Trockene Schönheit: der Plauderplatz im uckermärkischen Garten unseres Kolumnisten. Auch unter den wogenden Pflanzen liegt hier Kies.
Foto: Rainer Elstermann

Berlin/UckermarkSchon zu Zeiten Friedrichs des Großen wurde die Mark Brandenburg „Sandbüchse“ genannt. Der Name sagt bereits alles über den Zustand der hiesigen Böden: meistens sandig. Es gibt Ausnahmen, ich selber gärtnere zum Beispiel auf sehr schwerem Ton, aber vorherrschend ist doch leichter Sandboden. In Zeiten verringerten Niederschlages oder zumindest selteneren, dafür umso heftigeren Regens ist das eine besondere Herausforderung. Das ist die schlechte Nachricht.

Die gute ist, dass es Maßnahmen gibt, um es den Pflanzen etwas leichter zu machen. Und dass Pflanzen, die auf mageren, trockenen Böden gern wachsen, besonders blühfreudig und standfest sind – und nicht besonders pflegeintensiv. Die meisten Unkräuter (oder Nebenkräuter, wie sie inzwischen politically correct heißen) lassen sich aus solchen Böden leicht entfernen. Sind die Pflanzen erst einmal eingewachsen, kann man sie meistens sich selbst überlassen.

Vorbereitung der Böden ist in „Sandbüchsen“ alles. Es gibt diverse Methoden, ich beschränke mich hier auf meine eigenen. So habe ich vor einigen Jahren damit begonnen, in Kies (Kieselsteine der Körnung 2 – 8 oder 8 – 16 mm) zu pflanzen. Ich bringe eine fünf bis zehn Zentimeter dicke Kiesschicht auf und vermische sie zu gleichen Teilen mit dem vorhandenen Boden. Dazu noch Kompost oder sonstige organische Bodenverbesserer, etwa auf Algenbasis. Auch Bentonit (kleine Tonpartikel) zur besseren Wasserbindung kann helfen. Aber bitte nur sparsam einsetzen: Ich selbst habe mit zuviel Bentonit auf Sandboden schon so etwas wie Mörtel hergestellt. Was ich erst bei dem Versuch bemerkte, eine Pflanze umzusetzen – ich benötigte schlussendlich eine Spitzhacke. Den Pflanzen schien es erstaunlicherweise nichts auszumachen.

Mediterranes in Brandenburg: Nicht nur wir Menschen, auch Fluginsekten sind angezogen von der lila Blütenpracht der Salvia Amethyst.
Foto: Rainer Elstermann

Dann pflanze ich die Stauden so, dass sie zur Hälfte bis zu einem Drittel aus dem Boden schauen und bringe eine weitere Schicht Kies auf, die den Boden komplett abdeckt. Die Pflanzen so dicht setzen, dass sie den Boden möglichst schnell aus dem Blick nehmen. Berühmtestes Beispiel dafür ist der „Gravel Garden“ der 2018 verstorbenen Gartendesignerin Beth Chatto in Essex. Daran sieht man, dass so ein Kiesgarten nichts zu tun hat mit den zu Recht stark kritisierten „Vorgärten“ in deutschen Landen, also einer öden Kiesfläche mit ein paar grünen Büscheln. Auf weißen oder kaltgrauen Kies aus dem Baumarkt sollte man verzichten, sondern lieber beim regionalen Kieswerk kaufen. Deren Steinchen sind eher braun-rosa-grau und passen gut in die Landschaft.

Beth Chatto, deren Garten in der niederschlagärmsten Region Englands liegt, legte 1991 auf dem ehemaligen Parkplatz daneben einen Kiesgarten an, der seitdem niemals gewässert werden musste und doch eine blühende Wunderwelt ist. Kies (oder Schotter, den man auch verwenden kann) hat nämlich zwei gute Eigenschaften: Erstens ist er wasserdurchlässig und verhindert Staunässe in den Böden. Das ist wichtig bei den Pflanzen, die man für einen solchen Standort verwendet, da dies ihre Haupttodesursache im Winter ist. Zum anderen bindet er Feuchtigkeit, wie all jene wissen, die mal an einem heißen Tag in Südfrankreich etwas Kies verschoben und sich gewundert haben, dass er schon einen Zentimeter tiefer dunkel und feucht war. Pflanzen lieben das.

Echinacea gilt den Indianern als Wundermittel der Wundheilung. In unseren Breitengraden erfreut sie Hummeln wie Ästheten.
Foto: Rainer Elstermann

Tatsächlich ist, nach neueren Untersuchungen, eine Abdeckung des Bodens mit einem nichtorganischen Material die beste Methode, um wucherndes Unkraut und Austrocknen des Bodens zu verhindern. In mediterranen Ländern wachsen eine Menge Pflanzen in Schotter oder Mauerritzen, auf Felsen und Steinen. Dies gibt Aufschluss über die Pflanzen, die wir am besten an einem solchen Standort verwenden: alles, was auch im Süden wächst und ausreichend winterhart für unsere Breiten ist.

Dazu gehören Nepeta (Katzenminzen, besonders die Sorten „Walker’s Low“ und „Six Hills Giant“) und viele Arten von Salbei. Salvia nemorosa gibt es in Blau-, Lila- und Rosatönen, buschig oder aufrecht, für jeden ist da etwas dabei, meine eigenen Favoriten sind „Amethyst“, „Caradonna“ und „Blauhügel“. Besonders geeignet sind auch die Duftnesseln oder Agastachen. Deren Blüte beginnt, sobald Salvia und Nepeta verblüht sind und hält über Monate an. Da sie höher wachsen, kann man sie gut „in zweiter Reihe“ setzen. Die Sorte „Black Adder“ mit ihren schwarzblauen Blüten ist für mich unverzichtbar und, wie alle erwähnten Pflanzen, ein echter Insektenmagnet. Wer etwas gärtnerische Geduld mitbringt, kann Baptisia-Sorten und Echinacea pallida pflanzen. Beide brauchen ein paar Jahre, bis sie ihre tiefen Wurzeln ausgebildet haben und zu voller Größe auflaufen. Es lohnt sich.

Blau in Blau in der Uckermark: Nepeta „Walker´s Low “ und Salvia nemorosa „Caradonna“.
Foto: Rainer Elstermann

Von den unzähligen Möglichkeiten, die man bei der Pflanzenauswahl hat, möchte ich noch vier nennen: Die Steppenkerze Eremurus („himalaicus“ und „robustus“), deren an Seesterne erinnernde Wurzelknollen man vorsichtig behandeln muss. Belohnt wird man im Frühling, wenn sich riesige Stängel aus dem Boden schieben und alsbald anderthalb bis zwei Meter in die Höhe recken. Weiters das mexikanische Federgras (Stipa tennuissima), die Prachtkerze Gaura lindheimeri und Orgeanum laevigatum „Herrenhausen“, dessen Blüten im Spätsommer funkeln wie Rubine. Diese drei lieben die steinigen Bedingungen Brandenburgs und säen sich von selber aus. Statt immer neu zu pflanzen, reicht es in ihrem Fall, unerwünschte Sämlinge aus dem Boden zu rupfen. Das nennt man Gärtnerkomfort.


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