Marni für die Massen: Wo es in Berlin jetzt günstige Designermode gibt

Die italienische Luxusmarke Marni und der japanische Modehändler Uniqlo finden sich für eine Kollektion zusammen: ein Gespräch mit Designer Francesco Risso.

Gestreift und gut aufgelegt: die erhebenden, humorvollen Entwürfe von Francesco Risso für Uniqlo.
Gestreift und gut aufgelegt: die erhebenden, humorvollen Entwürfe von Francesco Risso für Uniqlo.Uniqlo

Wie viele Schritte sind es vom KaDeWe bis zum Uniqlo-Store auf dem Tauentzien? Gerade 100, 150 vielleicht? Und trotzdem scheinen zwischen dem Nobelkaufhaus und dem großen Modehändler Welten zu liegen. Könnte man zumindest meinen.

Am Donnerstag (1. Dezember) jedenfalls rücken die beiden Pole – der elitäre Luxus hier, die erschwingliche Mode dort – ein gutes Stückchen näher zusammen. Dann nämlich wird es Designs von Francesco Risso in beiden Geschäften geben: Der Chefdesigner der Marke Marni, die es unter anderem im KaDeWe zu kaufen gibt, hat im Namen des italienischen Labels eine Kollektion für Japans größten Modehändler entworfen, von dem es heißt, dass rund 90 Prozent der Japanerinnen und Japaner jeden Tag mindestens ein Teil des Sortiments am Körper tragen. „Uniqlo and Marni“ ist die Kollektion überschrieben.

Mittlerweile sind solche Designerkooperationen für große Modehändler ein gängiges Muster geworden. Und ein überaus lukratives Geschäft sowieso. 2004 war Karl Lagerfeld einer der Ersten, der mit so einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit Aufmerksamkeit erregte. Der Meister hatte eine Kollektion für H&M entworfen, ausgerechnet für einen Massenhersteller – Lagerfeld für alle. Bei der schwedischen Kette sollten ihm viele weitere Designerinnen und Designer folgen, darunter Donatella Versace, Isabel Marant oder Alexander Wang.

In Großbritannien wiederum hat Jonathan Anderson 2012 für die Handelskette Topshop entworfen; beim Discounter Target in den USA gab es 2016 Modeteile „designed by Victoria Beckham“. Und auch Uniqlo arbeitet immer wieder auf verschiedene Weisen mit großen Namen der Branche zusammen, mit Christophe Lemaire zum Beispiel oder mit Jil Sander. Und eben mit der Marke Marni und ihrem Kreativchef Francesco Risso.

Hat so gar keine Angst vor starken Farben: Designer Francesco Risso.
Hat so gar keine Angst vor starken Farben: Designer Francesco Risso.Uniqlo

Es ist die zweite Kollektion, die gemeinsam entstanden ist. Am Donnerstag kommt sie weltweit in die Uniqlo-Geschäfte, von denen es in Japan Hunderte, in Deutschland immerhin zehn gibt; sechs davon allein in Berlin. Nach einer überaus erfolgreichen ersten Runde – Rissos vorige Kollektion für Uniqlo war vor einigen Monaten schnell vergriffen – wurde die neue „Uniqlo and Marni“-Kollektion vor einigen Tagen in Berlin und parallel in London vorgestellt.

Für Berlin hatte man als Gastgeber Sissi Pohle und Patrick Scherzer verpflichten können, die den Vintage-Showroom outofuseberlin in Prenzlauer Berg führen und eng mit dem Label Marni verbunden sind; in London zeigte Francesco Risso höchstpersönlich, was er sich für den japanischen Händler ausgedacht hat: Etwa 25 Entwürfe, krachbunt und wild gemustert, ganz dem erhebenden Stil des Italieners entsprechend; die Preise liegen zwischen 24,90 Euro für kleine Accessoires und 199,90 Euro für große Mäntel. Wir haben Risso in London getroffen und gefragt, wie die Arbeit für ein breiteres, ein größeres Publikum ist.

Bringen Farbe in den Alltag und halten warm: Socken mit der „Heattech“-Technolgie des Händlers Uniqlo.
Bringen Farbe in den Alltag und halten warm: Socken mit der „Heattech“-Technolgie des Händlers Uniqlo.Uniqlo

Herr Risso, an Ihre erste Kollektion für Uniqlo vor ein paar Wochen habe ich nicht nur gute Erinnerungen.

Warum das?

Weil ich sowohl in Berlin als auch in Amsterdam in mehreren Uniqlo-Läden war und keines der Teile mehr bekommen habe.

Sie werden es mir kaum glauben, aber ich hatte dasselbe Problem. Ich wollte ein Geschenk für meine Schwester kaufen, aber da war es im Geschäft schon längst vergriffen. Also musste ich eine persönliche Bestellung machen. Was kein großes Problem war (lacht).

Hat Sie der große Erfolg Ihrer ersten Kollektion für Uniqlo bei dem Entwerfen der zweiten Kollektion beflügelt oder eher unter Druck gesetzt, diesen Triumph zu wiederholen?

Er war für mich vor allem eine schöne Überraschung. Gerade zu sehen, wie die Menschen mit dieser Kollektion umgegangen sind. Auf eine sehr spontane, expressive Weise nämlich. Ich bin auf der Straße Leuten begegnet, die meine Uniqlo-Teile so spannend und vielseitig kombiniert haben, dass mich das durchaus für die neue Kollektion inspiriert hat. Ich wollte diesen Expressionismus mit spannenden Entwürfen unterstützen, die gut miteinander kombinierbar sind.

Sind eng mit der Marke Marni verbunden: Sissi Pohle und Patrick Scherzer.
Sind eng mit der Marke Marni verbunden: Sissi Pohle und Patrick Scherzer.Uniqlo

Ist es gerade das – dieses Erleben der eigenen Designs auf der Straße –, was die Arbeit für einen großen globalen Modehändler spannend macht?

Natürlich kann man im Fall von Uniqlo viel schneller und deutlicher wahrnehmen, wie die Menschen mit den Designs umgehen. Wie sie darauf reagieren. Ich sehe zwar auch häufig meine Marni-Entwürfe auf der Straße. Aber das ist dann mal ein einzelnes Kleid, dann wieder ein einzelnes T-Shirt. Bei meiner Kollektion für Uniqlo war sehr spannend zu sehen, wie die Menschen viele unterschiedliche Teile miteinander kommunizieren lassen haben: ein Parka mit Blumen-Design über dem gestreiften Kleid, dazu noch ein anderes gemustertes Hemd.

Ein Eklektizismus, den Sie auch mit Ihrer Arbeit für Marni fokussieren.

Das stimmt. Für Uniqlo wollte ich eigentlich ein bisschen vorsichtiger sein, ein bisschen reduzierter. Aber auf der Straße habe ich ja dann gesehen, dass das völlig unnötig ist. Die Leute haben mir gezeigt, dass sie wirklich Spaß an der Mode hatten, was nicht mehr oft vorkommt. Besonders in diesen harten Zeiten, dieser harschen Welt nicht mehr.

Sind gerade diese irritierenden, schwierigen Zeiten genau die richtigen für Ihre lebensbejahende, humorvolle Mode?

Das hoffe ich doch! Ich liebe es, mit den Emotionen zu spielen, mit den Sinnen, der Bewegung. Mit dem Lebendigen. Das ist meine Leidenschaft, und die prägt meine Arbeit bei Marni genauso wie jede Kooperation, auf die ich mich einlasse.

Lässt sich alles hervorragend kombinieren: Risso möchte Kundinnen und Kunden zum wilden Mix animieren.
Lässt sich alles hervorragend kombinieren: Risso möchte Kundinnen und Kunden zum wilden Mix animieren.Uniqlo

Mussten Sie diesen expressiven Stil für Uniqlo ein bisschen runterbrechen, da sich diese Kollektion ja an eine viel größere Öffentlichkeit richtet als Ihre Linien bei Marni?

Nein, beschränken musste ich mich lediglich, was die Materialauswahl und die Zeit angeht. Diese Kollektion ist in relativ kurzer Zeit entstanden, deswegen ist sie ein bisschen kompakter: ungefähr 25 Teile, die aber in vielen Farbvariationen.

Und war das eine Herausforderung für Sie?

Sicherlich. Allerdings versuche ich ohnehin seit einigen Jahren, Kollektionen kompakter und kleiner zu halten. Ich finde das sehr zeitgemäß. Schließlich tendiert die Modeindustrie zur Überproduktion – auch, was Ideen angeht. Ich glaube, in dieser Welt, die so voll ist von Reizen und Stimulationen, tut ein bisschen Klarheit und Reduktion gut. Die besten Ideen sind die einfachsten. Und gleichzeitig die schwierigsten.

Weiche Angelegenheit: der überlange gestreifte Schal aus Kaschmir.
Weiche Angelegenheit: der überlange gestreifte Schal aus Kaschmir.Uniqlo

Gibt es ein Teil der neuen Kollektion, das Ihnen besonders gefällt?

Für mich ist es die Kombination zweier Teile: Die große Pufferjacke, die wie ein Panzer, ein Schutzschild wirkt, und dazu ein sehr körpernahes Oberteil, hinter dem Uniqlos „Heattech“ steckt, eine Technik, die jener von Thermounterwäsche entspricht.

Auch das passt ja gut in unsere Krisenzeit. Haben Sie sich auf extrawärmende Kleidung konzentriert, damit Ihre Kundinnen und Kunden ihre Wohnungen nicht mehr so aufheizen müssen?

(Lacht) Darüber habe ich nicht eine Sekunde nachgedacht, ehrlich. Mir ging es eher um die grundsätzliche Frage, wie diese Teile, die ja eigentlich drunter getragen werden, zu einem echten Protagonisten werden können, zur Oberbekleidung. Wenn sie dann in diesen Zeiten auch noch warm halten – umso besser.