Mit oder ohne Gürtel zu tragen: Das Hemdkleid von Sabrina Dehoff gibt es uni (300 Euro) oder gemustert (340 Euro).
Foto: Sabrina Dehoff

Berlin-MitteEntwirf niemals für dich selbst. Diesen Rat bekam Sabrina Dehoff im Modestudium. Damals schien es ihr schlüssig, dass ständiger Selbstbezug die Kreativität einschränkt. Längst findet die Designerin den Ansatz jedoch überholt. „Es ist doch ein Vorteil, wenn ich meine Erfahrung als Frau nutzen kann“, sagt sie. „Als Designer gerät man oft unter Originalitätszwang. Ich will aber nicht entwerfen, um zu beeindrucken, sondern um anderen ein gutes Gefühl zu geben.“

Auf dieser Grundlage entstand die Minikollektion „Solstice“ (Sonnenwende). Kleid, Hose, Shorts und Tunika sind aus Baumwolle und nach Dehoffs Vorgaben auf Kombinierbarkeit und Komfort zugeschnitten. „Ich wollte etwas, das sommerlich leicht und zugänglich ist.“ So sitzen die Schnitte eher locker, was Einheitsgrößen ermöglicht (Kleid und Tunika gibt es in einer, Hose und Shorts in zwei Größen) und an vielen Körpertypen funktioniert. Die Teile, die in Polen genäht werden, sind in zehn attraktiven Grundfarben und einigen Mustern erhältlich und überzeugen mit smarten Details, die sich beim Tragen offenbaren.

Der Schnitt: verlängertes Boyfriend-Shirt. Der Effekt, dank Baumwollpopelin: Kühlung bei jedem Schritt.
Foto: Sabrina Dehoff

Beim Kleid etwa hat Dehoff darauf geachtet, dass es seitliche Taschen und einen variierbaren Bindegürtel hat, der Schlitz nicht zu hoch ausfällt und die Ärmel über die Ellenbogen reichen. Einziger Schnörkel: eine Nadelbrosche, die es dazu gibt und die als Verschluss individuell nutzbar ist. Nicht zu vergessen die separat verkaufte, chunky Brillenkette aus Acetat. Zunächst nur fürs Styling der Werbefotos vorgesehen, war sie sofort so gefragt, dass es sie nun in einer Vielzahl von Farben gibt– und als Extra-Option mit Karabiner für den Mundschutz. „Diese Gliederketten können elegant wirken, aber auch amüsant. Sie haben eine besondere Allüre und verändern den Gesamtlook, ganz so wie Ohrringe oder Ringe.“

Wie frische Bettwäsche: Tunika (220 Euro) und knielange Shorts (120 Euro) in Reinweiß, dazu Schmucknadel und Brillenkette im Farbton „Torrone marmoriert“.
Foto: Sabrina Dehoff

Mit letzterem, also Schmuck, ist Sabrina Dehoff bekannt geworden. Doch die am Berliner Lette Verein und am Royal College of Art in London ausgebildete Designerin dachte immer wieder daran, zur Mode zurückzukehren. „Gelegentlich habe ich Capsule Collections, zum Beispiel von Seidenkleidern, entworfen, aber den Gedanken an eine regelmäßige Kollektion ständig verschoben“, sagt sie. „Durch Corona dachte ich: Jetzt erst recht. Die letzten sechs Monate waren eine Zäsur, aber auch Besinnung und Konzentration. Ich wollte das machen, worauf ich Lust habe und mich nicht in Ängsten verlieren.“

Der Schlitz ist knopflos, die Löcher sind für die Schmucknadel. Zur Brillenkette (hier in „Lavendel“, 35 Euro), gibt es auch Karabiner zum Festklemmen von Mund-Nase-Masken.
Foto: Sabrina Dehoff

Die Solstice-Kollektion war ein Testballon, der sofort abhob: Kaum in der Boutique, waren die Teile so schnell ausverkauft, dass Dehoff spontan Stoffe nachbestellen musste. Ein Ansporn, ab September damit weiterzumachen: „Die klassischen vier Entwürfe werden weiterentwickelt, zusätzlich kommen Modelle wie ein Mantel dazu und die Größenauswahl soll noch breiter werden.“

Im Italienurlaub hat sie – ökologisch hochkorrekt – Jacquardstoffe aus deadstock (bei Großproduktion immer anfallende Restware) bestellt; die nun daraus neue genähte Kollektion wird es dann auch im Onlineshop geben. Wobei eine Lektion der letzten Monate ist: Wenn local heroes die Stimmung und die Bedürfnisse des Moments wirklich treffen, kommen die Leute auch in den Laden.


Kleid (ab 300 Euro), Tunika (220 Euro), Hose (160 Euro) und Shorts (120 Euro) aus reiner Baumwolle sind in der Boutique von Sabrina Dehoff in der Auguststraße 26A erhältlich. Begrenzte Stückzahl. Die Brillenkette (35 Euro), auch als Maskenkette mit Karabiner (40 Euro), gibt es im Onlineshop: sabrinadehoff.com.


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