BerlinNeulich hatte ich ein sehr nettes Treffen mit der Redaktion, bei dem wir uns über zukünftige Themen für diese Kolumne austauschten. Eine Idee war, über Maßnahmen zu schreiben, die für den anstehenden Winter notwendig sind, also kurz: Wie man den Garten jetzt winterfest macht. Während man vor Jahren das Grundstück noch regelrecht aufgeräumt und eingepackt hat, haben sich die Zeiten und das Klima inzwischen verändert. Und so dachte ich erst, es gäbe kaum etwas, worüber ich da schreiben könnte.

Aber dann sind mir doch einige Arbeiten eingefallen, die man jetzt wirklich erledigen sollte. Und wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann: Es macht sogar Freude, den eigenen Garten für den Winter vorzubereiten. Das Was und Wie will ich nun anhand verschiedener Pflanzengruppen erläutern.

Nicht frostharte Pflanzen: Alles, was nicht verlässlich frosthart sind, muss entweder geschützt oder aus der Erde entnommen werden. Selbst wenn wir im vergangenen Winter hier in Brandenburg keinen nennenswerten Frost hatten und die letzten Jahre generell milder waren, so wird es doch immer wieder Ausreißer geben. Wir können also nie ganz sicher sein, dass nicht doch eine Kälteperiode anrückt. Und oft reichen schon ein oder zwei Tage unter -5 Grad, um Schaden anzurichten.

Als generelle Richtlinie gilt, dass mediterrane Pflanzen (zum Beispiel Oleander im Kübel) bis -5 Grad gut aushalten. Stehen sie windig und sonnig, dann sollte man sie etwas abdecken, zum Beispiel mit Jutesäcken oder Ähnlichem.

Dahlien sind meistens schwierig in der Erde zu überwintern, deshalb lieber die Knollen jetzt entnehmen und kühl sowie trocken lagern. Gut geeignet dafür sind zum Beispiel Kisten, die mit Sand gefüllt sind. Sie sollten an einem Ort gelagert werden, an dem es frostfrei, aber nicht wärmer als 10 Grad ist. Wie bei allen Pflanzen, die im Winter kein Laub tragen, können sie dunkel gelagert werden.

Bei Agapanthus, den Schmucklilien, gibt es immergrüne und sommergrüne Sorten. Letztere verlieren ihr Laub im Herbst, deshalb sind sie etwas frostverträglicher. Beide Sorten überwintere ich in einem frostfreien, kühlen Raum mit Tageslicht. Dafür habe ich einen isolierten Bereich mit Fenstern in meinem Schuppen; genauso eignen sich dafür Garagen mit Fenstern oder eine helle Stelle auf dem Dachboden oder im Keller.

Nachdem der Mammutblatt-Pflanzenstock  mit den eigenen Blättern abgedeckt wurde, folgt die nächste Schicht: ein Haufen trockenes Laub. Das freut auch Igel und andere Kleintiere im Garten.
Foto: Rainer Elstermann

Empfindliche Pflanzen: Eine der für uns Gärtner unangenehmsten Folgen des Klimawandels ist die unstete und nicht verlässliche Abfolge von Frost und milden Temperaturen. So hatten wir 2018 und 2019 nach ziemlich milden Wintern plötzlich im März und April starken Kahlfrost. Und sogar noch im Mai. Dies hatte zur Folge, dass die Apfelblüten bei uns in Brandenburg erfroren und die Bäume deshalb im Spätsommer kaum Früchte trugen. Auch die Blüten meines Blauregens erfroren. Gerade für alle dann blühenden Pflanzen ist Spätfrost tückisch. Aber auch für immergrüne Pflanzen: Die Sonne steht zu dieser Zeit schon hoch am Himmel, sodass über die Blätter viel Wasser verdunstet. Wenn dann der Boden gefroren ist und die Pflanzen deshalb kein Wasser aufnehmen können, ist das wesentlich schadhafter als Kahlfrost im Januar. Aber auch dann – gerade wenn verbunden mit kalten Ostwinden – benötigen viele Pflanzen Schutz.

Rosen: Die Veredlungsstelle von Rosen sollte mit Erde bedeckt werden. Ich häufe im Herbst eine kleine Pyramide aus Erde gemischt mit Pferdemist um die Pflanzen, die ich später im Frühling locker einarbeite. Durch den Pferdemist entsteht während des Winters Wärme und im Frühling düngt er dann gleich die Rosen. Da es schwer ist, an gut abgelagerten Pferdemist zu kommen (er sollte ein Jahr gelegen haben), greife ich jetzt meist auf Pferdemist-Pellets zurück. Sie sind etwas hygienischer, leichter in der Handhabung und mittlerweile von vielen Anbietern erhältlich.

Immergrüne Pflanzen: Sie decke ich erst bei Bedarf (also wenn dezidiert Frost angesagt wird) ab, da ich nicht den ganzen Winter solche verschnürten „Pakete“ sehen möchte, besonders nicht bei solch milden Temperaturen.

Gartenlieblinge: Die einzige Pflanze, die ich von Anfang an gut verpacke, ist meine Gunnera manicata, das Mammutblatt. Zuerst breche ich die Blätter des Mammutblatts ab und lege sie kopfüber auf das Herz der Pflanze. Darüber schichte ich trockenes Herbstlaub und decke es mit einer Folie ab, damit das Laub nicht durchnässt und die Gunnera darunter womöglich fault. Aus optischen Gründen bedecke ich die Folie wiederum mit etwas Laub und beschwere es mit ein paar Ästen. Wenn absehbar ist, dass die Temperaturen deutlich sinken werden, erweitere ich den Frostschutz um mehrere solcher Schichten. Wenn ich dann im Frühjahr alles entferne, hat sich zumeist schon ein Blütenstand unter der wärmenden Abdeckung entwickelt.

Den Laubhaufen deckt unser Gartenprofi schließlich mit einer Matte aus Wollfilz ab, die er für den sicheren Verbleib mit Birkenästen beschwert. (Bei sehr starkem, lang anhaltendem Frost empfiehlt er, die Laubschichtung daunter zu erhöhen.)
Foto: Rainer Elstermann

Eine weitere Pflanze, bei der ich mir besondere Mühe gebe, sind meine Euphorbia characias wulfenii. Die Stauden gelten hier nicht als frosthart, ich habe meine aber bereits seit vier Jahren im Garten und 2016 haben sie sogar -20 Grad (mit einer temporären Abdeckung) überstanden. Selbst wenn sie mal zurückfrieren, würden sie wohl von unten wieder austreiben. Dann allerdings müsste man für ein Jahr auf die herrlichen Blüten verzichten, die von März bis mindestens Juli den Garten schmücken.

Mein letzter Rat für den Garten im Winter: Alles Vertrocknete stehen lassen. Für die meisten Pflanzen ist es ein leichter Frostschutz, der auch noch wunderschön aussieht, wie ich finde. Und für Vögel und Käfer sind die Samen und Stängel eine Nahrungsquelle oder ein Ort zum Überwintern. So hilft das Nichtstun in diesem Fall der natürlichen Gesundheit unseres Gartens. Denn je mehr Insektenarten sich darin tummeln, desto weniger haben Krankheiten und Schädlinge eine Chance.


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