Als ich vierzehn Jahre alt war und die Mauer noch stand, blätterte ich manchmal in einem Stadtplan von Berlin, den West-Freunde meiner Eltern bei einem Besuch bei uns in Karlshorst vergessen hatten. Dieser Stadtplan roch nach frischem, gutem West-Papier, er war in sehr bunten Farben gezeichnet, aber das Tollste war natürlich, dass die ganze Stadt auf ihm zu sehen war. Ich reiste mit dem Finger den Kurfürstendamm entlang, bis nach Kreuzberg, dessen Straßen und Plätze ich nur aus den Ton-Steine-Scherben-Songs kannte. Von dort aus ging es dann weiter Richtung Osten, bis zur Mauer, hinter der die Straßen lagen, die ich kannte.

Wenn ich von diesen Reisen zurückkehrte und meinen Stadtplan zuklappte, schwappte die Sehnsucht wie süße Säure durch meinen Körper und brannte sogar noch stärker als beim Anblick der bezaubernden Jeannette Geißler, die in der Schule zwei Bänke vor mir saß.

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