Kenzo Takada bei einer seiner Schauen im Jahr 1998.
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ParisDer Modeschöpfer Kenzo Takada ist tot. Er starb im Alter von 81 Jahren im Pariser Vorort Neuilly an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung, wie die französische Nachrichtenagentur AFP am Sonntag unter Berufung auf einen Kenzo-Sprecher berichtete. Takada stammte aus Japan, machte aber fast seine gesamte Designerkarriere in der Modemetropole Paris. Sein Vorname wurde dabei zu einer weltweit bekannten Marke.

„Kenzo Takada ist am Sonntag, 4. Oktober, im Amerikanischen Krankenhaus von Neuilly-sur-Seine an den Folgen von Covid-19 gestorben“, zitierte die Agentur eine Erklärung des Sprechers. „Was für ein Gestalter!“, schrieb die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo auf Twitter. Kenzo habe der Farbe und dem Licht einen Platz in der Mode gegeben. „Paris trauert heute um einen seiner Söhne“, so die sozialistische Politikerin.

Der Designer verkaufte seine Marke schon 1993 an den Luxuskonzern LVMH des Milliardärs Bernard Arnault. 1999 zog er sich als Modeschöpfer endgültig zurück. Zehn Jahre später ließ er seine exquisite Kunstsammlung mit etwa 1300 Stücken für knapp zwei Millionen Euro versteigern.

Kenzo Takada wurde am 27. Februar 1939 in der Burgstadt Himeji in der Präfektur Hyogo im südlichen Japan geboren. Allererste Erfahrungen sammelte er als Designer von Mädchenkleidung für die Kaufhauskette Sanai. Traditionell erzogen und unglücklich mit dem Literaturstudium, das seine Eltern für ihn vorgesehen hatten, schuf er sein Modereich quasi aus dem Nichts.

Als 25-Jähriger war er Mitte der 60er-Jahre nach Frankreich gekommen; er landete damals mit einem Schiff in der Hafenstadt Marseille und reiste nach Paris weiter. Der Absolvent der renommierten Bunka-Gakuen-Modeschule in Tokio dachte zunächst an einen begrenzten Aufenthalt in der europäischen Modemetropole – und blieb für immer.

Nachdem ihm Louis Feraud einige Entwürfe abgekauft hatte, arbeitete Kenzo als Freelancer für diverse Textilmarken. 1970 übernahm er eine historische Ladengalerie im Herzen von Paris, die er selbst anstrich und in der er seine allererste eigene Kollektion verkaufte. Da seine Boutique mit Motiven des Malers Rousseau dekoriert war, gab er ihr den Namen „Jungle Japonaise“. Bereits 1971 wurden seine mit Jungle JAP gelabelten Outfits in der US-Vogue gezeigt.

1976 zog er in größere Räume an der unweit gelegenen Place des Victoires und änderte seine Marke zu Kenzo (das „Jap“ war in den USA  als fremdenfeindlich beleidigend kritisiert worden). Ab 1983 gab es auch Kenzo-Herrenmode, 1988 folgte das Herrenparfüm „Kenzo“.

Von Beginn an war Kenzos lässiger, starkfarbiger und musterreicher Stil die Antithese zur althergebrachten Pariser Couture, in der es um präzisen Schnitt und Komplettheit bis zum letzten Accessoire ging. Kenzo selbst bezeichnete diese Art von Mode als „zu perfekt“ für den Alltag moderner Frauen. Neben Yves Saint Laurent und dem damals für Chloé entwerfenden Karl Lagerfeld wurde er zu einem Vorreiter einer jungen Prêt-à-porter, deren Teile immer wieder neu kombinierbar waren. 

In seinen Kollektionen interpretierte Kenzo folkloristische Elemente aus aller Welt neu. Tiroler Lodenjacken, indische Hosen, chinesische Stickereien, Beduinengewänder und immer wieder Batik – alles vermischte sich bei ihm zu einer naiv-optimistischen Flamboyanz, in der sich die Ära der Globalisierung bereits ankündigte.

Privat blieb er dennoch ganz der japanische Ästhet: Bis 2007 bewohnte Kenzo ein von ihm selbst entworfenes, großes Haus am Rande des Marais, in dessen traditionellem Garten weder Koi-Teich noch Kirschbäume fehlten.