In unserem Wochenendhaus arbeiten gerade zwei Maurer. Sie reparieren eine Feldsteinwand, die mit den Jahren bröckelig geworden ist, weil der Regen die Fugen auswusch, der Frost den Granit spaltete, wilde Bienen es sich in den Löchern bequem machten und ganze Schwalbenfamilien und Mäusedynastien ihre Nester und Gänge in den unendlichen Kalkmörtel-Labyrinthen einrichteten. Es ist eine herrliche Mauer, aus runden Steinen groß wie Kinderköpfe, die irgendwann mal im ewigen Eis aus dem fernen Schweden nach Brandenburg gereist sind.

Ich bin (das haben Sie, liebe Leser, vielleicht schon bemerkt) ein bisschen verliebt in diese Mauer. Ich finde es magisch, dass diese Millionen Jahre alten Steine in diesem mehr als zweihundert Jahre alten Haus stecken, das ich (wenn ich Glück habe) so um die vierzig Jahre bewohnen werde. Diese Mauer war schon da, als nicht mal meine Großeltern geboren waren. Und sie wird noch da stehen, wenn ich schon längst nicht mehr stehen kann. Das finde ich beeindruckend, das berührt mich, und davon erzählte ich den Maurern während eines kleinen Schwatzes, woraufhin mich die beiden ansahen wie einen Dorftrottel. Ich sagte: „Das ist doch für Sie bestimmt auch ganz toll, in so einem alten Haus zu arbeiten, oder?“ Der jüngere Maurer sagte: „Nö.“ Der ältere Maurer hatte gar nicht zugehört.

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