Palma de Mallorca - Mallorca hat ein Problem: Immer öfter werden verlassene Feriendomizile auf der Baleareninsel von Hausbesetzern vereinnahmt. Etliche Fälle sind in den vergangenen Monaten bekanntgeworden, wie die Mallorca-Zeitung berichtet.

Auch der Deutsche Frank Zingelmann ist demnach Opfer der Hausbesetzer geworden. Als er im Winter ein Wochenende in seinem Haus an der Playa de Palma verbringen will, bekommt er einen Schock: Drei Hunde hindern ihn am Betreten seines Eigentums. Zingelmann kann die Tür ohnehin nicht öffnen, die Schlösser wurden ausgetauscht. Zwei Erwachsene und drei Minderjährige wohnen nun offenbar darin, wie er später von Nachbarn erfährt. Er muss mit ansehen, wie zwei der Bewohner seinen Fernseher aus dem Haus tragen und im Auto davonfahren.

Viele Fälle von Hausbesetzungen auf Mallorca

Zingelmann ruft die Polizei, die zwar mit den Eindringlingen spricht, sie jedoch nicht zum Gehen zwingen kann – wegen der spanischen Gesetzeslage. Hierzu braucht es einen richterlichen Räumungsbeschluss, der aufgrund der überlasteten spanischen Justiz oft Monate, manchmal erst Jahre, später ausgestellt wird. Zingelmann muss erst einmal damit leben, das Fremde in seinem Chalet hausen und sein Mobiliar verschachern.

Fälle wie diesen gibt es laut Mallorca-Zeitung viele auf der Insel. Insbesondere in Palma und in der Gemeinde Marratxí machten sich „okupas“, wie die Hausbesetzer genannt werden, in verlassenen Wohnungen und Häusern breit. Der Ausdruck kommt vom spanischen Wort für „besetzen“: „ocupar“. Die Strategie sei immer dieselbe: Die okupas brechen in die verwaisten Domizile ein, tauschen die Schlösser aus und bringen Hunde zur Abschreckung mit. Laut einem Spiegel-TV-Bericht über okupas auf Mallorca sind die Besetzer angeblich „meist gitanos, spanische Roma-Clans“.

Die Rede ist von „mafiaartige Strukturen“

Allein in der Siedlung Marratxí waren im November nach Angaben einer Nachbarschaftsvereinigung 25 Häuser besetzt. Die Nachbarn beschwerten sich dort über Lärmbelästigungen und vermüllte Gärten. Der Gemeinderat Antoni Mangiova sagte der Mallorca-Zeitung, die Fälle wiesen „mafiaartige Strukturen“ auf. Teilweise würden die Besetzer in den Häusern Zimmer vermieten und in einem Fall hätten sie sogar versucht, mit gefälschten Dokumenten ein Objekt zu verkaufen.

Das Phänomen verweist auf die Notlage vieler Menschen

Doch das Phänomen verweist auch auf eine andere Problematik: die Notlage vieler Menschen in Spanien. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) lag die Jugendarbeitsosigkeit dort 2017 bei fast 40 Prozent.

Eine junge Mallorquinerin, die zusammen mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter ein Haus besetzt hat, erklärte der Mallorca-Zeitung, ihr Mann sei arbeitslos. Sie habe zwar gelegentlich einen Putzjob, die Miete für ein Wohnung könnten sie sich aber nicht mehr leisten. Deshalb hätten sie sich bei einer Wohnungsbaugesellschaft um eine Sozialwohnung bemüht – dort stehen sie allerdings auf der Warteliste. (rer)