Berlin - Als Jugendlicher wohnte ich in einem Land, das hieß DDR. Manchmal aß ich dort Zigeunersoße. Dabei dachte ich, und das ist kein Witz, folgendes: Wenn man Zigeunersoße isst, verhält man sich antirassistisch. Denn ein Nazi wird ja wohl kaum Zigeunersoße essen, er wird das aus rassistischen Gründen ablehnen und lieber eine sehr deutsche Soße essen. Vielleicht Dillsoße. Gleiches dachte ich übrigens auch vom Negerkuss. Ich fühlte mich als ostdeutscher Zigeunersoßen- und Negerkuss-Esser in den 80er Jahre quasi wie die identitätspolitische Linke von heute: Ganz weit vorn im Kampf um eine bessere Welt.

In den vergangenen Tagen habe ich unzählige Artikel über Zigeunersoße gelesen. Der gesamte deutsche Journalismus war im Zigeunersoßen-Rausch. Eigentlich fehlte nur noch ein ZDF-Spezial: „Zigeunersoße“. Anlass war eine WDR-Sendung, in der vier deutsche, weiße Prominente, unter anderem Thomas Gottschalk, über die Frage sinnierten: „Das Ende der Zigeunersauce: Ein notwendiger Schritt?“

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