Bei solchem Wetter gärtnern wir schon mal auf dem Sofa vor.
Foto: Imago Images/Photocase

Die englische Klassikerin

Vita Sackville-West war die First Lady des britischen Gardening. Sie war nicht nur eng mit Virginia Woolf befreundet (und Vorbild für die Hauptfigur in deren Roman „Orlando“), sondern auch eine begnadete Gartengestalterin.

Bis heute pilgern Fans aus aller Welt zu ihrem Anwesen Sissinghurst in der Grafschaft Kent. Für den Observer beschrieb sie 25 Jahre lang, von 1946 bis 1961, was sie in ihrem Park tat und warum. Diese Texte gehören zum Lesenswertesten, was je über Pflanzen und ihre Betreuung verfasst wurde. In denen über die dunkle Jahreszeit plaudert sie ebenso lässig wie kundig über Kompost, Mist und Kalk (im Boden) wie über die zarten Blüten des Winterjasmin, über exotische Gehölze in britischem Klima oder über die Vorzüge dieser oder jener Blattform.

Sackville-Wests Ansichten über Wildpflanzen im Garten oder dicke Laubschichten auf Beeten sind bemerkenswert zeitgenössisch beziehungsweise naturnah, andererseits ist ihr Buch auch eine Fundgrube für extravagante Pflanztipps. Und wer sich je fragte, was Menschen vor dem globalisierten, komplett saisonunabhängigen Blumenhandel in die Vasen stellten, erfährt es hier.

Vita Sackville-West: Mein Wintergarten

Aus dem Englischen von Gabriele Haefs. Mit farbigen Illustrationen von Pierre-Joseph Redouté. Insel, Berlin 2019. 127 Seiten, 11 Euro.


Die junge deutsche Praktikerin

Ein winterlicher Garten lebt von seiner Struktur, also von seinen Hecken, Gehölzgruppen und Solitären. Außerdem von den Formen der Beete und Pflanzen, von Texturen und Farben der Blätter, Halme, Rinde und Äste, von bunten Früchten, markanten Samenständen und von den wenigen kostbaren Blüten.

Natürlich ist all das neben dem Blattgrün im Frühling und Sommer auch wichtig, aber im Spätherbst und Winter ist ein Garten aufs Wesentliche konzentriert. Manches (etwa Rindenfarbe oder Astform) tritt so in den Vordergrund, manches (Früchte und trockene Samenstände) gibt es in der warmen Jahreszeit kaum.

Einen üppig bebilderten Überblick über diese Gestaltungselemente gibt Iris Ney in ihrem Buch. Sie informiert gründlich und vergisst dabei nicht die Wettereinflüsse, also den Reiz von funkelnden Regentropfen, glitzerndem Raureif, sich im Wind wiegender Gräser. Das Einzige, was ein bisschen fehlt, sind Ratschläge zum Garten als winterliches Biotop.

Hier liegt der Schwerpunkt, ganz klar, auf der Ästhetik: Mit ansteckendem Enthusiasmus lenkt Ney den Blick auf Vorzüge und Möglichkeiten, die Hobbygärtner oft übersehen. In einem prallen Serviceteil versorgt sie uns mit Pflanz- und Weiterlesetipps, Bezugsquellen und Namen sehenswerter Gärten. Nach der Lektüre möchte man raus aus dem Lesesessel.

Iris Ney: Lebendige Gärten im Winter

Ulmer, Stuttgart 2019, 160 Seiten, um 25 Euro.