BerlinHarry Styles ist der Held der Post-Millennials, und zwar vollkommen zu Recht. Der Ex-Sänger der Boyband One Direction hat sich solo zum Stylegott entwickelt und bewies dies zuletzt bei den Brit Awards. Zu Jackett, Pulli und Spitzenkragen trug Mr. Styles eine einreihige, kurze Perlenkette – und sah so unglaublich now aus, wie man als Mann nur aussehen kann. Nichts daran war trutschig oder omahaft. Styles wirkte einfach selbstbewusst und auf dem allerbesten Weg, seine Geschlechtsgenossen nachhaltig positiv zu beeinflussen. Cool Britannia rules again! 

Einige Vorarbeit in Sachen Herren-Geschmeide hat allerdings schon Prince geleistet. Nicht nur musikalisch, auch was Style und Stil anbelangt wusste der zierliche Gender-Bender einfach, was Männer tragen sollten, um toll auszusehen: Perlen. Perlen? Perlen! „If I gave you diamonds and pearls. Would you be a happy boy or a girl?“, fragte Prince in „Diamonds and Pearls“ schmachtend-verschmitzt, räkelte sich gewohnt frivol an allen Geschlechtergrenzen entlang und präsentierte sich als verschwenderischer Lover-Gockel, der seiner/seinem Angebeteten Diamanten und eben Perlen schenkt. Damit nahm er schon vor über 25 Jahren einen Trend vorweg, den er sich selbst bei der New-Romantics-Bewegung abgeschaut hatte.

Der Musiker und Produzent Pharrell Williams in Perlengeschmeide von Chanel. 
Foto: imgago images/ZUMA Press/Armando Gallo

Doch für den männlichen modischen Mittelbau waren Perlen lange Zeit nichts. Als Schmuck waren sie einer bestimmten weiblichen Klientel vorbehalten – sie hingen an Unternehmergattinnen, Königinnen und Romanistikstudentinnen. Allenfalls noch an Maggie Thatcher, der britischen Ikone stählerner Eleganz und des Klassenbewusstseins. Bei „Männer und Perlen“ hingegen dachte der heterosexuelle Mainstream-Macker höchstens an einen opulent dekorierten Maharadscha, wie den kindlichen Fürsten in „Indiana Jones und der Tempel des Todes“, oder an Piraten, deren Signature-Schmuckstück von jeher der einzelne Perlenohrring ist. Das muss man allerdings tragen und berufstechnisch auffangen können: In der Buchhaltung können Sie, liebe Arbeitnehmer-Herren, damit wohl kaum für Begeisterung sorgen.

Männer im angloamerikanischen Sprachraum tragen, Hip-Hop und Gangsta-Rap sei Dank, gerne mal Mineral und Metall: Diamanten im Gebiss, schweres Gold um den Hals oder an den Fingern. Die Perle hingegen hat nichts Hartes. Ihr Schimmer ist seiden, sie ist ein weicher Schmeichler für den Teint und verleiht ihrem Träger etwas Feminines. Eben daraus bezieht der moderne Mann seine Anziehungskraft, die Perle macht ihn soft. Woraus für das staunende Publikum folgt: Der Mann, der sie trägt, ist sich seiner Männlichkeit so sicher, dass er keinerlei Bedeutungsverlust erleidet, wenn er seinem Äußeren eine zartere Komponente hinzufügt. Perlen machen den Mann.

Wird für kräftige Männerhälse gern um ein, zwei Perlen verlängert: der Collier-Klassiker aus Akoya-Zuchtperlen von Wempe, ab 1835 Euro.
Foto: Wempe 

ASAP Rocky und Lars Eidinger tragen sie mittlerweile ebenfalls; Letzterer, als sowieso coolster deutscher Schauspieler, in Form eines mehrreihigen Chanel-Gebimmels voll ironischer Attitüde und mit dem selben Gleichmut wie schon seinen Aldi-Shopper aus Edelleder. Und eben wie das Leder braucht auch die Perle gute Behandlung, eine zarte Hand: Parfüm und Haarspray setzen ihr zu und ruinieren ihre schimmernde Oberfläche. Wer sie als Choker, also nah am Adamsapfel trägt, muss sie regelmäßig reinigen, denn die Säure der Haut tut Perlen ebenfalls nicht gut.

Ob sie denn nun echt sein müssen oder nicht, darüber entscheiden Träger und Outfit. Wobei auch hier das eherne Gesetz des modischen Stils gilt: Billig sieht schnell billig aus, und das muss Mann dann mit der richtigen Haltung und dem richtigen Outfit auffangen.

Auch darüber, wie die Perlenkette getragen werden muss, kann Mann von Welt nach Lust und Laune entscheiden. In der Früh vielleicht halsnah über dem Pulli, als dezenten Start in den Tag; gen Mittag schon etwas verwegener mehrfach um den Hals gewickelt. Während am Abend zum großen Glamour-Besteck gegriffen werden darf – dann aber bitte als Sautoire übergeworfen, also als lange Kette. Denn die kürzeren Varianten (Matinée und Opéra) sehen abends wirklich ein wenig tantchenhaft aus. 

Am Ende veredelt die Perle jedoch jeden Mann, tragen Sie sie doch einfach, wie Sie wollen. Nur bitte nicht als geknotete Kette, denn das bekommt weder der Perle noch Ihrem Image. Es sei denn, Sie sind Harry Styles. Aber dann können Sie ohnehin alles tragen.