Qianlong und seine Herrschaft markierten den Höhepunkt der Qing-Dynastie – die Epoche von seiner Thronbesteigung im Jahr 1735 bis zum Ende des Jahrhunderts gilt als das Goldene Zeitalter der chinesischen Zivilisation. Der Kaiser förderte Kunst, Kultur und Wissenschaft und betätigte sich selbst als Dichter, Maler und Meister der Kalligraphie.

Platz als Staubfänger

Auch die Keramikkunst fand unter Quianlong zu höchster Blüte. Porzellan im Qianlong-Stil gehört heute zu den Schätzen der Menschheit. Um es herzustellen, beschäftigte der Kaiser zahllose Künstler in eigenen Palastwerkstätten, mit dem Ziel, sein Ansehen zu vermehren und natürlich, um seine eigene Sammlung zu erweitern.

Eben dieser entsprang, wie sich kürzlich herausstellte, eine Vase, die ein britischer Chirurg in den 80er-Jahren erwarb – für ein paar Hundert Pfund und ohne zu ahnen, um was für einen Schatz es sich handelte. Sie fand einen Platz als Staubfänger im Haus des Arztes in den Midlands, der das Artefakt wiederum seinem Sohn vererbte, in dessen Küche es über Jahre ebenfalls mehr oder weniger unbeachtet herumstand.

Es war ein befreundeter Antiquitätenkenner namens Mark Newstead, der die Vase dort entdeckte – und schließlich ihrem wahren Wert auf die Spur kam: „Ich war mit meiner Frau zum Essen da, und dann sah ich zu meinem Erstaunen diese Vase in der Küche und meinte: ,Ich glaube, die könnte wertvoll sein‘“, erzählte Newstead dem Guardian.

Wie wertvoll, erwies sich freilich erst, als Newstead, der für das Auktionshaus Dreweatts arbeitet, das Stück einer genaueren Begutachtung unterzog: 60 Zentimeter hoch, mit Emaillemalereien in Gold und Silber auf kobaltblauem Grund, trägt sie auf der Unterseite das sechsteilige Signatursiegel des Qianlong-Kaisers. Die außergewöhnliche Qualität sowie der Umstand, dass kein weiteres Exemplar bekannt ist, es sich also um ein Einzelstück handelte, legte überdies den Schluss nah, dass die Preziose einen exponierten Platz in der Sammlung des Kaisers einnahm – respektive in dessen Palast.

Versteigert für 1,5 Millionen Pfund

„Ein Wahnsinnsfund“, schwärmt Mark Newstead, der sein Glück ebenso wenig fassen kann wie die Kollegen bei Dreweatts, einem kleinen Auktionshaus in Newbury, Berkshire. Der chinesische Begriff für Vasen diese Art lautet übrigens tianqiuping, übersetzt etwa „Himmlische Kugelvase“; die Form basiert auf der chinesischen Ikonografie, in der der Himmel eine Kugel ist.

Die Kraniche darauf waren im alten China Symbole für ein langes Leben, Weisheit, das Alter sowie die Beziehung zwischen Vater und Sohn. Zudem glaubte man, dass sich taoistische Priester nach ihrem Tod in gefiederte Kraniche verwandeln, oder dass die Seelen der Verstorbenen auf dem Rücken von Kranichen zum Himmel getragen würden.

Dreweatts schätzte den Wert der Vase gleichwohl zunächst vorsichtig auf lediglich 150.000 Pfund. Doch als sie nun zur Versteigerung kam, fiel der Hammer bei sage und schreibe 1,5 Millionen Pfund. Der Käufer, der wie üblich ungenannt bleiben will, habe via Telefon aus der Ferne an der Auktion teilgenommen.

Mark Newstead kann sich auf alle Fälle über ein „fabelhaftes Resultat“ freuen – auch wenn er natürlich weiß: „So etwas passiert dir nur einmal im Leben“.