Reed Hastings, Geschäftsführer und einer der Gründer des Filmstreaming-Dienstes Netflix, kann sich über einen der größten Erfolge in der Unternehmensgeschichte freuen.
Foto: dpa/Guillaume Horcajuelo

Los GatosAngefangen hat es mit Apollo 13. Reed Hastings, Mit-Gründer und Geschäftsführer des Streaming-Dienstes Netflix, hatte sich den Film mit Tom Hanks in der Rolle des Raumschiff-Kommandanten Jim Lovell, ausgeliehen – und das Rückgabedatum verpennt.

„Ich hatte die Videokassette verlegt und schuldete der Videothek schon 40 Dollar“, berichtete Hastings einmal der New York Times. „Im Fitnessstudio fiel mir auf, wie viel besser deren Konzept war: Da zahlte man eine monatliche Gebühr und konnte so oft trainieren, wie man wollte.“

Man kann es also der Vergesslichkeit des 1960 in Boston geborenen Ur-Enkels eines Erfinders zuschreiben, dass er eine Idee hatte, die ihn zum Milliardär machen und die Filmindustrie verändern sollte.

In Deutschland verbringen die Zuschauer bereits mehr Zeit mit Netflix als mit jedem anderen Fernsehanbieter; 23 Jahre nach der Unternehmensgründung ist das Verb „netflixen“ ein Synonym für „einen gemütlichen Filmabend auf der Couch verbringen“ geworden. Das gilt umso mehr in diesen Zeiten, in denen das Unternehmen von den Folgen der Corona-Pandemie profitiert, die die Menschen zwingt, zu Hause zu bleiben: 15,8 Millionen neue Abonnenten vermeldete Netflix im ersten Quartal 2020 – das sind fast doppelt so viele wie prognostiziert. Damit bringt es der Streaming-Dienst nun auf 183 Millionen zahlende Mitglieder.

Hastings, der seinen Abschluss in Informatik an der Elite-Universität Stanford machte, gründete Netflix 1997 gemeinsam mit seinem Kollegen Marc Randolph zunächst als Online-Videothek im kalifornischen Los Gatos. Er habe damals keine Ahnung gehabt, ob jemand den neuen Filmdienst würde nutzen wollen, behauptet er selbst. Dass er den Schritt trotzdem wagte, mag mit der gleichen Einstellung zu tun gehabt haben, die ihn als jungen Mann bewegte, dem Friedenscorps beizutreten und an einer Schule in Swasiland zu unterrichten: Abenteuerlust. „Wenn man einmal mit zehn Dollar in der Tasche durch Afrika gereist ist, dann erscheint eine Unternehmensgründung nicht mehr ganz so einschüchternd“, gestand Hastings einst dem Wirtschaftsmagazin Inc.

Wäre es nicht zynisch, so könnte man behaupten, dass Netflix wie für die Corona-Krise gemacht ist, in der immer mehr Menschen ihre Zeit zu Hause verbringen. Dabei war Netflix nach Hastings Auffassung schon vorher die perfekte Kombination aus der Filmverrücktheit der Amerikaner und ihrem Hang, das eigene Sofa so selten wie möglich zu verlassen.

Er selbst gehe mit seiner Frau mehrmals im Monat ins Kino, hat Reed Hastings einmal gesagt. Auf dieses berufsnahe Hobby muss der Vater zweiter Kinder zurzeit wohl verzichten: Im Corona-Lockdown trifft es sich gut, dass es in seinem Haus im kalifornischen Santa Cruz  natürlich auch ein kleines Privatkino gibt.