Als wäre es Jahrzehnte so gewesen: der erst dieses Jahr komplett umgestaltete Gartenhof eines alten Hauses in Brandenburg, Juni 2020.
Foto: Rainer Elstermann

Berlin/UckermarkWie lange es dauert, bis man nach dem Anlegen eines Gartens echte Resultate sieht, sprich bis die frische Pflanzung etwas hermacht: Das ist eine der häufigsten Fragen, die einem als Gartendesigner gestellt werden. Ich kann das gut nachvollziehen, denn wir leben in ungeduldigen Zeiten. Dennoch lohnt es sich, die Umgestaltung eines Gartens gründlich anzugehen. So wie bei diesem Projekt in Brandenburg.  

Im Idealfall beginnt man mit der Planung der Außenanlagen zeitgleich mit dem Haus. Dann können das Innen und das Außen aufeinander abgestimmt werden. Sichtachsen, Nivellierung des Geländes, Einfahrt, Stellplatz für Autos – alles Themen, zu denen ein solider Landschaftsplaner etwas zu sagen hat. Wovon wiederum das spätere Leben im Haus profitieren wird.

Ich selbst bin in der glücklichen Lage, immer wieder bei Bauvorhaben des Berliner Architekten Thomas Kröger mitzuwirken. Thomas bringt viel Gefühl mit für die landschaftliche Verortung eines Hauses und hat deshalb oft hervorragende Ideen für die Gestaltung des Gartens. Werde ich von seinen Bauherren für die Außenanlagen beauftragt, gibt er mir eine gründliche Einführung in seine Pläne und deren Hintergründe. Dafür nimmt er sich viel Zeit, diese Sessions gehören zu den unerwarteten Privilegien meines Berufs.

Start im Januar 2020: Aus dem Schräghang zum Schuppen hinunter sollen zwei gerade Ebenen werden. Hier die Vorbereitungen zum Guss der Betonmauer mit Sitzplatz, die das obere Gelände abfangen wird.
Foto: Rainer Elstermann/Andreas Zaremba

Ob Um- oder Neubau: Meist ist rundum genug Platz, dass mit dem Garten schon begonnen werden kann, während am Haus noch gebaut wird, besonders auf den teils riesigen Grundstücken in Brandenburg. Ich empfehle dies jedenfalls dringend. Denn nichts ist schlimmer als mit der – zumeist anstrengenden – Bauphase des Hauses fertig zu sein und sofort mit der nächsten Baustelle vor dem Haus umgehen zu müssen. Sobald das Haus fertig ist, sollte auch ein Teil des Grundstücks fertig sein, zumindest was die rohbaulichen Maßnahmen angeht. Also Achtung bei der Finanzierungsplanung! (In England rechnet man übrigens zu den Baukosten eines freistehenden Hauses routinemäßig rund 25% für die Umsetzung der Außenanlagen hinzu.)

Februar 2020: Nach dem Gießen der Betonmauer, noch bevor das obere Gelände (links und vorn im Bild) mit Pflanzenerde aufgefüllt wurde.
Foto: Rainer Elstermann//Andreas Zaremba

Ein rundum erfolgreiches Beispiel ist ein Garten, den ich Anfang des Jahres begonnen habe. Gary und Andreas beauftragten mich damit kurz nach dem Kauf ihres Brandenburger Grundstücks, noch bevor der Umbau des darauf stehenden historischen Hauses begann. Wir konnten also besprechen, wo noch Fenster eingebaut werden könnten und wie man Sichtlinien herstellen oder (die zum Nachbarn) brechen sollte.

Im Außenbereich gab es vor allem das Thema der Hanglage: Der gesamte Hofbereich direkt neben dem Haupthaus war eine unschöne Senke, von der das Gelände zur Straße hin anstieg. Ab dem Haus senkte sich das Gelände dann weiter ab zu den Schuppen und noch tiefer zum Obst- und Gemüsegarten und zum Feld.

Pünktlich zum Frühling: die Pflanzung der Stauden, März 2020. Mittig sieht man den neuen Sitzplatz von oben.
Foto: Rainer Elstermann/Andreas Zaremba

Die Lösung bestand darin, den Hof in eine höhere und eine tiefere Ebene zu unterteilen, deren Grenzstufe eine neue, in Beton gegossene Mauer von rund 20 Metern Länge markierte. So entstand oben eine Pflanzterrasse, während die das Erdreich abfangende Mauer nach unten wurde zur Lehne für ebenfalls betonierte Bänke wurde, die sich mit ein paar Kissen als Leseplatz oder Sonnenliege nutzen lassen.

Im ersten Moment schauten die beiden etwas ratlos, als ich die Planung vorstellte. Sich als Laie die die räumlichen Dimensionen einer Außenanlage vorzustellen, fällt immer schwer. Doch danach ging es schnell an die Umsetzung. Parallel zum Hausumbau wurde im außergewöhnlich milden Januar dieses Jahres die Mauer gegossen. Die Erdarbeiten gingen so schnell voran, dass im Februar die Bäume und Sträucher gepflanzt werden konnten (zwei mehrstämmige Felsenbirnen und unterschiedliche Zierkirschen) und im März dann mehrere Hundert Stauden. Die mediterrane Bepflanzung bekam zum Schluss eine Kiesabdeckung, um ein einheitliches Bild herzustellen und natürlich auch wegen der positiven Eigenschaften des Kieses für die Feuchthaltung des Bodens. Im nächsten Jahr wird das Ganze dann so zugewachsen sein, dass man zwischen den Pflanzen keinen Kies mehr sieht.

Wahrer Luxus: die Hochbeete des nun eigenen Gemüsegartens, Juni 2020.
Foto: Rainer Elstermann

Als die kleinen Stauden kamen und eingepflanzt wurden, gab es ein paar skeptische Blicke: Wie lange es wohl dauerte, bis aus diesen Zwergen ein richtiger Garten würde? Meistens geht es schneller als man denkt! Und das Warten darauf kann sogar Spaß machen. Regelmäßig erzählen mir Kunden, so auch Andreas, wie sehr sie den allmorgendlichen Weg – mit der Kaffeetasse in der Hand – zu ihren Stauden lieben. Jeden Morgen hatte sich etwas verändert; wo gestern nichts zu sehen war, waren heute Knospen.

Am Ende hatten jedenfalls beide das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben.

Lädt zum Verweilen ein: der als Nische in die neue Betonmauer integrierte Sitz- und Liegeplatz.
Foto: Rainer Elstermann

Wegen des Corona-Lockdowns musste der Umbau des Hauses nämlich unterbrochen werden. Dank einer kleinen Einliegerwohnung konnten sie trotzdem wochenlang dort schlafen und hatten bereits einen Garten, in dem sie sich von morgens bis abends aufhielten. Gary begann nebenher, Gemüse anzubauen und Andreas stürzte sich auf die Pflasterarbeiten und die Pflege der Neubepflanzung. 

Dass es ja auch noch das Haus gab, das fertig gebaut werden musste, haben sie zwischendurch fast vergessen.


Am Sonnabend, den 8. August 2020 gibt unser Autor eine Führung durch diesen und den benachbarten Garten. Er wird dabei das Thema dieser Kolumne, also die Schaffung eines blühenden Paradieses auf abschüssigem Terrain, vertiefen und über seinen Umgang mit Unkraut sprechen. Anmeldung unter https://rauszeit-uckermark.de/workshops/standard-titel.


Gartengestalter Rainer Elstermann auf Instagram: https://www.instagram.com/neuelandschaftsgestaltung