Nicht ohne meinen Kleinen: Domenick Lombardozzi und John Goodman als Halbweltgrößen mit Pinky-Ring in „The Gambler“, 2014.
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BerlinMänner und Schmuck – ein leidiges Thema. Meist sieht das Geschmeide für den Mann aus, als ob es der Herr der Ringe persönlich geschmiedet hätte: behämmertes Schwermetall, im schlimmsten Fall in folkloristisch-esoterische Form gebogen (Pentagramm! Kreuz! Totenkopf!), sodass der Träger jedes Mittelalterfestival im Umland zieren könnte. Männerschmuck wird in Deutschland in der Regel getragen wie das Pendant zum schmiedeeisernen Gartentor.

Schmuck für den deutschen Mann darf eines nie sein: verspielt, schon gar nicht feminin. Denn der preußische Herr, traditionell streng dem geistigen Beamtentum verpflichtet, schätzt eines überhaupt nicht: Schmuck um des Schmückens willen. Leider, denn Männlichkeit erhält ihren Reiz ja oft erst durch Ambivalenz, durch die kleinen Brüche und Risse in der Testosteron-Fassade. Man denke nur an Männer wie den 2016 verstorbenen Sänger Prince, dessen erotischer Magnetismus sich aus femininen Aspekten ebenso speiste wie aus seinem fast schmierigen Machismo: ein Macker in Stilettos, sexy, sinnlich, irgendwo zwischen Dragqueen und Don Corleone.

Wer hat, der hat: Monster-Pinky an der Hand des Mannes von Beyoncé, formerly known as Jay-Z.
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Von Prince zum deutschen Mann ist es aber echt ein langer Weg, und selten findet sich jemand, der Schmuck so selbstbewusst trägt. Wer sich dennoch dran wagen möchte, für den sei es in diesem Jahr unbedingt (mal wieder) der Pinky-Ring! Ein Begriff, den man hier selten hört und der den Ring für den kleinen Finger meint, für Frauen als auch für Männer. Wo genau der Pinky seinen Ursprung hat, ist nicht ganz klar, die diversesten Gruppen beanspruchen das Schmuckstück für sich. Der britische Hochadel trägt ihn ebenso wie der amerikanische Elitestudent und der verruchte Mafioso, allesamt schon immer stilbildend für den braven Bürger.

Ewig der Zweite, in Styling-Belangen allerdings schon längst der König: Prince Charles mit Pinky-Ring an der richtigen Hand, an der Seite die wohl richtige Frau.
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Der kleine Ring lenkt ganz locker-lässig das Augenmerk auf das unbedeutendste Glied der Hand und transportiert zudem eine ironische, der schuftenden Mittelklasse gänzlich zuwiderlaufende Botschaft: „Hey, ich habe genug Zeit und Muße, mich mit der Schmückung meines kleinen Fingers zu beschäftigen. Ehering oder Totenkopf-Biker-Totschläger für den Mittelfinger kann schließlich jeder.“ Der Pinky ist so ein Stil-Statement, das viel frischer, viel witziger daherkommt als anderer Schmuck. Und cooler ist als beispielsweise der Siegelring, der in den vergangenen Jahren nun wirklich jede Hipster-Hand beschwerte und als Signal ausgedient hat.

Der Preis ist hierbei eigentlich unmaßgeblich. Nur mindestens aus echtem Silber sollte der Pinky sein, denn alles andere sieht billig aus und würde dieses hübsche kleine Schmuckstück in seiner Bedeutung wieder relativieren. Billig steht niemandem, außer ganz jungen Menschen. Und denen steht ja ohnehin alles.