Pulsnitz - Den genauen Tag, an dem Frank-Walter Steinmeier die Pfefferküchlerei Löschner in Pulsnitz besuchte, weiß Martin Kotzsch nicht mehr. Aber daran, was der Bundespräsident kostete, erinnert er sich: „Nougatspitzen!“ Die haben sie an diesem Tag gebacken. Da ist sich der Juniorchef ganz sicher. Nicht extra für den hohen Besuch. In der Weihnachtszeit werden keine Ausnahmen gemacht, da wird produziert, was die Leute zum Fest wollen. Da stehen die Spezialisten der Bäckerzunft unter Hochdruck und ein wenig eigensinnig und stolz sind sie sowieso.

Seit 1558 werden in Pulsnitz Pfefferkuchen gebacken und dass sich ausgerechnet hier dieses Handwerk so gut entwickelte, dürfte mit der Lage nahe zweier Handelsstraßen zu tun haben: der Via Regia, die über Königsbrück und Görlitz nach Schlesien führte und der Böhmischen, die in Bautzen abzweigte und in Prag endete. Exotische Gewürze kamen auf diese Weise in die Stadt, die dem Gebäck das besondere Aroma und deren Sammelbegriff Pfeffer den Namen gab. Acht Pfefferküchlereien und eine Lebkuchenfabrik haben die Wirren der Zeiten überstanden – in einer Stadt, die gerade mal 8000 Einwohner hat. Sie trotzten den Versuchen in der DDR, sie zu einer Produktionsgenossenschaft zusammenzuschließen und retteten den Beruf des Pfefferküchlers, als dieser nach der Wende abgeschafft werden sollte. Seit 1998 gibt es ihn nun wieder.

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