Neues Leben im Telegraphenamt in Mitte: Borchardt-Macher eröffnet Hotel

Zehn Jahre lang wurde das ehemalige Haupttelegrafenamt am Monbijoupark renoviert - nun können dort Gäste übernachten. Ein erster Blick ins neue Hotel.

Das hoteleigene Restaurant: Seit einigen Tagen kann im Root bereits gespeist werden.
Das hoteleigene Restaurant: Seit einigen Tagen kann im Root bereits gespeist werden.Florian Groehn

Wir müssen nochmal wiederkommen. In ein oder zwei Wochen, mit einer Fotografin oder einem Fotografen. Denn in seiner ganzen Schönheit lässt sich das Hotel Telegraphenamt noch nicht abbilden – noch sind nicht alle Zimmer fertig, ist nicht jeder der zahlreichen Gastronomie- und Wellness-Bereiche komplett eingerichtet. Trotzdem kann schon seit Dienstag im hauseigenen Restaurant Root gespeist werden; auch die ersten Gästezimmer werden nun vermietet.

„Soft Opening“ nennt sich das, eine schrittweise Eröffnung statt der großen, umfassenden Opening-Party, bei der alles steht und hängt, wo‘s halt stehen und hängen soll. Hinter dem Hotel Telegraphenamt, im ehemaligen Haupttelegrafenamt in der Monbijoustraße 11 gelegen, steht der Berliner Gastronom Roland Mary, der auch das legendäre Kult-Restaurant Borchardt führt.

Aber Moment mal – ein Gastro-König, der sich nun auf das Terrain der Hotellerie begibt? Der sein nobles Haus in Mitte sanft eröffnet? Hatten wir das nicht neulich erst? Tatsächlich befindet sich 15 gemütliche Gehminuten vom Telegraphenamt entfernt auch das Château Royal derzeit in einer Soft-Opening-Phase. Zu den Hoteleigentümern dort gehört wiederum Stephan Landwehr, der 2007 das Grill Royal mitgegründet hat – einen weiteren, einen anderen Stern am berlinischen Firmament der Szene-Gastronomie.

Ein bisschen mehr Bourgeoisie kann die Gegend wohl vertragen

Das nun beide in unmittelbarer Nähe zueinander ein Hotel eröffnen, ist durchaus interessant. Denn Borchardt oder Grill, Gendarmenmarkt oder Spreeufer, Schnitzel oder Steak – für manch verwöhnte Berlinerin und manch verwöhnten Berliner ist das eine Gewissensfrage, wie sie sich für den Rest der Stadt nur in Bezug auf Currywurst oder Döner, Hasenheide versus Mauerpark, Union gegen Hertha stellt. Dabei kann Berlin nichts als froh sein, dass es beide Lokale gibt – und vor allem, dass nun beide ihr Repertoire um ein Hotel in Mitte erweitern.

Gute Aussichten: Von den Zimmern zum Monbijoupark hin blicken die Gäste über ganz Ostberlin.
Gute Aussichten: Von den Zimmern zum Monbijoupark hin blicken die Gäste über ganz Ostberlin.Florian Groehn

Denn an die beiden „soften“ Neueröffnungen knüpft mancher auch die Hoffnung, dass dem Zentrum der Stadt ein neuer Charakter, ein neuer Glanz verliehen wird. Das hatte dieser Zeitung gerade erst der Modeunternehmer Emmanuel de Bayser gesagt, der just vor ein paar Tagen zwischen Château und Telegraphenamt seinen neuen Design-Tempel The Square eröffnete. Ein bisschen mehr Bourgeoisie könne der Bezirk doch wohl vertragen, der sich zuletzt arg kommerziell-touristisch entwickelt hatte.

Fragmente der historischen Rohrpostanlage sind noch zu sehen

Touristinnen und Touristen will freilich auch das Telegraphenamt in seinen 97 individuell geschnittenen Zimmern wärmstens empfangen, darunter mehrere großzügige Maisonetten und acht Zimmer, die speziell auf Gäste mit Behinderungen ausgerichtet sind. Doch das Hotel soll auch ein Ort für Berlinerinnen und Berliner sein, die sich im Restaurant Root, am Tresen der hauseigenen japanischen Bäckerei oder an der schön gestalteten Theke der Hotel-Bar treffen können. Zudem soll bald der schicke Herrenfriseur Gentlemen’s Circle eine Dependance im Telegraphenamt eröffnen, dieses Mal mit einem Angebot für Männer- wie für Frauenköpfe, wohlgemerkt. Und der 1200 Quadratmeter große Fitness- und Wellbeing-Bereich „hub“ mit verschiedenen Sauna- und Treatment-Angeboten muss auch bald fertig sein.

Der Star des Hotels dürfte allerdings das denkmalgeschützte Gebäude selbst bleiben. Seit zehn Jahren wird das ehemalige Haupttelegrafenamt, das seinen Betrieb 1916 aufgenommen hatte, sorgsam renoviert. Im Keller befand sich damals eine der größten Rohrpostanlagen Europas – noch immer sind in Lobby, Bar und Restaurant Fragmente davon zu sehen; Rohre und Röhren ergeben beeindruckende Metallmuster an der Gewölbedecke, die Backsteinwände sind größtenteils freigelegt. Eine Aufmachung, die durchaus beeindruckt.

Den ganz großen Auftritt gesteht man hier allerdings gerade auch den Gästen zu: Sie können sich von der ruhigen Monbijou-Sackgasse aus direkt vor den sandsteinfarbenen Rundbogen-Eingang vorfahren lassen, begleitet vom Plätschern des hoteleigenen Springbrunnens. Was etwa für die besten Hotels von London zum Standard gehört, ist in Berlin eine aparte, willkommene Ausnahme. Wir kommen wieder. Mit einer Fotografin oder einem Fotografen.

Hotel Telegraphenamt in der Monbijoustraße 11 in Mitte. Hotelzimmer können auf der Webseite des Hotels ab sofort angefragt werden, die Preise starten bei rund 200 Euro pro Nacht. Auch Root ist nun eröffnet; da sich die Küche noch einspielen muss, gewährt das Restaurant derzeit 50 Prozent Preisnachlass auf alle Speisen. Reservierungen unter (030) 99 40 59 150, www.root-restaurant.com