Angeblich hatten sie einen furchtbaren Jahresurlaub. Und das gleich zwei Mal hintereinander. Deborah Briton, ihr Partner Paul Roberts und ihre beiden Kinder erkrankten nach eigenen Angaben sowohl während ihres Mallorca-Urlaubs 2015 als auch während ihres Aufenthalts auf der Balearen-Insel 2016. Dafür forderten sie von ihrem Reiseveranstalter Thomas Cook 20.000 Pfund (rund 22.500 Euro) Schadenersatz, wie die britische Zeitung Guardian berichtet, nachdem der Fall nun vor Gericht landete.

Laut dem Boulevard-Blatt „The Sun“ gab die Familie in beiden Fällen an, während des gesamten Urlaubs an einer Lebensmittelvergiftung gelitten zu haben. Die Anwälte des Paares erklärten dem Guardian zufolge: „Der Urlaub unserer Klienten wurde aufgrund ihrer Symptome ruiniert, da sie während des gesamten Aufenthalts krank waren. Es war ihnen nicht möglich, ihren Urlaub zu genießen.“

„Zwei Wochen voller Sonne und Spaß“

Allerdings hört sich das, was Deborah Briton kurz nach ihrem All-Inclusive-Urlaub auf Facebook postete ganz und gar nicht nach einem Albtraum-Trip an. Nach ihrer Reise im Juni 2015 schrieb Briton dem Guardian zufolge, ihre Familie sei nach „zwei Wochen voller Sonne, Lachen und Spaß“ wieder zurückgekehrt. „Wir haben all unsere lieben Urlaubsfreunde getroffen, die unseren Aufenthalt großartig gemacht haben.“ Nach dem zweiten Trip im Juli 2016 schrieb sie: „Zurück zu Hause nach einem fantastischen Urlaub, bis jetzt mein liebster.“

Das Gericht, der Liverpool Crown Court, sah es nun als erwiesen an, dass das Paar den Reiseveranstalter betrogen hatte und verurteilte Deborah Briton (53) zu neun Monaten Haft und ihren Partner Paul Roberts (43) zu 15 Monaten Gefängnis. Briton schluchzte bei Verkündung des Urteils. Richter David Aubrey QC sagte dem Guardian zufolge die Forderungen des Paares seien eine „völlige Schande“.

„Das war alles Fake“

Der Richter erklärte, es habe sich „von Anfang bis Ende um Betrug gehandelt“ und führte gegenüber den Angeklagten weiter aus: „Sie haben in Ihrem Namen und im Namen Ihrer beiden Kinder behauptet, dass Sie alle in zwei verschiedenen Urlauben erkrankt seien“. Seine Überzeugung: „Das war alles Fake.“ Warum das Paar aus dem westenglischen Wallasey  so handelte? „Pure Gier“, urteilte der Richter laut BBC.

Es soll wohl auch ein Signal für alle sein, die mit dem Gedanken spielen aus ihrem Sommerurlaub illegal Kapital zu schlagen. Denn Aubrey sprach auch eine Warnung aus: „Diejenigen, die sich versucht fühlen, unehrliche Ansprüche wegen einer falschen Urlaubserkrankung geltend machen zu wollen, müssen – wenn Ermittlungen eingeleitet und der Fall vor Gericht gebracht wird – damit rechnen, dass sie eine sofortige Haftstrafe erwartet.“

„Eine Flut von falschen Forderungen“

Die Betrugsmasche ist in Großbritannien weit verbreitet: In den deutschen Medien wurde die  Vielzahl von Betrugsfällen auch als „Durchfall-Masche“ britischer Touristen bekannt.  In dem Guardian-Artikel heißt es, dass es inzwischen „eine Flut von falschen Forderungen wegen vermeintlicher Lebensmittelvergiftungen“ durch Urlaubsrückkehrer gebe. Ihr Anteil habe sich seit 2013 um 500 Prozent gesteigert.

Dies sorgte nicht nur für großen Unmut bei spanischen Hoteliers und britischen Reiseveranstaltern, es veranlasste sogar den britischen Außenminister Boris Johnson dazu zu erklären, die Verdauungssysteme der Briten „sind die empfindlichsten weltweit geworden“. Der Anstieg falscher Ansprüche gegenüber Reiseveranstaltern habe das Ansehen des Vereinigten Königreichs in Übersee verschlechtert. „Es ist auch extrem unfair gegenüber denjenigen, die wirklich krank werden und jetzt riskieren, Opfer unberechtigten Verdachts zu werden.“

Betrügereien haben spanische Hoteliers Millionen gekostet

Die britische Regierung hat Reiseveranstalter nun dazu angehalten, Nachweise und Belege für die mutmaßliche Lebensmittelvergiftung ihrer Kunden zu sammeln.  Die Vereinigung der britischen Reiseveranstalter (The Association of British Travel Agents, Abta) erklärte, sie begrüße die Maßnahme als Gegenschlag gegen die Betrügereien, die ihren Ruf geschädigt und spanische Hoteliers Millionen Pfund gekostet habe. (rer)