sehr. 

Lass schon, ich zahle die Rechnung“

Deutsche Kellner müssen einiges aushalten. Regelmäßig stehen sie vor der Herausforderung, riesige Gruppen von gestandenen Erwachsenen abkassieren zu müssen, die auf drei Cent genau auseinander dividieren, wer wie viel zahlen muss. „Also ich hatte drei Bier und den Veggie-Burger; ich hatte zwei Apfelschorlen und den Gartensalat, äh nein, entschuldigung, es waren drei Apfelschorlen; ich hatte das Menü, aber ohne Nachtisch, dafür einen Kaffee ...“ In anderen Ländern unvorstellbar.

Es braucht nicht jeder sein eigenes Gericht. Wir können auch alles in die Mitte stellen“

Während man in Italien oder Spanien oft alle Gerichte in die Mitte stellt und teilt, braucht in Deutschland jeder sein eigenes. Das ist mein Schnitzel, Schatz! So sieht es aus.

„Das Wetter ist heute einfach perfekt. Nicht zu heiß und nicht zu kalt“

Wer in Deutschland nicht übers Wetter meckert, ist kein Deutscher. Schließlich ist das Wetter doch der perfekte Sündenbock für einfach alles, wie schon der Brite Adam Fletcher in seiner Fortsetzung von „How to be German" bemerkte.

Können wir das nicht ganz unbürokratisch ohne viel Papierkram regeln?“

In Deutschland? Nein, natürlich nicht. Da müssen Sie erst einen Antrag stellen. Das entsprechende Formular bekommen Sie allerdings nur im zuständigen Amt für Antragsvorlagen. Da sind wir nicht zuständig.

„Mein Auto ist mir eigentlich egal. Hauptsache es fährt“

Tatortkommissare haben ja bekanntlich keine intakten Beziehungen. Außer zu ihren Autos. Das zeigt auch, dass ein Auto in Deutschland eben mehr ist als nur ein Fahrzeug. Im extremsten Fall hat es sogar einen Namen und ist wichtiger als sämtliche Familienmitglieder.

„Ich stehe eigentlich gerne im Stau. Das finde ich irgendwie beruhigend“

Wer im Stau steht, muss sich aufregen. Das gehört nun mal dazu. Und wenn man dann ins Büro kommt, muss man den Kollegen beweisen, dass der eigene Stau der schlimmste war, und sich noch ganz lange weiter aufregen, mindestens bis zum Mittagessen. Danach kann man dann anfangen zu arbeiten.

„Ich liebe die Deutsche Bahn“

Siehe vorheriger Punkt: Alle Pendler, die nicht mit dem Auto fahren, müssen sich über alle anderen öffentlichen Verkehrsmittel aufregen dürfen. Gleiches Prinzip. Sonst wäre es unfair.

„Das Kantinen-Essen ist einfach köstlich“

Hat man sich vorher über den Stau oder die Verspätung der Bahn aufgeregt, kann man beim Mittagessen über die Bürokantine meckern. Während der Raucherpause bietet es sich an, wieder übers Wetter zu schimpfen. Und nach Feierabend wartet dann ja auch schon der nächste Stau. (rer)