BerlinVor einer Woche fragte ich meine Töchter: „Na, ihr kleinen Pupsbacken, was wünscht ihr euch denn vom Weihnachtsmann?“ Anais und Nadja sahen mich strafend an. Ich dachte erst, meine saloppe Anrede hätte ihnen nicht gefallen, wegen Gender/Paternalismus/Achtsamkeit und so. Aber darum ging es nicht, jedenfalls nicht in diesem Moment. Anais (die gerade Politikwissenschaften studiert) sagte: „Konsum tötet, denk' da mal drüber nach, Papa!“ Nadja (die sich gerade auf ihr Medizinstudium vorbereitet) sagte: „Jeder Kauf, ob im Internet oder im Laden, erzeugt unnötige Personenkontakte, die eine Pandemiebekämpfung erschweren, denk' da mal drüber nach, Papa!“

Okay, ich habe darüber nachgedacht und kam zu dem Schluss, dass ich mit zwei ziemlichen Spaßbremsen unter einem Dach lebe. Ich meine, wie kann es denn sein, dass meine Töchter (der Balsam meiner Seele) so übertrieben vernünftig geworden sind? Sie trinken kaum Alkohol, haben seit Jahren einen festen Freund, ernähren sich mehr oder weniger vegan, fliegen nicht mit dem Flugzeug. Und kritisieren mich, weil ich abends gerne ein halbes Fläschchen Rotwein trinke, weil ich Hackfleisch immer noch für eine der größten Errungenschaften der Menschheit halte und das Flugzeug als Transportmittel noch nicht völlig abgeschrieben habe.

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