Berlin/Uckermark - Diese Woche ist es kälter geworden. Zum ersten Mal seit 2019 haben wir über einen längeren Zeitraum Temperaturen, die man als winterlich bezeichnen kann. Auch wenn es noch nichts gegen die minus 22 Grad Celsius ist, die ich vor acht, zehn Jahren hier noch regelmäßig gemessen habe.

Jedenfalls Anlass genug, um zu schauen, was man jetzt noch schnell erledigen sollte im Garten. Und sich dabei (selbst-)kritisch zu fragen, welche der vielen Arbeiten, die gerade in Deutschland traditionell für den Winter angeraten werden, wirklich sinnvoll sind.

So habe ich meine Rosen mit Pferdemist angehäufelt. Das Anhäufeln, also Bedecken der bodennahen Rosentriebe mit Erde, hält die empfindliche Veredlungsstelle der Rosen vor kalten Winden und starkem Frost geschützt. (Der Mist entwickelt beim Verrotten zusätzlich Wärme.) Ich benutze seit einigen Jahren Pellets aus der Tüte, da es schwer ist, an gründlich verrotteten Pferdemist zu kommen. Bei dieser Gelegenheit lockere ich auch den Boden um die Rosen herum. Im Frühling wiederhole ich das noch einmal, arbeite dabei aber den Pferdemist sanft in die oberste Bodenschicht um die Rosenstöcke ein. Lockeren Boden bis in die Tiefe und freien Stand, also nicht bedrängt von anderen Gewächsen, das lieben Rosen.

Für gewisse Pflanzen wird von Experten empfohlen, die Blätter vor der Blüte zu entfernen. Meistens aus ästhetischen Gründen, so etwa bei den kleinen Elfenblumen. Die Blüten, die sich an zarten Stängeln entwickeln, werden ansonsten oft von den Blättern verdeckt. Ich setze die Epimedien, die hervorragende, teils immergrüne Bodendecker sind, hauptsächlich teppichartig ein, also en masse. Deshalb kann ich mich nie überwinden, ihre schönen Blätter zurückzuschneiden.

Bei den Lenzrosen (wie bei ihren jetzt blühenden Schwestern, den Christrosen) dagegen ist es sinnvoll, die Blätter abzuschneiden, am besten schon im Dezember oder Januar. Auch hier tut es mir um die riesigen und immergrünen Blätter leid. Aber meistens entwickeln die Helleboren (orientalis und niger) mit der Zeit die sogenannte Schwarzfleckenkrankheit, eine Pilzinfektion. Dagegen hilft eigentlich nur das gründliche Entfernen aller Blätter im Winter. Danach werden sie getrennt von allem anderen Gartenschnitt entsorgt; ansonsten verbreitet sich der Pilz über den Kompost immer weiter. Und jetzt die gute Nachricht: Wenn ich unter den befallenen Blättern beim Rückschnitt schon massenhaft Neuaustriebe entdecke, wird mir auch bei kühlen Temperaturen gleich ganz warm ums Herz.

Foto: Rainer Elstermann
Falls eine Pflanze wie hier der Helleborus von Schwarzfleckenkrankheit befallen ist ...
Foto: Rainer Elstermann
... hilft tatsächlich nur noch Herunterschneiden.

Wie wichtig es ist, Pflanzen erst im Februar zurückzuschneiden und nicht schon im Herbst, habe ich bereits des Öfteren erwähnt. Aber es gibt natürlich Ausnahmen: Überall da, wo bei mir Schneeglöckchen und Märzenbecher wachsen, schneide ich früher zurück. Sonst kann ich ihre Blüten, unter den hohen vertrockneten Samenstengeln verborgen, später im Jahr ja gar nicht richtig sehen.

Übrigens: Ist der Boden gefroren, ist der beste Zeitpunkt, um ihn zu betreten. Ich nutze also die kurzen Tage, indem ich an diversen Stellen schon zurückschneide. Auch in Beeten, in denen ich viele Geophyten beziehungsweise frühblühende Bodendecker wie Primeln gepflanzt habe. Warte ich zu lange, würde ich sie beim Schneiden nämlich zertreten. Das ist übrigens auch die goldene Regel für den Rückschnitt: Spätestens wenn die Zwiebeln kleine grüne Spitzen aus dem Boden schieben, muss man ran. Dafür empfiehlt sich ein frostiger Morgen nach einer kühlen Nacht, um nicht allzu viel Schaden anzurichten.

Foto: Rainer Elstermann
Und siehe da: Der Helleborus dankt es einem mit Neuaustrieb.

Überhaupt ist gefrorener Boden ein Freund des Gärtners, gerade wenn man, wie ich, auf schwerem und nassem Tonboden lebt. In einem Winter mit langen Perioden über null kann ich keinen Schritt (ob auf dem Rasen oder im Beet) im Garten machen, ohne ein paar Zentimeter einzusinken. Und den Boden damit ungut zu verdichten, indem ich die Luft rausquetsche. Also warte ich für derartige Arbeiten auf den Frost. Letzten Winter allerdings musste ich lange warten. Und gerade als ich dachte, jetzt muss es doch endlich kalt werden, kam schon wieder der Frühling und vieles Notwendige blieb liegen.

Nach Neujahr kontrolliere ich auch noch einmal, ob alle empfindlichen Pflanzen richtig geschützt sind. Meine Gunnera etwa, von deren Frostschutz ich an dieser Stelle unlängst erzählte, kann womöglich eine zusätzliche Schicht Laub vertragen. Und meine Agapanthus in Kübeln rücke ich nun an die Hauswand in eine windgeschützte Ecke; wird es noch kälter, kommen sie in den Schuppen, direkt an ein helles Fenster.

Foto: Rainer Elstermann
Ob Körner oder Brei, das Vogelfutter kann in ausrangierten Gefäßen im Garten verteilt werden.

Zu guter Letzt denke ich jetzt auch an unsere Freunde die Vögel. (Seitdem Boris Johnson ständig von „unseren Freunden in der EU“ spricht, hat diese Formulierung eine ironische Konnotation angenommen, aber ich meine das aus tiefstem Herzen). Meisenknödel & Co. sollen wir ja mittlerweile ganzjährig aufhängen, da unsere gefiederten Zeitgenossen oft generell nicht mehr genug Nahrung finden. Aber bei Frost und Schnee ist es wichtiger denn je. Ich selber koche gern eine Mischung aus Kokosfett, Haferflocken und Sämereien zu einem dicken Brei und lasse ihn in alten, nicht zu großen Töpfen erkalten. (Eine genaue Anleitung für die DIY-Herstellung von Vogelfutter findet man etwa beim Nabu).

Obwohl ich selber versuche, mir im Winter keinen zusätzlichen Hüftspeck anzulegen, gilt dies nicht für Vögel. Bei ihrem Futter kann man kalorienmäßig ruhig über die Stränge schlagen und seiner Leidenschaft für fettes Essen nach Herzenslaune nachgehen. Wie heißt es neuerdings immer wieder: Gärtnern ist das neue Kochen!


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