Die Rüschen schmücken und verschlanken optisch die Hüften: „Marta Maillot“ in der Farbe Navy von Casa Raki, um 200 Euro.
Foto: Casa Raki

Berlin - Immer dann, wenn ich nicht weiter weiß, Trübsal blase oder ich mich dazu bereit erklärt habe, über Bademode zu schreiben, lese ich Nora Ephron. Nicht nur, weil es sofort aufheitert, in Gesellschaft dieser einmaligen Autorin und Filmemacherin zu sein, sondern weil sie einen der wenigen wirklich vernünftigen Gedanken über Bademode formuliert hat. Zu finden im Essayband „Der Hals lügt nie“, lautet er: „Oh, wie ich es heute bedauere, dass ich mit sechsundzwanzig ein ganzes Jahr lang keinen Bikini getragen habe! Wenn eine junge Frau das hier liest, sollte sie sich sofort einen Bikini anziehen und nicht mehr ablegen, bis sie vierunddreißig ist.“ Das Buch erschien 2006, und obwohl es absurd wäre, Ephron posthum redigieren zu wollen, könnte ihr Rat zu mehr Selbstliebe in 2020 wohl so lauten: „Jede Frau, die das liest, sollte sich sofort einen Bikini anziehen und für den Rest des Sommers nicht mehr ablegen.“

Zum einen, weil wir in diesem Jahr nun wirklich andere Sorgen haben als die, ob der Körper bikinitauglich ist, Corona-Kilos hin oder her. Und zum anderen, weil sich das Verständnis davon, was ein bikinitauglicher Körper ist, in den letzten Jahren normalisiert hat – durch mehr Repräsentanz und weniger Rigidität. Die feldwebelhaften Befehle „Schlank, schön, straff!“ oder „In 12 Minuten zur Strandfigur!“, die rituell ab Mai von allen Frauenzeitschriften-Titeln drohten (und die man ebenso rituell nicht befolgte), liest man seltener. Stattdessen Mantras wie „All you need for a bikini body is a bikini and a body“, die zur Aufmunterung in den sozialen Netzwerken geteilt werden.

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