BerlinVermutlich esse ich zu gern und tanze zu schlecht, weshalb ich nie so richtig zu den Fans von Clärchens Ballhaus zählte. Anders als viele Berliner, die das Tanzlokal durch ihr Leben begleitete, war ich nicht besonders häufig da. Ein paar Mal zu Geburtstagen, einmal zu einer Hochzeit. Zwei-, dreimal privat. Immer war das Essen maximal mittelmäßig, die Stimmung aber prächtig. Ich schätze, der Deal mit der Küche war über die letzten hundert Jahre immer klar: Solange die Ballhaus-Band so spielt, dass die Leute vom Tisch aufstehen und tanzen, ist das Essen auf den Tellern sekundär. Hauptsache, es macht satt. Und durstig. Selbst ich kann mit so einem kulinarischen Erwartungsmanagement leben.

Kurz bevor Clärchens Ballhaus an seinen neuen Besitzer Yoram Roth übergeben wurde, buchte ich noch einmal einen Tisch mit meinen Freundinnen. Ich aß einen vertrockneten Kabeljau mit nach Tiefkühlkost schmeckendem Gemüse, tanzte zu „Volare“ und war mir sicher: Diesmal würde dieses Stück Altes Berlin nicht überleben. Oder zumindest nach der Übernahme durch den Investor seinen magischen Charme verlieren. Schick, aber seelenlos – davon gibt es in Berlin leider genug Beispiele.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.