Die Aster cordifolius „Little Carlow“ (Blaue Wald-Aster) im Duo mit altrosa Kerzenknöterich.
Foto: Rainer Elstermann

Berlin/UckermarkEs scheint wie ein letztes Auflodern der Natur, wenn sich im Herbst die Blätter an den Bäumen verfärben. Und auch Stauden und Gräser ändern ihre Farbe. Manche nur ganz subtil, vom sommerlichen Grün in ein schlichtes Graubraun zum Beispiel. Andere wiederum flackern farblich dramatisch auf.

Man sollte dieser Tage ganz genau schauen, welche Pflanzen sich in welcher Nuance in unserem Garten zeigen. Nun kann das Farbspiel für die nächste Saison optimiert werden, indem Stauden versetzt oder neu einpflanzt werden – wofür gerade jetzt (wie für die meisten Pflanzen) der beste Zeitpunkt ist. Wir verbringen nun, gerade in Zeiten von Corona, alle wieder mehr Zeit im Haus und deswegen sollten wir Pflanzen, die im Herbst wichtig sind, mit Bedacht platzieren. Damit man sie von da aus, wo man sich die meiste Zeit aufhält, gut sieht: aus dem Fenster heraus oder auf dem Weg vom Auto zur Haustür.

Herbstliche Farben können wir bei Stauden durch die späte Blüte einiger Sorten und durch das sich verfärbende Blattwerk gleich zweifach erleben. Rot, Beige, Braun und Schwarz, das sind die bis in den November vorherrschenden Töne im Garten. Deshalb ist es gut, dass es viele spät blühende Astern in apart dazu kontrastierenden Blautönen gibt.

Die wichtigste für mich als Gartengestalter ist sicherlich die Waldaster (Aster cordifolius „Little Carlow“), die von August bis Oktober auch meinen eigenen Garten in ein sanftes Hellblau-Violett hüllt. Keine andere harmoniert so sehr mit den Erd- und Rosttönen des Herbstes. Als Waldaster verträgt sie Vollsonne, kann aber auch in lichtem Schatten größerer Gehölze gepflanzt werden. Am besten solcher, die sich dramatisch verfärben.

Standhaft: Gegen die optische Verflachung des Gartenpanoramas im Herbst helfen Gräser, die für Höhenunterschiede und Bewegung sorgen.
Foto: Rainer Elstermann

Noch später und heller blaublühend ist die Tatarenaster (Aster tataricus „Jindai“). Ihre Blätter behalten ihr frisches Grün lange bei. Sie ist zudem eine hervorragende Strukturpflanze, die auch jetzt noch kerzengerade dasteht. Von Mitte Oktober bis weit in den November hinein öffnet sie ihre Blüten. Wenn viele Pflanzen beginnen, in sich zusammenzufallen, versteht man, weshalb Strukturpflanzen zu dieser Zeit so wichtig sind. Man sehnt sich geradezu nach aufrechtem Wuchs und Gewächsen, die Herbststürmen widerstehen können.

Die meisten Herbstastern bereichern zwar die gleichnamige Jahreszeit farblich am stärksten, sind jedoch keine Strukturpflanzen. Bei mir liegen die langstieligen oft am Boden oder hängen büschelweise über andere Pflanzen rüber. „Lass sie nur“, denke ich dann, „gleich lege ich mich auch so gemütlich auf ein Sofa, mit einem Buch in der Hand und einer Tasse Tee.“ (Leider kommt es dazu nur selten.)

Und genau deswegen sind die Strukturgeber so enorm wichtig: Sie gleichen Areale aus, auf denen ihre nicht ganz so standfesten Artgenossen wachsen. Wenn der überwiegende Teil der Pflanzen im Garten noch steht und starke vertikale Linien bildet, dann macht es nichts, wenn einige Pflanzen dazwischen bereits am Boden liegen. Der Anteil, den Gartenprofis den Strukturpflanzen innerhalb einer Bepflanzung zuweisen, variiert, liegt aber meistens bei 60 bis 70 Prozent. Wenn man das berücksichtigt, sieht der Garten ab August nicht „ermüdet“ aus, und im Oktober nicht „schwer“ und „irgendwie verlebt“.

Dass auch Gräser Struktur verleihen, habe ich in meiner Kolumne an anderer Stelle schon mehrmals erwähnt, aber Themen wie Struktur oder Kontur werden in den nächsten Wochen hier bestimmt noch öfter auftauchen. Zwischen die wunderbar gerade stehenden Gräser kann man sehr gut Stauden setzen. Sie verhalten sich im Herbst zwar etwas entspannter und legen sich auch gern nieder, im Frühsommer sorgen sie jedoch für mehr optische Stabilität im Garten.

Kaskade der Lilatöne: Aster „Alma Pötschke“, Aster „Violetta“ und Aster „Little Carlow“ (v. links).
Foto: Rainer Elstermann

Glücklicherweise eignen sich einige dieser Stauden ganz besonders für Berlin und Brandenburg. Sie wachsen nämlich gerne am Waldesrand unter Kiefern und tolerieren leichten, sandigen Boden. Eine Pflanzengruppe, auf die das ganz besonders zutrifft und deren Vorzüge ich nicht genug loben kann, sind die Amsonien. In meinem Lieblingsbuch zum Thema, „Die Freiland-Schmuckstauden“ von Jelitto, Schacht und Simon aus dem Ulmer Verlag, steht über die Amsonia: „Sie wächst in lichten Wäldern mit Sandböden.“ Wie schön würden diese in Nordamerika beheimateten Stauden wohl in einem brandenburgischen Kiefernwald aussehen!

Die wichtigsten Sorten sind Amsonia hubrichtii und Amsonia tabernaemontana. Sie wachsen sehr buschig, erstere mit besonders spektakulärer gelblicher Herbstfarbe. Im Frühsommer tragen beide viele blaue Blüten. Von letzterer gibt es eine kleine Variante (A. tabernaemontana „Blue Ice“), die sich hervorragend für den Beetvordergrund eignet. Eine weitere Staude wächst in lichten Wäldern, auch wenn sie es gerne etwas feuchter mag: Gillenia trifoliata, die Dreiblattspiere. Sie färbt sich im Herbst orangebraun bis dunkelrot, im Frühsommer trägt sie unzählige weiße, sternenförmige Blüten.

Im oben genannten Buch der „Freiland-Schmuckstauden“ wird sie als wichtige Strukturstaude bezeichnet, die „im lichten Waldland“ am Naturstandort steht. Weiter heißt es im Text: „Im Garten des Autors erreicht sie selbst auf sommertrockenem, humosem Sandboden, bei relativ sonnigem Standort, Höhen von deutlich über 1 Meter.“ Der Satz gilt nicht nicht nur für jenen Autor, sondern auch für diesen, zu dessen Lieblingspflanzen die Dreiblattspiere unbedingt gehört.


Gartengestalter Rainer Elstermann auf Instagram: https://www.instagram.com/neuelandschaftsgestaltung