Paris-BerlinBereits als 15-Jährige startete Laetitia Casta, geboren in der Normandie und aufgewachsen auf Korsika, als Model durch. In der Ära der Supermodels wurde sie mit zahllosen Magazincovern zum Star, feierte Erfolge als „Victoria’s Secret“-Engel und stand für Größen wie Herb Ritts, Annie Leibovitz, Peter Lindbergh oder Mario Testino vor der Kamera. Yves Saint Laurent, Jean Paul Gaultier oder Christian Lacroix schätzten sie als Muse wie als Mensch. 

Ihren ersten Auftritt als Schauspielerin hatte die heute 42-Jährige vor mehr als zwanzig Jahren, als Blondine Falbala in „Asterix und Obelix gegen Caesar“ neben Gérard Depardieu. Im Biopic „Gainsbourg“ spielte sie Brigitte Bardot und wurde dafür für den César nominiert.

Mit der Mutter dreier Kinder, die seit 2017 mit ihrem Kollegen Louis Garrel verheiratet ist, konnten wir anlässlich ihres neuen Films „L' Homme fidèle“ sprechen, der am 5. November bei uns als „Ein Mann zum Verlieben“ exklusiv auf DVD erscheint.

Berliner Zeitung: Frau Casta, die Regie bei Ihrem neuen Film „Ein Mann zum Verlieben“ führte Ihr Ehemann und Kollege Louis Garrel. Wie eng waren Sie da in die Entstehung involviert?

Laetitia Casta: Eigentlich hatte ich nicht vor, mich über meine Rolle hinaus einzumischen, aber dann hat Louis mich doch ziemlich stark eingebunden. Wir haben uns ständig über das Drehbuch unterhalten, er hat mich nach meiner Meinung gefragt und manchmal sogar gebeten, ihm die verschiedenen Rollen vorzuspielen. Um zu sehen, wie die Dialoge gesprochen funktionieren.

Das Private und Berufliche voneinander getrennt zu halten, das war also nicht die Devise?

Nein, der Film war bei uns zu Hause omnipräsent. Aber so ist das nun mal, wenn man sich voller Leidenschaft einem künstlerischen Projekt widmet. Für ein paar Wochen kann ich das auch akzeptieren. Nur nicht als Dauerzustand.

War es denn seltsam, auf einmal den eigenen Ehemann als Regisseur zu haben?

Sagen wir so: Ich dachte eigentlich, dass ich Louis sehr gut kenne. Aber als ich am Set ankam, war er mir plötzlich unbekannt. Diese Seite an ihm hatte ich einfach noch nie erlebt. Genauso, wie er an mir neue Facetten entdeckt hat, nur weil er mich zum ersten Mal als Schauspielerin bei der Arbeit erlebte.

Der Trailer zum Film, der in Deutschland exklusiv auf DVD erscheint.

Video: Youtube

Er selbst beschreibt „Ein Mann zum Verlieben“ als einen Film über Menschen, die nicht über ihre Gefühle sprechen wollen. Fällt Ihnen persönlich das leicht?

Über meine Gefühle zu sprechen? Ja, das ist nichts, womit ich mich schwertue. Auch wenn ich meine eigenen Emotionen nicht immer verstehe. Aber ich sprudele nur so über vor Gefühlen – und muss die auch herauslassen. Wenn ich das nicht tue, geht es mir nicht gut. Vermutlich bin ich deswegen Schauspielerin geworden. Denn so kann ich alle diese Emotionen auch im Beruf nutzen.

Das klingt, als würden Sie neue Herausforderungen nicht scheuen, sondern suchen.

Es ist wichtig, im Leben immer wieder neue Dinge zu lernen. Ich töpfere zum Beispiel, das finde ich spannend. Und ich schreibe. Außerdem habe ich bereits einen Kurzfilm inszeniert, der vor ein paar Jahren beim Festival in Cannes lief, und eine Dokumentation. Mir ist es wichtig, Dinge für mich selbst zu tun und eigene Projekte umzusetzen. Ich habe keine Lust, immer nur auf andere zu warten.

Würden Sie gern auch mal selbst einen Spielfilm inszenieren, so wie Ihr Ehemann?

Es ist kein leichtes Unterfangen, einen Spielfilm auf die Beine zu stellen und umzusetzen. Man braucht nicht nur ein gutes Drehbuch, man muss auch das nötige Geld auftreiben. Das erfordert enorm viel Energie und einen langen Atem. Aber theoretisch wäre ich nicht abgeneigt. Bei meinem Kurzfilm habe ich gemerkt, wie sehr ich es genieße, andere Menschen zu beobachten statt selbst angeguckt zu werden.

Laetitia Casta in der Saint-Laurent-Kampagne Winter 2020, die Juergen Teller fotografierte. 
Foto: Juergen Teller/Courtesy Saint Laurent 

Angeguckt wurden Sie auch schon in Ihrer früheren Karriere als Model. Fiel Ihnen der Übergang zur Schauspielerei schwer?

Kein bisschen, denn Schauspielerin war das, was ich von Anfang an wirklich sein wollte. Seit ich als 12-Jährige auf der Straße von zwei Theatermachern angesprochen wurde, die nach Kindern für ein Projekt suchten. Sie gaben mir eine Rolle in ihrem Stück – und die Erfahrung, vor Publikum auf der Bühne zu stehen, ging mir durch Mark und Bein. Obwohl ich eigentlich fürchterlich schüchtern war.

Tatsächlich?

Oh ja, es war ganz schrecklich. Gleich am ersten Tag bei diesem Theaterprojekt wollte die Regie von uns Kindern, dass jeder ein Tier spielt. Ich habe mich vor all den anderen Kindern fürchterlich geschämt. Aber letztlich habe ich mich überwunden und einen Löwen gegeben. Nicht sonderlich gut sicherlich, aber ich habe es gemacht. Meine inneren Grenzen zu überwinden und mich selbst kreativ auszudrücken – das entfachte eine echte Leidenschaft in mir. Buchstäblich sogar, denn meine Wangen glühten rot vor Freude, als ich nach Hause kam. Seitdem wusste ich, dass die Schauspielerei mein Ding ist.

Als Model von Fotografen oder als Schauspielerin von Regisseuren inszeniert zu werden – gibt es da Parallelen?

Im Idealfall definitiv ja. Zumindest bei den großen Fotografen, den echten Ausnahme-Könnern. Herb Ritts zum Beispiel war jemand, der mich als 19-Jährige zu Hause anrief, um mit mir ein bevorstehendes Shooting zu besprechen. Er hatte für seine Models immer eine komplette Rolle im Kopf, hatte Referenzen zur Hand und wollte mit seinen Bildern eine Geschichte erzählen. Heutzutage scheint mir so etwas in der Modefotografie eher selten geworden zu sein. Wenn ich mich umgucke, was da größtenteils so produziert wird, ist das sehr austauschbar. Auch dank der digitalen Fotografie und Retuscheverfahren wie Photoshop. Ich kann kaum mehr Unterschiede zwischen den Fotografen erkennen; alles sieht gleich aus.

Muse und Mentor: Laetitia Casta 1998 mit Yves Saint Laurent.
Foto: Imago Images/Zuma Wire

Erinnern Sie sich noch an Ihr allererstes Cover?

Ich glaube, das war für die italienische „Glamour“, fotografiert hat es auf jeden Fall der Japaner Satoshi Saikusa. Der Grund, warum ich mich daran so gut erinnere, ist, dass ich bei diesem Shooting meinen ersten Kuss erlebte. Ich war 15 Jahre alt – und der erste Junge, den ich in meinem Leben küsste, war ein gleichaltriges Model. Plötzlich war ich wieder so schüchtern wie ein paar Jahre vorher, als ich den Löwen darstellen musste.

Hin und wieder sieht man Sie immer noch als Model, zuletzt etwa in der aktuellen Kampagne von Saint Laurent. Zu dieser Marke haben Sie einen besonderen Bezug, nicht wahr?

Ja, Yves Saint Laurent war einer der Designer, die mir in meiner Zeit als Model am nächsten standen. Ich weiß noch, wie er bei einer unserer ersten Begegnungen sagte, dass er Models nicht leiden konnte. Ich war geschockt und habe erst gar nicht begriffen, warum er so etwas zu mir sagt. Aber er wollte mir damit sagen, dass es ihm um innere Schönheit und Stärke geht. Bloß hübsch zu sein, das fand er uninteressant. Saint Laurent war es dann auch, der als erster meine Weiblichkeit herausstellte. Auf Fotos und auf dem Laufsteg, was auch Auswirkungen auf mein Leben hatte. Ich verdanke ihm viel.