Schmeckt zu Bouletten und Gegrilltem oder auch als All-in-one-Hauptspeise.
Foto: Hubertus Schüler/Becker Joest Volk Verlag

BerlinZu den Erfindungen, für die uns das Ausland bestaunt, gehört der Kartoffelsalat; besonders in den USA womöglich noch vor dem Buchdruck, dem Sozialismus und dem Dieselmotor. Wer je auf einer amerikanischen Grillparty war, weiß, dass die ganze Sorge der Gastgeber – neben der Qualität der Steaks und der richtigen Konsistenz des homemade Ketchup – der Zubereitung großer Mengen von „German Potato Salad“ gilt. 

Interessanterweise fand dieser in den hiesigen Kochbüchern bislang wenig bis gar keinen Niederschlag. Auch in älteren Rezeptsammlungen finden sich meist nur ein oder zwei Kochanleitungen – in Nord- und Westdeutschland eher mit Mayonnaise, im Süden mit Essig und Öl. Dabei gibt es Hunderte von Hausrezepten, die oft seit Generationen in den Familien weitergegeben werden. Und die ähnlich wie die Pastasoße in Italien und, eben, das homemade Ketchup in den USA von Hausfrau zu Hausfrau variieren.

Das Köchepaar Martina Meuth und Bernd Neuner Duttenhofer, bekannt aus der WDR-Sendung „Kochen  mit Martina und Moritz“, hat dem Kartoffelsalat nun endlich das Denkmal gesetzt, das er schon lange verdient:  Für ihr reich bebildertes Buch „Ein Tag ohne Kartoffelsalat ist kulinarisch betrachtet ein verlorener Tag“ (Becker Joest Volk Verlag, 28 Euro) sammelten sie 100 Rezepte, die an Abwechslung kaum zu überbieten sind. Einige davon dürften selbst den Kartoffelfanatiker überraschen, so etwa der Bratkartoffelsalat.

Als wahrer Klassiker passt der Kartoffelsalat mit Speckstippe zu Bouletten, Braten und allem Gegrillten, geht aber auch mit frischem Bauernbrot als Hauptspeise durch. Ich habe mich dafür entschieden, weil er dem am nächsten kommt, was ich als Austauschschüler in Michigan von meiner Gastmutter, einer irischstämmigen Soccer Mum mit dem herrlichen Namen Dearbhla Redfearn, als „Warm German Potato Salad“ serviert bekam. 

Zutaten

  • 600 g festkochende Kartoffeln
  • 200 g geräucherter Bauchspeck
  • 1 scharfe Zwiebel
  • 1 schwach gehäufter EL Mehl
  • 250 ml Fleisch- oder Gemüsebrühe
  • Salz
  • schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • 2–3 EL guter Weinessig
  • 1 kleiner Bund Petersilie

Zubereitung

Die Kartoffeln in der Schale kochen, etwas abkühlen lassen. Inzwischen den Speck fein würfeln und in einer Pfanne anbraten. Zwiebel ebenso fein hacken und zufügen, sobald der Speck kross geworden ist. Gelb werden lassen, aber noch nicht knusprig braun rösten. Das Mehl darüberstreuen, alles gut vermischen und jetzt leicht bräunen.

Heiße Brühe angießen, glatt rühren und wenigstens 10 Minuten dicklich einkochen.

Währenddessen die Kartoffeln noch warm pellen und in dünne Scheiben (wir erinnern an den schwäbischen Spruch „Dicke Rädle, faules Mädle“) schneiden. Die Sauce mit wenig Salz korrigieren, mit Pfeffer würzen und mit Essig fein-säuerlich abschmecken.

Petersilie hacken. Mit der Sauce über die Kartoffeln geben, alles vorsichtig umwenden und lauwarm servieren.

Extra-Tipp

Man kann die Sauce natürlich mit etwas Senf (je nach Gusto und Bei-Essen nimmt man Dijon-, Löwen-, Delikatess- oder süßen Weißwurstsenf) oder einer Chilisauce schärfen und abrunden.